Freitag, 8. April 2016

Köln: Vom Pflegevater mißbraucht...

Mit weiteren Zeugenvernehmungen wurde am Mittwoch vor dem Kölner Landgericht der Prozess gegen einen 52 Jahre alten Gummersbacher fortgesetzt, der seinen Pflegesohn schwer sexuell missbraucht haben soll. Das heute 20 Jahre alte Opfer soll bei den Übergriffen sieben und acht Jahre alt gewesen sein und lebte vier Jahre in der Familie des Angeklagten.

Eine Erzieherin und seine nächste Pflegemutter berichteten über die Odyssee, die der 20-Jährige hinter sich hatte, bevor er in einer Rösrather Jugendhilfeeinrichtung Zuflucht fand: Sein leiblicher Vater habe sich nie zu ihm bekannt, mit zwei Jahren wurde er von dem neuen Mann seiner Mutter adoptiert und misshandelt. Die Mutter soll selbst psychisch schwer krank sein. Mit vier Jahren nahm das Jugendamt ihn in Obhut. An dem Kind waren eine blutige Nase, Hämatome und Risse an den Ohren aufgefallen. Es soll getreten, gekniffen und in den Keller gesperrt worden sein. So kam es mit seiner älteren Schwester in die Familie des Angeklagten.

Mit acht Jahren wurde der Junge wegen Verhaltensauffälligkeit wieder aus der Familie des Angeklagten genommen. Er habe in Schränke uriniert, die Katze gequält und versucht, seine Pflegeschwester zu ersticken. Ein Verhalten, das weder die Erzieherin noch eine spätere Pflegemutter jemals feststellen konnten. „Bei uns war er ein stilles, introvertiertes Kind, das Tiere liebt“, erzählte die 49-Jährige. „Ich als Pädagogin sage, dass er sich vorher so verhalten hat, weil er dort raus wollte.“
In der Rösrather Intensivgruppe hatte die 49-Jährige den Jungen während der Arbeit kennengelernt. „Dem Jugendamt wurde die Intensivgruppe zu teuer. Er sollte in eine Jugendgruppe wechseln, aber dafür war er nicht der Typ“, schilderte sie. „So wurde ich gefragt, ob ich ihn in Fachpflege nehmen könnte.“ Er sei bis zum 18. Lebensjahr geblieben. Am Ende sei das für alle Beteiligten „eine Bereicherung“ gewesen. Schon während dieser Zeit habe sie sich einmal an das Jugendamt gewandt, weil der Junge über die Gewalttätigkeit des nun Angeklagten berichtet habe.

Gut konnte sich die Zeugin daran erinnern, wie ihr Pflegesohn mit seiner älteren Schwester nach seinem 16. Geburtstag von dem Missbrauch durch den Angeklagten berichtete. „Sie wirkten beide sehr ruhig und gefasst. Ich habe keine Minute daran gezweifelt, dass das stimmt.“

Auch während der vergangenen vier Jahre habe ihr Pflegesohn die belastende Gutachterprozedur mit Überzeugung durchgestanden. Vor seiner bevorstehenden Aussage sei er aufgeregt, aber auch froh, dass der Fall jetzt zum Abschluss gebracht werden könne. „Ich werde vor der Tür warten. Er möchte, dass ich dabei bin, aber nicht, dass ich mit in den Gerichtssaal komme.“

Elmar René Richrath, Anwalt des als Nebenkläger auftretenden 20-Jährigen, kündigte an, für dessen heutige Aussage zu beantragen, die Öffentlichkeit auszuschließen. Das Gericht hat für die Aussage den ganzen Tag reserviert.

http://www.rundschau-online.de/region/oberberg/pflegesohn-missbraucht-mutmassliches-opfer-erlebte-odyssee-durch-pflegefamilien-23842568

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