Samstag, 15. August 2015

Verdacht - sexueller Übergriff auf ein Kind in evangelischer Kita in Roßdorf

Kind erzählt zu Hause von Vorfall 

Der 29-jährige Mann, den die Polizei am Mittwochnachmittag festgenommen hat (wir berichteten), ist eine fest angestellte pädagogische Fachkraft in der Kindertagesstätte. Das bestätigte Volker Rahn, Sprecher der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), dem ECHO. 

Am Montagabend habe ein Kind zu Hause von Übergriffen des Mannes erzählt, schilderte Rahn den Gang der Dinge. Noch am selben Abend habe die Evangelische Kirchengemeinde Roßdorf den Verdächtigen vom Dienst freigestellt. Ebenfalls am selben Abend sei der zuständige Fachbereich in der EKHN in Darmstadt unterrichtet worden. Am Dienstagmorgen habe die Kirchengemeinde, die Trägerin der Einrichtung ist, Polizei und Jugendamt informiert, sagte Rahn weiter. Seitdem ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft Darmstadt. 

Nähere Angaben machte Rahn nicht, "um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden". Er betonte: "Wir haben ein hohes Interesse an Aufklärung." Die EKHN und die Gemeinde vor Ort seien bestürzt über den Verdacht. "Wir wollen wissen, welche Dimension dahintersteckt." Momentan kenne man lediglich den einen konkreten Fall, könne aber vor Abschluss der Ermittlungen nicht ausschließen, dass es weitere Fälle gebe. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft hielten sich bedeckt. Sie bestätigten dem ECHO, dass es den Verdacht gebe und dass ein 29-jähriger Mann festgenommen worden sei. Nähere Angaben wollten die Behörden nicht machen. Auch auf Fragen nach dem beruflichen Hintergrund oder etwaiger Kontakte mit Kindern über Sport und Freizeit blieben unbeantwortet. Angaben hierzu würden die Ermittlungen gefährden.

Der Vorsitzende des Kirchenorstands der Evangelischen Kirchengemeinde Roßdorf, Aloys van der Beck, äußerte sich betroffen: "Wir sind erschüttert über die vermuteten Vorkommnisse in unserer Kindertagesstätte. Wir leiden mit den verunsicherten Eltern und vor allem ihren Kindern."
Am Donnerstagnachmittag gab es in der Kindertagesstätte eine Veranstaltung für die betroffenen Eltern, sagte EKHN-Sprecher Rahn. Dort sei über den Stand der Dinge informiert worden, den Eltern werde persönliche Beratung und Hilfe angeboten, die die Kirche finanziere. Das Angebot gelte ab sofort, auch während der Kita-Sommerferien, die am kommenden Montag beginnen.

Nach Angaben von Rahn hatte der Verdächtige ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, das wie vorgeschrieben alle zwei Jahre erneuert worden sei. Er habe wie alle Mitarbeiter an Weiterbildungen teilgenommen, bei denen auch das Thema sexuelle Übergriffe und sexuelle Gewalt angesprochen worden sei. 

Das Vier-Augen-Prinzip - es besagt, dass immer zwei Erwachsene sich um Kinder kümmern, damit nicht eine Person mit den zu betreuenden Kindern allein ist - sei seiner Kenntnis nach "nicht gewährleistet", wenn es sich um eine pädagogische Fachkraft handele. Es werde bei Personengruppen wie Bundesfreiwilligendienstleistenden oder Praktikanten angewendet, wenn sie in einer Kita arbeiten. 

Das Jugendamt des Landkreises Darmstadt-Dieburg sagte dem ECHO: "Der Träger hat sich richtig verhalten." Die Kirchengemeinde habe "sofort und unverzüglich" den Verdachtsfall bei Polizei und Jugendamt gemeldet und den Verdächtigen beurlaubt.

Der Roßdorfer Verdachtsfall ist bereits der zweite in dieser Woche im Landkreis Darmstadt-Dieburg. Erst am Montag war bekanntgeworden, dass in einer katholischen Kita in Pfungstadt mindestens zwei Mädchen sexuell belästigt worden sein sollen. Unter Verdacht steht ein 20-Jähriger, der seinen Bundesfreiwilligendienst in der Einrichtung absolvierte. Auch in diesem Fall laufen die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen