Sonntag, 21. Februar 2016

Hamburg: Fall Tayler - trotz Auffälligkeiten, kein Handeln der Familienbetreuer und der Jugendamtsmitarbeiter - warum?

Rund zwei Monate nach dem gewaltsamen Tod des einjährigen Tayler hat die Jugendhilfeinspektion dem betreuenden Jugendamt Hamburg-Altona und dem Rauhen Haus schwere Versäumnisse vorgeworfen. Das geht aus einem Bericht der Jugendhilfeinspektion hervor, der NDR 90,3 bekannt ist und am Montag offiziell vorgestellt werden soll.

Mehrfach Auffälligkeiten nicht gemeldet

Laut Prüfbericht wurde das Risiko für das Kleinkind falsch eingeschätzt. Mindestens drei Familienbetreuerinnen hatten innerhalb der letzten sechs Wochen vor dem Tod des Kindes auffällige Blessuren am Kopf festgestellt: Sechs Mal blaue Flecken, Beulen, Kratzer und Striemen am Kopf. Sie haben hatte diese Beobachtungen aber nicht dem Jugendamt gemeldet.

Die Entscheidung, dass Tayler seiner Mutter zurückgegeben wurde, obwohl Monate vor seinem Tod schon der Verdacht auf Misshandlung bestand, hatte offenbar eine Mitarbeiterin im Jugendamt allein getroffen. Mehrere Kollegen hätten beteiligt sein müssen, zumal der Grund für die Verletzungen Taylers schon im August letzten Jahres nicht geklärt war. Außerdem gab es viele Zweifel an der Erziehungsfähigkeit der Mutter. Sie hatte nur mangelhaft mitgearbeitet und viele Beratungstermine abgesagt.

"Kein Zusammenhang" mit Tod des Kindes

Laut Bericht waren das waren Fehler und Verstöße gegen klare Vorschriften. Dennoch soll es "keinen unmittelbaren Zusammenhang" zwischen dem Handeln des Jugendamtes und dem Tod des Kleinkindes gegeben haben, sagen die Kontrolleure. Eine sorgfältige und wiederholte Risikobewertung hätte Tayler allerdings mehr Sicherheit geboten.
Wie "Spiegel-Online" berichtet, sollen die Prüfer in ihrem Bericht zudem eine schlampige Aktenführung, lückenhafte Dokumentation und fehlende Gesprächsprotokolle monieren. Es habe in der zuständigen Abteilung eine Kultur geherrscht, die es erlaubte, dass Mitarbeiter Regeln missachteten. Man habe "darauf verzichtet, das Kind in den Blick zu nehmen und einen tieferen Einblick in die Familie zu erhalten".

Warten auf den Obduktionsbericht

Der zwölf Monate alte Tayler war am 19. Dezember 2015 an einem mutmaßlichen Schütteltrauma gestorben. Der endgültige Obduktionsbericht soll voraussichtlich Ende des Monats vorliegen. Durch ihn hoffen die Ermittler auch herauszufinden, wann genau die Tat geschah. Das ist bisher noch unklar. Tayler war am 12. Dezember ins Krankenhaus gebracht worden und sieben Tage später gestorben. Gegen die 23-jährige Mutter aus Altona-Nord und ihren Freund, der nicht Taylors Vater ist, ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen eines Tötungsdelikts. Beide sind derzeit auf freiem Fuß.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen