Sonntag, 10. Januar 2016

Kinderheim Salchendorf: Der reinste Albtraum?

Vier Monate ist das her: Das Jugendamt nimmt 22 Kinder und Jugendliche in Obhut, die in einem Kinderheim in Salchendorf untergebracht waren. Anlass für den Eingriff war eine „massive Kindeswohlgefährdung“. Nachdem für die Sieben- bis 17-Jährigen eine neue Unterkunft gefunden ist, schaltet das Jugendamt die Staatsanwaltschaft ein. Seitdem laufen die Ermittlungen.
Erkenntnisse darüber, was den Kindern widerfahren ist und den Betreibern der Einrichtung vorgeworfen wird, werden nach wie vor nicht öffentlich. Bis zu fünf Beamte gehören zu der Ermittlungskommission, die die Polizei gebildet hat. Über 30 Fallakten seien angelegt worden, die seitdem kreuz und quer durch Deutschland verschickt werden, berichtet Oberstaatsanwalt Johannes Daheim auf Nachfrage: Die Vorkommnisse, um die es geht, beziehen sich nicht nur auf die Gegenwart, sondern auf einen längeren zurückliegenden Zeitraum; die damaligen Bewohner leben weit verstreut und fern vom Siegerland. Neun Jugendämter haben die Dienste der Wohnstätte in Anspruch genommen, das Jugendamt des Kreises Siegen-Wittgenstein gehört nicht dazu.
Ermittlungsverfahren läuft noch
Unter anderem wegen des Verdachts der Körperverletzung leitet die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen die Heimleiterin ein. Aus dem Umfeld melden sich im Laufe der Tage und Wochen immer wieder einmal ehemalige Bewohner des Heims. Wer „großen Mist gebaut“ habe, sei auch schon mal um 19 Uhr ins Bett geschickt worden, berichtet einer, dessen Gesamturteil positiv bleibt: „Die haben den Kindern immer gut geholfen.“ Eine andere berichtet, dass sie zwei Jahre in Salchendorf gewohnt habe: „Ich kann die Anschuldigungen in keiner Weise nachvollziehen.“
Stimmen wie diese sind allerdings in der Minderzahl. „Es war der reinste Albtraum“, schreibt ein früherer Bewohner. Zehn Kilometer Joggen zur Strafe, knapp gehaltenes Essen — „man wurde gedemütigt oder schlecht behandelt“. Kinder hätten, ebenfalls zur Bestrafung, in fast leer geräumten Zimmern wohnen müssen. Sprechverbote dienten der Disziplinierung — „Stasi-Methoden“, urteilt ein Beobachter des Hauses. Ein Netphener bekommt mit, wie ein Heimbewohner seine Ausbildung abbricht: Der Junge sei „übermüdet und völlig fertig“ gewesen, „weil er keine Freizeit hatte und sich immer um die Kleineren kümmern musste.“ Die Ausbildungsvergütung sei auf ein Privatkonto überwiesen worden.
Berichtet wird von sexuellem Missbrauch, von Bestrafungen, bei denen ein Kind im Schlafanzug vor die Tür gestellt wird: „Ich habe vor 20 Jahren das Landesjugendamt über diverse Geschehnisse in Kenntnis gesetzt.“ Tatsächlich kam es daraufhin zu einem Ermittlungsverfahren, das wieder eingestellt wurde. Darauf könnte es jetzt auch wieder ­hinauslaufen. Er wolle „nicht zwingend die Erwartung schüren, dass etwas strafrechtlich Relevantes dabei herauskommt“, sagt Oberstaatsanwalt Daheim zum Stand der Ermittlungen.
Betrieb bis auf Weiteres untersagt
Konkret ist bisher nur der Vorwurf des Landesjugendamts: Mit 22 Kindern sei das Haus, das eine Betriebsgenehmigung für 16 Plätze hatte, überbelegt gewesen. Am 14. September sei dem privaten Träger der Betrieb des Heims „bis auf Weiteres untersagt“ worden, sagt Matthias Lehmkuhl, Leiter des Referats erzieherische Hilfen, dieser Zeitung auf Anfrage. Der Träger habe Akteneinsicht verlangt und Widerspruch eingelegt, diesen aber bisher nicht begründet.

Vier Monate ist das her: Das Jugendamt nimmt 22 Kinder und Jugendliche in Obhut, die in einem Kinderheim in Salchendorf untergebracht waren. Anlass für den Eingriff war eine „massive Kindeswohlgefährdung“. Nachdem für die Sieben- bis 17-Jährigen eine neue Unterkunft gefunden ist, schaltet das Jugendamt die Staatsanwaltschaft ein. Seitdem laufen die Ermittlungen.

Zeitzeugen im Kinderheim Salchendorf: „Der reinste Albtraum“ | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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Vier Monate ist das her: Das Jugendamt nimmt 22 Kinder und Jugendliche in Obhut, die in einem Kinderheim in Salchendorf untergebracht waren. Anlass für den Eingriff war eine „massive Kindeswohlgefährdung“. Nachdem für die Sieben- bis 17-Jährigen eine neue Unterkunft gefunden ist, schaltet das Jugendamt die Staatsanwaltschaft ein. Seitdem laufen die Ermittlungen.

Zeitzeugen im Kinderheim Salchendorf: „Der reinste Albtraum“ | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
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