Freitag, 27. November 2015

Jugendamt Limburg: sexueller Missbrauch unter den Augen des Jugendamtes

Das mutmaßliche Opfer, die selbst den Angeklagten entlastet hatte, sei eigentlich "eine ganz Liebe" gewesen, irgendwann aber "total fertig; wie ein gehetztes Tier". Das Mädchen habe Zeit in ihrer Nachbarwohnung regelrecht gesucht, habe "eine Person gebraucht, die sich richtig um sie kümmert".

Die Frau behauptete, die Eltern hätten von einem Missbrauch ihrer Tochter durch den Angeklagten gewusst. Der habe dafür Geld geschickt. Sie selbst sei anwesend gewesen, als der Vater zu seiner Tochter gesagt habe: "Wenn du schön brav bist, dann ist die Summe auch immer hoch." Sie habe explizit nachgefragt, ob das Paar sein Kind verkaufe, aber nie eine Antwort erhalten.

Die ehemalige Nachbarin sagte, dass sie oft Streit gehört habe. Sie erklärte: "Für mich müsste auch der Vater hier sitzen", und zeigte auf den Platz des Angeklagten. Sie habe ihn seinen Sohn mit Vergewaltigung drohen hören, wenn dieser nicht rasch ins Bett gehe. Der Sohn sei auch geschlagen worden. Und sie sei dabei gewesen, als der Mann seine Tochter aufgefordert haben soll, ein Röckchen anzuziehen, bevor er ihr dann ans Geschlecht fasste. "Es gab mehrere solcher Sachen", sagte sie.

Über den Angeklagten habe sie auch Gerüchte zu einem einschlägigen Vorleben gehört. Schließlich habe sie dann ihre Kinder schützen müssen und der Tochter untersagt, in die Nachbarswohnung zu gehen. Der Entschluss sei gefallen, nachdem der Angeklagte in einem Telefonat das mutmaßliche Opfer und die Freundin aufgefordert haben soll, sich auf eine Flasche zu setzen.

Beim Amt "hat sich niemand interessiert"

Eigentlich hätte sie die Nachbarskinder nehmen und abhauen sollen, sagte sie rückblickend. Und sie warf dem Jugendamt vor, eben dies viel zu lange nicht getan zu haben. So habe sie das Amt über jenes Video informiert, das den Missbrauch zeigen soll - und das dem Gericht auch vorliegt. Darauf habe das Amt nicht reagiert: "Die wussten Bescheid, aber es hat sich niemand dafür interessiert". Die Behörde sei "beinahe täglich" im Haus gewesen - Konsequenzen habe es aber nie gegeben.

Sie habe das Amt auch einmal über die Anwesenheit des Angeklagten informiert. Von der Behörde selbst habe sie nämlich von einer einschlägigen Vorgeschichte erfahren und wusste, dass er sich nicht im Hause aufhalten durfte. Auch da sei keine Reaktion des Jugendamtes erfolgt. "Das Amt hätte reagieren müssen. Aber die hatten nur die Dollarzeichen in den Augen", sagte sie verbittert über die Behörde.

Die heute 16-jährige Tochter der Zeugin bestätigte in ihrer Vernehmung, die ihr sichtlich unangenehm war, die Aussagen der Mutter weitgehend. Sie habe bei gegenseitigen Besuchen einige Telefonate hören müssen, die sie in ihrem damaligen Alter - der Tatzeitraum liegt drei bis sechs Jahre zurück - als seltsam, unangenehm, ekelhaft empfand. Den Angeklagten habe sie zwar stimmlich nicht hundertprozentig identifizieren können. Doch sei sie wegen der Andeutungen und Erzählungen ihrer Freundin nie davon ausgegangen, dass es sich um jemand anderes handeln könnte. 
 

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