Freitag, 27. Mai 2016

Meschede: Jugendamt - Hilfe die bei einem Dreizehnjährigen nicht ankommt

Tim* (13) ist außer Kontrolle. Seine Eltern wissen nicht mehr weiter. Der Junge reißt ständig aus, er stiehlt und ist aggressiv. Seine Eltern sind machtlos. Sie haben Angst, dass noch Schlimmeres passieren könnte. Seit Jahren bitten sie die Behörden um Hilfe. Das Jugendamt bietet Maßnahme um Maßnahme an - sie alle haben keinen Erfolg.

Zuletzt bedrohte Tim ein anderes Kind mit einem Messer. Er machte Schlagzeilen, weil er daheim und aus der Verwandtschaft ein Auto klaute, um auf Spritztour zu gehen. Die letzte Fahrt endete vor einer Leitplanke. Seit sechs Jahren bereitet der Sohn den Eltern zunehmend Kummer. Dabei ist er aufgewachsen in einer ganz normalen Familie, er hat eine kleine Schwester, die so lebt und sich verhält wie alle Mädchen in dem Alter. Tim ist anders, aber nicht dumm.
Eltern verzweifelt: "Würden sogar das Sorgerecht abgeben"

Seine Mutter und sein Vater sind davon überzeugt, dass nur noch eine drastische Maßnahme helfen kann: eine Unterbringung in einer geschlossenen Jugendeinrichtung. Sie haben um diesen Schritt gebeten, mehrfach. „Wir würden inzwischen sogar das Sorgerecht abgeben“, sagt die Mutter. Dieser Fall klingt paradox: Meistens protestieren Eltern massiv gegen das Jugendamt, wenn es ihnen ein Kind wegnehmen will. Hier wird um genau diesen Einschnitt gebeten - doch die Gesetze lassen es nicht zu. Denn die Eltern arbeiten aktiv mit dem Jugendamt zusammen. Sie gefährden eben nicht „das Kindeswohl“, wie es im Familienrecht heißt. Im Gegenteil: Sie sorgen sich um ihren Sohn und kämpfen um seine ­Zukunft. Dadurch sind sie nach den geltenden Regelungen gute ­Eltern. Ihnen kann man kein Kind wegnehmen.

Stattdessen folgt eine erfolglose Maßnahme auf die nächste. Erst eine sozialpädagogische Familien-Hilfe. Es folgen Aufenthalte in Tagesgruppen, in Einrichtungen der Heimerziehung und der ambulanten Psychiatrie. Doch irgendwann kommt der Moment, da haut Tim immer wieder ab. Offensichtlich hat er die Gespräche mit Sozialarbeitern und Psychologen satt.
Amtsgericht lehnt zwangsweise Unterbringung von Kind ab

In ihrer Verzweiflung hatten die Eltern zuletzt einen Antrag auf zwangsweise Unterbringung in einer Jugendeinrichtung gestellt. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich. Das Amtsgericht Meschede lehnte den Antrag ab. Dem Gericht fehlte ein psychiatrisches Gutachten, das eine zwangsweise Unterbringung als zwingend ansieht. Stattdessen setzen alle Experten weiter auf ambulante Maßnahmen – selbst wenn bisher alle Therapeuten gescheitert sind.

Beim Jugendamt des Hochsauerlandkreises ist das Thema präsent. „Auch wir können ihn nicht einsperren lassen, das wäre Freiheitsentzug“, sagt Pressesprecher Martin Reuther. Nach den letzten Eskapaden des 13-Jährigen plant die Behörde einen Aufenthalt zur Diagnostik in der LWL-Klinik in Marsberg. Danach soll eine „individuelle pädagogische Maßnahme in einer relativ kleinen Gruppe“ folgen - eine, bei der ein erneutes Weglaufen schwierig ist.
13-Jähriger ist seit Tagen verschwunden

Solche Projekte sind teuer. Für Tim allerdings könnte es die letzte Chance sein. Nächsten Monat wird er 14 Jahre alt, dann wird er strafmündig. Dann droht der Jugendknast - und eine Abwärtsspirale, vor der seine Eltern furchtbare Angst haben. Sie hoffen auf Hilfe in letzter Sekunde.

Erst einmal müsste der junge Mescheder aber gefunden werden. Nach seiner letzten Autofahrt war er in einer Krisengruppe in Olsberg untergebracht. Er ist direkt am nächsten Tag abgehauen. Bis heute ist er verschwunden.


http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/eltern-von-crash-kid-senden-hilferuf-an-jugendamt-id11857891.html
Tim* (13) ist außer Kontrolle. Seine Eltern wissen nicht mehr weiter. Der Junge reißt ständig aus, er stiehlt und ist aggressiv. Seine Eltern sind machtlos. Sie haben Angst, dass noch Schlimmeres passieren könnte. Seit Jahren bitten sie die Behörden um Hilfe. Das Jugendamt bietet Maßnahme um Maßnahme an - sie alle haben keinen Erfolg.

Zuletzt bedrohte Tim ein anderes Kind mit einem Messer. Er machte Schlagzeilen, weil er daheim und aus der Verwandtschaft ein Auto klaute, um auf Spritztour zu gehen. Die letzte Fahrt endete vor einer Leitplanke. Seit sechs Jahren bereitet der Sohn den Eltern zunehmend Kummer. Dabei ist er aufgewachsen in einer ganz normalen Familie, er hat eine kleine Schwester, die so lebt und sich verhält wie alle Mädchen in dem Alter. Tim ist anders, aber nicht dumm.
Eltern verzweifelt: "Würden sogar das Sorgerecht abgeben"

Seine Mutter und sein Vater sind davon überzeugt, dass nur noch eine drastische Maßnahme helfen kann: eine Unterbringung in einer geschlossenen Jugendeinrichtung. Sie haben um diesen Schritt gebeten, mehrfach. „Wir würden inzwischen sogar das Sorgerecht abgeben“, sagt die Mutter. Dieser Fall klingt paradox: Meistens protestieren Eltern massiv gegen das Jugendamt, wenn es ihnen ein Kind wegnehmen will. Hier wird um genau diesen Einschnitt gebeten - doch die Gesetze lassen es nicht zu. Denn die Eltern arbeiten aktiv mit dem Jugendamt zusammen. Sie gefährden eben nicht „das Kindeswohl“, wie es im Familienrecht heißt. Im Gegenteil: Sie sorgen sich um ihren Sohn und kämpfen um seine ­Zukunft. Dadurch sind sie nach den geltenden Regelungen gute ­Eltern. Ihnen kann man kein Kind wegnehmen.

Stattdessen folgt eine erfolglose Maßnahme auf die nächste. Erst eine sozialpädagogische Familien-Hilfe. Es folgen Aufenthalte in Tagesgruppen, in Einrichtungen der Heimerziehung und der ambulanten Psychiatrie. Doch irgendwann kommt der Moment, da haut Tim immer wieder ab. Offensichtlich hat er die Gespräche mit Sozialarbeitern und Psychologen satt.
Amtsgericht lehnt zwangsweise Unterbringung von Kind ab

In ihrer Verzweiflung hatten die Eltern zuletzt einen Antrag auf zwangsweise Unterbringung in einer Jugendeinrichtung gestellt. Doch auch diese Hoffnung zerschlug sich. Das Amtsgericht Meschede lehnte den Antrag ab. Dem Gericht fehlte ein psychiatrisches Gutachten, das eine zwangsweise Unterbringung als zwingend ansieht. Stattdessen setzen alle Experten weiter auf ambulante Maßnahmen – selbst wenn bisher alle Therapeuten gescheitert sind.

Beim Jugendamt des Hochsauerlandkreises ist das Thema präsent. „Auch wir können ihn nicht einsperren lassen, das wäre Freiheitsentzug“, sagt Pressesprecher Martin Reuther. Nach den letzten Eskapaden des 13-Jährigen plant die Behörde einen Aufenthalt zur Diagnostik in der LWL-Klinik in Marsberg. Danach soll eine „individuelle pädagogische Maßnahme in einer relativ kleinen Gruppe“ folgen - eine, bei der ein erneutes Weglaufen schwierig ist.
13-Jähriger ist seit Tagen verschwunden

Solche Projekte sind teuer. Für Tim allerdings könnte es die letzte Chance sein. Nächsten Monat wird er 14 Jahre alt, dann wird er strafmündig. Dann droht der Jugendknast - und eine Abwärtsspirale, vor der seine Eltern furchtbare Angst haben. Sie hoffen auf Hilfe in letzter Sekunde.

Erst einmal müsste der junge Mescheder aber gefunden werden. Nach seiner letzten Autofahrt war er in einer Krisengruppe in Olsberg untergebracht. Er ist direkt am nächsten Tag abgehauen. Bis heute ist er verschwunden.

Eltern von "Crash-Kid" senden Hilferuf an Jugendamt | WAZ.de - Lesen Sie mehr auf:
http://www.derwesten.de/staedte/nachrichten-aus-meschede-eslohe-bestwig-und-schmallenberg/eltern-von-crash-kid-senden-hilferuf-an-jugendamt-id11857891.html#plx391731005

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