Mittwoch, 6. Januar 2016

Schwerin: Missbrauchsprozeß

Ein Mitarbeiter eines Schweriner Jugendhilfevereins hat zum Auftakt eines Prozesses wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen in 62 Fällen ein Geständnis abgelegt. Der 41-Jährige räume alle Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein, sagte der Verteidiger des Mannes unmittelbar nach Verlesung der Anklageschrift am Dienstag im Landgericht Schwerin. Im August war der Mitgründer des Schweriner Vereins "Power for Kids" verhaftet worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 41-Jährigen vielfachen Missbrauch vor, in zehn Fällen soll er seine Opfer vergewaltigt haben. Der Verteidiger des Angeklagten sagte, mit dem Geständnis wolle sein Mandant den Kindern eine Aussage vor Gericht ersparen.

Jüngstes Opfer sieben Jahre alt

Das jüngste Opfer des Mannes war demnach erst sieben Jahre alt. Der Angeklagte soll das Kind in einem Wohnwagen, der in einer leerstehenden Kaufhalle des Plattenbauviertels abgestellt war, vergewaltigt haben. Der Mann, der bei seinem Eintreten in den Gerichtssaal die Kapuze seiner Jacke tief ins Gesicht zog, war bis zu seiner Verhaftung Leiter einer Tanzgruppe in dem Verein im Schweriner Plattenbauviertel Großer Dreesch. Die Proben und Auftritte soll er ausgenutzt haben, um die Kinder und Jugendlichen zu missbrauchen.

Anwältin erhebt schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt

Unklar ist noch, seit wann das städtische Jugendamt von den Vorwürfen wusste. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV hat es bereits Anfang Februar 2015 einen Hinweis an das städtische Jugendamt gegeben. Welche Maßnahmen die Stadt ergriffen habe, konnte Stadtsprecherin Michaela Christen noch nicht sagen. Man prüfe die Vorgänge und werde im Laufe des heutigen Tages dazu Stellung nehmen. Die Rechtsanwältin Christine Habetha, die zwölf Kinder als Nebenkläger vertritt erhob am ersten Verhandlungstag schwere Vorwürfe gegen das Schweriner Jugendamt. Einem im Januar 2015 eingegangenen anonymen Hinweis auf sexuelle Übergriffe in dem Verein seien die Mitarbeiter nicht nachgegangen, so Habetha. Die Leiterin des Fachdienstes für Jugend, Schule und Sport, Caren Gospodarek-Schwenk, erklärte dazu, ein Sozialarbeiter eines freien Trägers habe über "verbal und gestikulär übergriffiges Verhalten" des Angeklagten informiert. Im Gespräch mit dem Träger sei vereinbart worden, dass dieser sich um die Sache kümmern solle.


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