Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

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Freitag, 30. Oktober 2015

Fall Yagmur: Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten des Jugendamtes

Das Strafverfahren um den Tod der dreijährigen Yagmur ist abgeschlossen. Das Urteil des Landgerichts Hamburg vom 25. November 2014 gegen die Eltern des Kindes sei rechtskräftig, teilte das Gericht am Donnerstag mit. Die Revision der Mutter habe der Bundesgerichtshof als offensichtlich unbegründet verworfen. Yagmur war kurz vor Weihnachten 2013 in der Wohnung ihrer Eltern im Stadtteil Billstedt an den Folgen schwerer Misshandlungen durch die Mutter gestorben. Sie wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes verurteilt, der Vater zu viereinhalb Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen. Er hatte das Urteil nicht angefochten. Der Vater wusste nach Ansicht der Richter von den Misshandlungen, habe diese aber nicht gestoppt.

Der Richter war in seiner Urteilsbegründung auch auf einen Bericht der Jugendhilfe eingegangen, in dem zahlreiche Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten der Behörden aufgelistet sind. Yagmur war seit ihrer Geburt von Jugendämtern betreut worden. Im Januar 2013 wurde sie wegen einer lebensgefährlichen Schädelverletzung im Krankenhaus behandelt. Ein Rechtsmediziner erstattete Anzeige wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung, die Staatsanwaltschaft ermittelte. Weil sich die Pflegemutter des Kindes selbst bezichtigte, kam Yagmur gut vier Monate vor ihrem Tod wieder in die Obhut ihrer leiblichen Eltern. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil nicht geklärt werden konnte, ob die leiblichen Eltern oder die Pflegemutter für die Misshandlungen verantwortlich waren.

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