Freitag, 17. Juni 2016

Brandenburg/Havel: Familie unter Betreuung des Jugendamtes - Baby tot!

Im Fall des am 10. Juni verstorbenen acht Wochen alten Babys aus Brandenburg an der Havel werden neue schockierende Details bekannt. Danach steht der 24 Jahre alte Vater im Verdacht, den Säugling vorsätzlich getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt gegen ihn wegen Totschlags. Das teilte ihr Sprecher Christoph Lange der MAZ mit. 

Wie berichtet, soll der arbeitslose Brandenburger dem Säugling Nase und Mund zugehalten haben. Anfangs hieß es, der Mann habe beim Versuch, das schreiende Baby zur Ruhe zu bringen, „auf das Kind eingewirkt“. Der Mann sitzt seit einer Woche in der Justizvollzugsanstalt Brandenburg in Untersuchungshaft. Unterdessen gerät auch das Brandenburger Jugendamt unter Druck. Es muss sich die Frage gefallen lassen, ob es im Vorfeld Hinweise auf die drohende Lebensgefahr des Kindes durch den Vater übersehen habe. 

Behörde unter Druck

Dazu nahm Sozialbeigeordneter Wolfgang Erlebach (Die Linke) am Donnerstag Stellung. Die Behörde hatte im April, noch vor der Geburt des Babys, ersten Kontakt zu der Familie und daraufhin Familienhelfer entsandt. „Die werdende Mutter hatte um Hilfe zur Erziehung zur Versorgung des Babys gebeten“, sagte Erlebach der MAZ. Das Jugendamt war danach alarmiert worden, weil die hochschwangere Mutter ins Krankenhaus kam und ihr sechsjähriger Sohn aus einer früheren Beziehung unversorgt zurückgeblieben ist.

Vater ist der einzige Beschuldigte

Im Klinikum selbst galt die Mutter als zuverlässig bei der Versorgung des Babys. Es zeigten sich nach MAZ-Informationen keine Anzeichen eines möglichen Gewaltausbruches gegen den kleinen Jungen. Der Vater soll gelegentlich auch auf der Wöchnerinnenstation aufgetaucht sein.
„Nach jetzigem Stand heute ist einziger Beschuldigter der Vater“, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Lange. „Gegen die Mutter wird nicht ermittelt.“ Ob die 35-Jährige tatsächlich, wie es in einer ersten Polizeimitteilung hieß, zur Tatzeit geschlafen habe, „wird noch ermittelt“, so Lange. Die Obduktion des kleinen Jungen im Gerichtsmedizinischen Institut in Potsdam ist derweil abgeschlossen. Einzelheiten dazu gab Lange nicht bekannt.

Zwei Tage vor der Tat waren Familienhelfer beim Baby

Zwei Tage vor dem Tod des Babys, am 8. Juni, hat es nach Angaben des Jugendamtes den letzten Besuch der Sozialarbeiter bei der Familie L. gegeben. „Bei diesem Besuch gab es keine Hinweise auf Vernachlässigung oder Misshandlung des Babys“, sagte Erlebach der MAZ. 

Mit der unterstützenden Hilfe waren Sozialarbeiter eines freien Trägers betraut worden. „Wir prüfen den Fall jetzt noch einmal ganz genau“, so der Sozialbeigeordnete, „bisher haben wir keinen Hinweis darauf, dass ein Anzeichen der Gefährdung übersehen worden war.“ Im Juli sollte bei einem sogenannten Hilfeplangespräch geklärt werden, ob die Familienhelfer der Mutter weiter zur Seite stehen sollten.

Älterer Sohn ist bei Familienangehörigen untergebracht

Das Jugendamt hat am Tattag erst durch eine Anfrage der MAZ von dem Tod des Säuglings erfahren. Das bestätigte Erlebach. Noch um 13.55 Uhr, also mehr als elf Stunden nach dem Tod des Babys, teilte Kerstin Schöbe, Fachbereichsleiterin für Jugend, Soziales und Gesundheit, der MAZ schriftlich mit: „Dem Jugendamt Brandenburg an der Havel liegen zu einem solchen Sachverhalt keine Informationen vor, d.h. wir sind bisher nicht über den Tod des Säuglings informiert worden.“

Der sechsjährige ältere Sohn der Mutter ist nach Angaben des Sozialbeigeordneten bei der Familie untergebracht. Die Mutter sei wegen ihres psychologischen Ausnahmezustandes nicht in der Lage, das Kind zu versorgen.

JVA sieht keine Suizidgefahr des 24-Jährigen

Der in U-Haft sitzende Tatverdächtige ist nach Angaben von Petra Wellnitz, Leiterin der Justizvollzugsanstalt Brandenburg (JVA), nicht suizidgefährdet: „Aktuell liegen keine Hinweise auf eine akute Suizidgefährdung vor“, teilte Wellnitz am Freitag der MAZ mit. 

Das Brandenburgische Justizvollzugsgesetz schreibt vor, dass Gefangene vor Übergriffen durch Mitgefangene zu schützen sind. Kindsmörder stehen am unteren Rand der Knasthierarchie. Im Fall des 24-jährigen Brandenburgers, der des Totschlags an seinem Sohn verdächtigt wird, „wird aktuell eine getrennte Unterbringung von anderen nicht für erforderlich gehalten“, so Petra Wellnitz. 
 



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