Freitag, 8. Januar 2016

Cloppenburg: Kinder verwahrlosen und das Jugendamt schaut zu?

Im Fall von vier verwahrlosten Kindern einer Familie in Löningen (Landkreis Cloppenburg) hat die SPD im Kreistag jetzt politische Konsequenzen gefordert. Fraktionssprecher Detlef Kolde wirft den Verantwortlichen vor, von der Situation der Kinder seit mehr als einem Jahr gewusst zu haben. Die Polizei hatte an Silvester vier Kinder aus einem völlig heruntergekommenen Haus in Löningen geholt. Auf dem Fußboden lagen Müll und Unrat, das ganze Haus war voller Tiere. Nach Angaben einer Sprecherin hatte es einen Hinweis aus der Bevölkerung gegeben, ein Richter habe die Maßnahme daraufhin umgehend angeordnet. Die Beamten brachten die Kinder zunächst ins Krankenhaus, mittlerweile sind sie in Pflegefamilien untergekommen. Auch die Betreuer hatten bereits kritisiert, dass das Jugendamt des Landkreises erst jetzt reagiert hat.

Kinder lebten in Müll und Dreck

Hinweise auf die schwierigen Verhältnisse habe es bereits 2011 gegeben, sagt Annegret Többen, Leiterin des katholischen St. Marien-Kindergartens. Die Beschreibungen klingen erschütternd: Das Haus sei völlig verdreckt, die Kinder teils nicht ausreichend ernährt, erkrankt und auch in der Entwicklung zurück gewesen. Immer wieder habe sie - auch in Einschreiben - auf die prekäre Situation aufmerksam gemacht, erzählt Többen, die sich seit Jahren um die Kinder kümmert. "Wir hätten uns mehr Begleitung gewünscht", sagt sie.

Familie lehnte Hilfe stets ab

Der Landkreis verweist darauf, dass die Familie angebotene Hilfeleistungen stets abgelehnt habe. "Die Situation stellte sich aber auch insbesondere bei den zahlreichen Hausbesuchen nicht als so prekär dar, dass das Jugendamt eine Kindeswohlgefährdung feststellen konnte und eine sofortige Herausnahme der Kinder aus der Familie gerechtfertigt gewesen wäre", heißt es in einer Stellungnahme des Landkreises. Dem widerspricht die Kindergartenleiterin. Sie spricht von kotverschmierten Wänden und "Gefahr im Verzuge". Auch Berichte von anderen Beobachtern wie Polizeibeamten und sogar Fotos sollen davon zeugen, dass die Zustände in der Familie schon länger prekär sind. Der Kreis spricht hingegen von einem "akzeptablen Zustand" der Wohnung. Es habe bis zum Jahresende keine Anhaltspunkte gegeben, in das Sorgerecht der Eltern einzugreifen. Die Kinder seien seit Beginn der Betreuung in einem guten Ernährungszustand gewesen, sie seien liebevoll von den Eltern betreut worden, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Ermittlungen gegen Eltern

Die Polizei im Landkreis Cloppenburg und die Staatsanwaltschaft ermitteln nun wegen der Misshandlung Schutzbefohlener gegen die Eltern. Laut Landkreis haben die Eltern mittlerweile eingewilligt, weitergehende Hilfe anzunehmen.

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