Samstag, 20. Februar 2016

Hamburg: trotz blauer Flecken und Gewichtsverlust unternahm das Jugendamt nichts - nun ist das Kind tot!

Nachdem der damals neun Monate alte Deljo im November mit einem mutmaßlich durch seine Eltern ausgelösten schweren Schütteltrauma ins Krankenhaus eingeliefert wurde, sieht es nun danach aus, als habe das Jugendamt bereits zuvor Hinweise darauf gehabt, dass das Kind krank sein könnte. Nach Abendblatt-Informationen besuchte der Allgemeine Soziale Dienst die Familie wenige Tage, bevor die Mutter das Baby in die Notaufnahme brachte, zu Hause. Dabei soll festgestellt worden sein, dass Deljo innerhalb weniger Wochen mehrere Hundert Gramm Gewicht verloren hatte. Zudem soll das Baby krank gewesen sein und blaue Flecken im Gesicht gehabt haben. Warum nicht bereits in diesem Moment etwas unternommen wurde, ist unklar. Als Deljo schließlich ins Altonaer Kinderkrankenhaus kam, leiteten Ärzte sofort eine Notoperation ein.

Halid und Elvira A., Deljos Eltern, standen nach Abendblatt-Informationen bereits seit Mitte 2014 in Kontakt mit dem ASD. Dabei soll es vornehmlich um schlechte Zähne und den Gesundheitszustand der vier älteren Kinder gegangen sein und deren unregelmäßige Kita-Besuche sowie den Zustand der Wohnung. "Die Jugend­hilfeinspektion wird sich mit Deljo beschäftigen", bestätigte Roehl. Das werde aber erst geschehen, wenn der Fall Tayler abgeschlossen sei, der – mutmaßlich von seiner Mutter oder dem Stiefvater – so schwer misshandelt wurde, dass er starb.

Dann muss auch die Frage geklärt werden, warum Deljo, der nach seiner Geburt mehrere Monate bei Pflegeeltern untergebracht war, überhaupt in die Familie zurückgebracht wurde. Weil der Junge zu früh geboren war, benötigte er medizinische Betreuung und Spezialnahrung. Nach Abendblatt-Informationen soll es damit Probleme gegeben haben, weil Halid und Elvira A. Analphabeten sein sollen und mit der Versorgung überfordert gewesen waren. Deshalb wurde der Junge zunächst aus der Familie genommen. Ende September kam er zurück, der ASD soll die Familiensituation zuvor als verbessert bewertet haben. 

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu der Misshandlung haben indes noch kein neues Ergebnis gebracht. Ähnlich wie bei Tayler, dem im Dezember nach einem Schütteltrauma verstorbenen Säugling, richtet sich der Verdacht gegen Mutter und Vater beziehungsweise Lebensgefährten. In beiden Fällen ist es den Ermittlern bislang nicht gelungen, einen Tatverdacht gegen eine Person zu erhärten. Offenbar hilft im Fall Deljo auch das rechtsmedizinische Gutachten nicht. 

Im Fall Tayler dagegen kann möglicherweise das Gutachten noch Aufklärung zum genauen Misshandlungszeitpunkt und damit zum Tatverdächtigen bringen. Es wird für Ende des Monats erwartet. Möglicherweise könnten sogar beide straffrei ausgehen. Eine weitere Parallele zwischen den Fällen ist die Tatsache, dass der ASD offenbar in beiden Familien wenige Tage vor der Einlieferung ins Krankenhaus zu Besuch war und jeweils blaue Flecken an den Kindern feststellte – die Mitarbeiter jedoch nichts unternahmen. 




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