Sonntag, 17. Januar 2016

Fall Alessio: Ermittlungen gegen das Jugendamt dauern an!

Vor einem Jahr ist der dreijährige Alessio aus Lenzkirch im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald durch die Hand seines Stiefvaters gestorben. Das Landgericht Freiburg hat den 33-Jährigen im Oktober zu sechs Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt. Weil die Familie beim Jugendamt schon lange zuvor bekannt und von Mitarbeitern der Behörde begleitet und betreut worden war, wird seit dem Todesfall auch gegen sie ermittelt. Nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Michael Mächtel sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Deshalb sei auch noch keine Entscheidung darüber getroffen, ob gegen Mitarbeiter des Jugendamts Anklage erhoben wird. Die Ermittlungen gegen Alessios Mutter seien eingestellt, sagt Mächtel. Ihr Lebensgefährte hatte sie während des Prozesses belastet.

Die Tragödie, bei der Alessio zu Tode kam, ereignete sich am Nachmittag des 16. Januar. In der Meldung, die die Polizei am frühen Abend an die Medien gab, heißt es, kurz nach 16 Uhr sei ein 32 Jahre alter Mann mit einem leblosen Dreijährigen bei einem Arzt im Raum Titisee-Neustadt erschienen. Er habe angegeben, der Junge sei die Treppe hinuntergefallen. Der Kinderarzt versuchte, das Kind zu reanimieren, was nicht gelang. Kurz nach 17 Uhr stellte er den Tod des Jungen fest.

Es dauerte, bis die Hintergründe der Tat aufgedeckt waren. Es stellte sich heraus, dass sich Mitarbeiter des Jugendamtes im Kreis Breisgau-Hochschwarzwald schon längere Zeit um die Familie gekümmert haben. Auch in der Universitäts-Kinderklinik Freiburg war Alessio seit Sommer 2013 bekannt. Damals war er mit schweren Verletzungen in die Klinik gebracht worden, die Ärzte äußerten den Verdacht, das Kind sei misshandelt worden. Als Alessio im Sommer 2014 wieder behandelt werden musste, erstatteten sie Strafanzeige gegen Unbekannt und warnten das Jugendamt, der Junge dürfe nicht in die Familie zurück.

Tatsächlich lebte er eine Weile mit seiner psychisch labilen Mutter bei deren Mutter. Gegen den Stiefvater wurden Ermittlungen eingeleitet. Als die ohne Ergebnis blieben, baten Stiefvater und Mutter im Oktober 2014 das Jugendamt, wieder als Familie zusammen leben zu dürfen. Die Behörde prüfte das Ansinnen und willigte ein.

An jenem 16. Januar 2015 musste die Mutter ins Krankenhaus. Alessio blieb beim Stiefvater. Der gab später zu, das Kind geschlagen zu haben. Drei Schläge in den Bauch habe er ihm verpasst, so stark, dass der Dreijährige daran starb.

Die Richter des Landgerichts Freiburg glaubten dem Stiefvater, dass er das Kind nicht töten wollte, sondern aus Wut und Überforderung gehandelt habe. Deshalb wurde er nicht wegen Mordes, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung verurteilt.

Die Kritik am Handeln des Jugendamts riss nicht ab. Deshalb beauftragte das Landratsamt einen Gutachter, die internen Abläufe zu prüfen. Während des Prozesses legte der Sachverständige Heinz Kindler einen Zwischenbericht vor. Darin bescheinigte er dem Jugendamt, Fehler gemacht zu haben.
Der Abschlussbericht werde Ende Januar vorliegen, sagt Matthias Fetterer, Sprecher des Landratsamtes. Am 2. Februar wird der Jugendhilfeausschuss des Landkreises darüber beraten. Als Konsequenz aus dem Todesfall sei die Kommunikation zwischen den Mitarbeitern des Jugendamts und der Fachbereichsleitung verbessert worden. Ein Punkt, den der Sachverständige Kindler kritisiert hatte.

http://www.swp.de/ulm/nachrichten/suedwestumschau/Alessios-tragischer-Tod;art4319,3633146

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