Freitag, 13. November 2015

Nimmt das Jugendamt Brandeburg an der Havel zu schnell den Eltern die Kinder weg?

Nirgendwo sonst im Land werden so viele Kinder vom Jugendamt in Obhut genommen wie in Brandenburg an der Havel. Die Zahl schwankt zwischen 95 und 119 im Jahr. Jetzt lässt die Behörde wissenschaftlich untersuchen, ob es Eltern zu schnell die Kinder wegnimmt. 

 Nimmt das Jugendamt der Stadt Brandenburg Eltern zu häufig die Kinder weg, weil sich diese in angeblicher Gefahr befinden? Fest steht nach Angaben von Ina Lübke, dass sich die Zahl der so genannten Inobhutnahmen in Brandenburg an der Havel deutlich von denen in den anderen kreisfreien Städten unterscheidet. Nirgendwo sonst im Land Brandenburg werden so viele Kinder aus verwahrlosten Haushalten geholt oder aus anderen Gründen den Eltern entzogen. 2014 waren es 95 Jungen und Mädchen in Brandenburg, 56 in Cottbus, in Frankfurt (Oder) 34 und 84 Kinder und Jugendliche in Potsdam. Das teilte Florian Engels, Sprecher des brandenburgischen Ministeriums für Jugend und Bildung, mit. 

Vom 1. Januar bis zum 31. Oktober brachten Mitarbeiter des Brandenburger Jugendamtes bereits 92 vernachlässigte Jungen und Mädchen in den Kinder- und Jugendnotdienst oder in Kurzzeitpflege. Das sind fast jetzt schon ebenso viele wie im ganzen vorigen Jahr. Im Durchschnitt bleiben die Kinder rund drei Wochen im Notdienst. Die meisten Kinder kommen wieder zu den Eltern zurück. Kerstin Schöbe, Fachbereichsleiterin für Jugend, Soziales und Gesundheit, sagt: „Wir sind eine Stadt mit einer hohen Sozialbelastung. Aber wir wollen selbstkritisch eine externe wissenschaftliche Untersuchung, ob wir nicht zu schnell Kinder in Obhut nehmen.“ Auch eine Trennung der Kinder von ihren Eltern könne zu einer Traumatisierung der Kinder führen. Beauftragt ist damit die Start GmbH in Hennigsdorf. Die Untersuchung finanziert das Land.

Ein Sozialarbeiter könnte in der Elternwohnung dem Kind helfen

Eine Alternative zur Trennung von den Eltern wäre, den Familien in verwahrlosten Haushalten sofort einen Sozialarbeiter an die Seite zu stellen. Der könne dann die Eltern unterstützen, die Wohnung wieder bewohnbar zu machen, ohne dass das Kind in den Kinder- und Jugendnotdienst müsste. Es ist eine Gratwanderung.

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