Samstag, 27. Februar 2016

Hamburg: Fall Tayler: Tayler könnte noch leben, aber das Jugendamt hat wieder einmal alles richtig gemacht?

Der gewaltsame Tod des einjährigen Tayler, der im Dezember wohl an einem Schütteltrauma gestorben war, hat am Donnerstag den Jugendausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft beschäftigt. Die Leiterin der Jugendhilfe-Inspektion, Gisela Schulze, die den Fall untersucht hatte, wiederholte das Ergebnis des am Montag veröffentlichten Berichts: Demnach gab es keinen unmittelbaren, ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Vorgehen des Jugendamtes und dem Tod des Jungen. Dennoch erneuerte sie die Kritik am Jugendamt Altona und dem privaten Träger Rauhes Haus.

Fehlende Sorgfalt bei der Fallbearbeiterin?

Im August 2015 waren bei Tayler blaue Flecken und ein Schlüsselbeinbruch festgestellt worden. Die Mutter habe die Ursache dafür nicht glaubwürdig erklären können, sagte Schulze. Darum war das Kind zwischenzeitlich bei einer Pflegefamilie. Es sei umso schwerer nachvollziehbar gewesen, warum das Kind dann bereits am 5. Oktober 2015 wieder zur Mutter kam. Diese Entscheidung habe die Fallbearbeiterin offenbar ohne ausreichende Überprüfung und Sorgfalt getroffen, sagte Schulze. Vor allem hätte eine weitere sogenannte "kollegiale Beratung" vor der Entscheidung erfolgen müssen.

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/Fall-Tayler-Neue-Kritik-an-Jugendamt,kindesmisshandlung154.html

Altonas Bezirkschefin Liane Melzer (63, SPD) gerät im Fall Tayler († 1) mächtig unter Druck.

Am Donnerstag versuchte sie im Familienausschuss, die Mitarbeiter ihres Jugendamtes zu verteidigen – trotz der nachweislich gravierenden Fehler, die dort gemacht wurden.

Melzer lobte sogar die „hohe Teamkultur“ und „kritische Reflektionsfähigkeit“ der Sozialarbeiter und die Bereitschaft der Mitarbeiter, sich an der Aufklärung des Falls zu beteiligen. Melzer: „Schuld muss an anderer Stelle verhandelt werden.“

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