Donnerstag, 26. Mai 2016

Grevesmühlen: Staatsanwaltschaft Schwerin bestätigt Ermittlungen - Jugendamt in Grevesmühlen in der Kritik

Im Fall der mutmaßlichen Kindesmisshandlung in Grevesmühlen geraten der zuständige Landkreis Nordwestmecklenburg und das Jugendamt unter Druck. Die Kreistagsfraktionen von CDU und Linken verlangen von Landrätin Kerstin Weiss (SPD) Aufklärung zu den Hintergründen des Vorfalls. Es gibt bereits erste Forderungen nach einem Sonderausschuss des Kreistags.

Hausdurchsuchung beim Paar

Der dreijährige Junge wurde offenbar vom eigenen Vater stark vernachlässigt, das Kind war abgemagert und auch verletzt. Gegen den 31-Jährigen Mann wird ermittelt. Auf NDR-Anfrage teilte die Schweriner Staatsanwaltschaft mit, dass jetzt auch gegen seine Partnerin Ermittlungen laufen. Beamte durchsuchten am Mittwoch die gemeinsame Wohnung in Grevesmühlen. Das Paar stellte freiwillig Beweismittel - wie beispielsweise Fotos des Jungen - zur Verfügung. Die Staatsanwaltschaft teilte weiter mit: "Wir prüfen, ob strafrechtliches Verhalten Dritter vorgelegen hat". Das könnte bedeuten, dass auch das Jugendamt in den Fokus der Ermittler rückt. 

Warum handelte das Jugendamt so spät?

Das Jugendamt des Landkreises betreute die Familie seit Anfang 2016 - zu dem Zeitpunkt kam der Junge nach einem Heimaufenthalt in Schwerin zum leiblichen Vater nach Grevesmühlen. Die Mitarbeiter des Amtes erfuhren von dem schlimmen Gesundheitszustand des Jungen erst, als der Vater am Freitag vor Pfingsten (13. Mai) mit seinem Sohn auf dem Amt erschien und offenbar um Beratung bat. Der schlechte Allgemeinzustand des Kindes erforderte nach Angaben des Landkreises eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus. Fraglich ist vor allem, warum das Jugendamt von sich aus zuletzt Ende April in Kontakt mit der Familie stand und warum der Zustand des Jungen sich bis zum Freitag vor Pfingsten so rapide verschlechtert hatte. Möglicherweise sind Anzeichen einer Misshandlung im April übersehen worden. Der Landkreis teilte dagegen mit, es habe bis Ende April keine Hinweise auf eine Kindswohlgefährdung gegeben.

CDU und Linke im Kreistag verlangen Aufklärung

Thomas Grote, Chef der CDU-Fraktion im Kreistag, reicht das nicht. Er kritisierte auf Anfrage des NDR, dass der Vorfall erst am Mittwoch durch NDR-Berichte bekannt wurde. Die Landrätin hätte von sich aus viel früher über diesen gravierenden Fall informieren müssen, beispielsweise in der vergangenen Woche im Kreistag. Grote fordert, die Vorgänge lückenlos aufzuklären - möglicherweise gebe es andere, ähnliche Fälle, von denen niemand etwas wisse. Grothe brachte auch einen Sonderausschuss ins Spiel. Auch die Linksabgeordnete im Kreistag, Simone Oldenburg, verlangt eine Untersuchung im Jugendamt, auch sie kritisiert auf Anfrage des NDR die Informationspolitik der Landrätin. Möglicherweise wäre der Fall ohne Hinweise an die Medien unter den Teppich gekehrt worden, so Oldenburg. An diesem Freitag will Landrätin Weiss im Kreisausschuss Stellung nehmen.

Kind wird wohl keine Schäden davontragen

Auf eine schriftliche Anfrage, ließ die Verwaltungschefin am Mittwochabend mitteilen, dass der Junge bei Pflegeeltern untergebracht sei. Nach den bisherigen medizinischen Erkenntnissen habe das Kind keine bleibenden Schäden davongetragen. Das Jugendamt gebe aus Datenschutzgründen grundsätzlich keine Informationen zu Einzelfällen an die Öffentlichkeit, heißt es zur Begründung, warum nicht umgehend über den Fall informiert wurde.

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