Samstag, 9. Januar 2016

Schwerin: Amtsversagen?

Der Kindesmissbrauchs-Fall des faktischen Leiters des Jugendtreffs „Power for Kids“, Peter B., wird in der Landeshauptstadt immer mehr zum Politikum. Nachdem das Jugendamt auf Nachfrage unserer Redaktion eingestand, frühzeitige brisante Hinweise zum Verhalten B.’s gegenüber betreuten Kindern falsch verarbeitet zu haben, forderte der Stadtpolitiker Silvio Horn (Unabhängige Bürger) gestern personelle Konsequenzen. Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linkspartei) hingegen duckt sich vorerst weg.

Horn sagte, er fühle sich an den Fall der kleinen Lea-Sophie erinnert. Das Mädchen war 2007 in der Wohnung der Eltern verhungert. „Auch damals ist das Jugendamt eindeutigen Hinweisen auf Kindeswohlgefährdung nicht konsequent nachgegangen“, so Horn. Es sei ihm „schleierhaft“, wie dennoch im aktuellen Fall „derart oberflächlich reagiert wurde“. Trotz der akuten Gefährdungslage habe das Jugendamt quasi die Augen verschlossen. Horn bezweifelte, dass Jugendamtsleiterin Caren Gospodarek-Schwenk noch die richtige Frau auf diesem Posten ist. „Irgendjemand muss Verantwortung übernehmen“, forderte Horn.

Das Jugendamt bekam vor einem Jahr Hinweise auf anstößige Übergriffe Peter B.’s. Eine wirksame Überprüfung unterblieb. Peter B. flog erst im August 2015 auf. Vor Gericht gestand er inzwischen, 15 Jungen seit 2007 missbraucht oder vergewaltigt zu haben. 

Unabhängig von den Vorwürfen gegenüber Peter B. zweifeln nicht nur die Unabhängigen Bürger an der pädagogischen Arbeit des Jugendtreffs. Im Jugendhilfeausschuss sei mehrfach darauf hingewiesen worden, dass im Verein kaum staatlich anerkanntes Fachpersonal beschäftigt sei. Statt dem abzuhelfen, habe das Jugendamt sogar die Anerkennung des Vereins als freier Träger der Jugendhilfe vorangetrieben. Noch im Juni 2015 unterzeichnete Gramkow einen entsprechenden Antrag. Darin heißt es, die Hälfte der Vereinsmitarbeiter sei fachlich qualifiziert, wofür dem Amt Nachweise vorgelegt worden seien.

Gramkow wollte sich auf Anfrage unserer Redaktion weder zu den Vorwürfen Horns noch zu den Vorgängen im Jugendamt äußern. Sie vertröstete die Öffentlichkeit bis zum Ende einer Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses am kommenden Dienstag. 


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