Samstag, 2. April 2016

Hamburg: "Das Jugendamt hat meine Kindheit zerstört" und nicht nur diese

"Die Leute vom Jugendamt haben keine Ahnung, wie schlimm es ist, immer Angst haben zu müssen, sein Zuhause zu verlieren. Ich hätte am liebsten das Land verlassen", sagt Jule, heute 15 Jahre alt. "Das Jugendamt hat meine Kindheit zerstört. Ich hatte mal ein so schönes und unbeschwertes Leben, aber das ist seit 2009 vorbei. Ich habe kein Vertrauen mehr zu Menschen, die nicht zur Familie gehören. Ich habe noch immer Angst, abgeholt oder entführt zu werden."

Jule geht in die 9. Klasse und bereitet sich auf ihren Hauptschulabschluss vor. Zurzeit gibt es ein Gerangel um die Zuständigkeit. Hamburg hat wegen des Wohnsitzes der Pflegeeltern das Bundesland Niedersachsen auf Übernahme des Falls verklagt. Diese wurde am 1. Januar 2016 vollzogen, Hamburg bleibt aber Kostenträger.

"Jules behandelnde Ärzte haben oft auch direkt an das Jugendamt geschrieben und ihnen mitgeteilt, dass sie Jule durch ihr unverantwortliches und unrechtmäßiges Verhalten schädigen", sagt Sabine Schuster. Auch Birgit Nabert vom Landesverband Kinder in Adoptiv- und Pflegefamilien (KiAP) in Schleswig-Holstein hat an Behörden und Gerichte "Institutionelle Kindeswohlgefährdungsanzeigen" geschrieben, um auf das "unverantwortliche und rechtswidrige Verhalten" aufmerksam zu machen.

"Die nicht fachgerechten und eskalierenden Eingriffe des Jugendamts führten bei Jule zu erheblich vermehrten Angstzuständen und Schulproblemen", sagt Sabine Schuster. Eine Jugendamtsmitarbeiterin habe dem Mädchen gedroht, immer wieder in die Schule zu kommen, wenn es nicht mit ihr reden wolle, sagt Sabine Schuster. "Jule traute sich kaum noch, in die Schule zu gehen."

Konzentration und Merkfähigkeit seien bei Jule irgendwann gänzlich den Angstzuständen gewichen. "Es kam zu mehreren belastenden Schulwechseln, weil Jule den geforderten Leistungen nicht mehr standhalten konnte. Denn zu oft kreisten ihre Gedanken darum, ob das Jugendamt wiederkäme, um sie aus ihrer Familie zu reißen", sagt Sabine Schuster.

Wenn abends ein Freund ihres Bruders an der Haustür klingelte, so Sabine Schuster, "sprang Jule hinter das Sofa und versteckte sich". Dadurch, dass ihr zwei Jugendamtsmitarbeiter ihre für ihr Anfallsleiden wichtigen Medikamente und sogar Notfallmedikamente verweigert hätten, habe sich Jules Gesundheitszustand verschlechtert, sodass ihre Anfälle häufiger und intensiver auftraten.

"Der Grad der Schwerbehinderung verschlechterte sich von 50 auf 75 Prozent." Vor den Eingriffen des Jugendamts, so Sabine Schuster, sei Jule, trotz ihrer Vorerkrankung, nie auf Medikamente angewiesen gewesen. "Seither jedoch kommt sie ohne Medikamente nicht mehr aus." 

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