Freitag, 20. November 2015

Ein totes Baby, hat das Jugendamt Bielefeld versagt!

„Wir haben den Tod des Kindes nicht verhindern können.“ Verantwortliche des Jugendamtes Bielefeld zeigen sich nach dem Tod eines dreieinhalb Monate alten Babys tief betroffen. In einer Pressekonferenz versuchten Dienstagnachmittag Sozialdezernent Ingo Nürnberg und Jugendamtsleiter Georg Eppe klarzustellen, dass der Tod des Babys für keinen Betreuer vorhersehbar war.

Die in Gellershagen lebende Familie hat auch noch einen dreijährigen Sohn. 2012 nach der Geburt des Jungen hätten die Eltern zum ersten Mal Kontakt mit dem Jugendamt gehabt. Auf Bitten der Eltern leistete das Amt seit Dezember 2013 durch einen Freien Träger ambulante Hilfe bei der Erziehung des Kindes.

Mitte August des vergangenen Jahres habe das Jugendamt festgestellt, so Sozialdezernent Ingo Nürnberger, „dass die Eltern die Hilfe gut annehmen und verlässlich und aktiv mitwirken“. Am 4. August 2015 brachte die 34-jährige Frau dann Zwillinge auf die Welt, einen Jungen und ein Mädchen. Sie kamen sechs Wochen zu früh zur Welt und wurden Mitte September aus der Kinderklinik nach Hause entlassen.

Regelmäßige Besuche in der Familie

Laut Jugendamt besuchte eine Hebamme Eltern und Kinder regelmäßig, dreizehnmal seit der Geburt und fünfmal zwischen dem 13. Oktober und 5. November. Zusätzlich habe sich eine Fachkraft des ambulanten Dienstes mindestens einmal wöchentlich für insgesamt drei Stunden pro Woche um Eltern und Kinder gekümmert.



Der letzte Hausbesuch fand am 11. November, drei Tage vor dem gewaltsamen Tod des Säuglings, statt. „In der gesamten Zeit gab es keinerlei Hinweise auf Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung. Vielmehr berichteten die betreuenden Personen stets über eine positive Entwicklung der Kinder und über die Kooperationsbereitschaft der Eltern“, so Jugendamtsleiter Georg Eppe. Er betont: „Im Verfahren und im Betreuungsverlauf kann bislang kein fehlerhaftes Verhalten festgestellt werden.“ Doch den Tod des Kindes werde die Stadt Bielefeld zum Anlass nehmen, die internen Verfahren und die Zusammenarbeit mit den Trägern zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Für den dreijährigen Sohn hat das Jugendamt inzwischen eine Bereitschaftspflegefamilie gefunden. Das dreimonatige Zwillingsschwesterchen, das bei der mutmaßlichen Attacke seines Vaters auch verletzt wurde, liegt noch immer in der Kinderklinik. Weder Jugendamt noch Polizei wollten sich zu dem Gesundheitszustand äußern.

Eltern riefen selbst den Notarzt

Derweil laufen bei der Mordkommission „Zwilling“ die Ermittlungen weiter auf Hochtouren. Nach derzeitigem Stand riefen die 34-jährige Mutter und der 32-jährige Vater am Samstagmorgen den Notarzt. Die Zwillinge wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Hier konnte nur noch der Tod des Jungen festgestellt werden.

Noch bevor das Obduktionsergebnis feststand – erhebliche Schädelverletzungen, – war der Vater bereits am Samstag festgenommen worden. Gegen ihn war ein Haftbefehl vollstreckt worden, weil er eine Geldstrafe für eine Ordnungswidrigkeit nicht bezahlt hatte. Am Dienstagvormittag wurde er dem Haftrichter vorgeführt. Der erließ jetzt einen Haftbefehl wegen Totschlags durch Unterlassen in Zusammenhang mit Misshandlung von Schutzbefohlenen. Inzwischen befindet sich der 32-jährige Vater in Untersuchungshaft.

Gerichtsmediziner wollen in den nächsten Tagen mit weiteren Untersuchungen klären, wie das dreieinhalb Monate alte Baby genau zu Tode kam.


http://www.nw.de/lokal/bielefeld/mitte/mitte/20629717_Viele-Fragen-nach-Tod-des-Babys.html





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