Samstag, 18. Juni 2016

Eutin: Juri von der eigenen Mutter erwürgt - Jugendamt wusste über Kindeswohlgefährdung bescheid!

Vor zwei Monaten schockierte der Tod des kleinen Juri die Menschen in Eutin. Der zweieinhalb Jahre alte Junge war erstickt.

Jetzt sind sich die Ermittler sicher: Es war kein Unfall, die eigene Mutter soll Juri erwürgt haben. Am Donnerstag wurde Ramona R. (34) verhaftet. „Wir haben den dringenden Verdacht, dass sie das Kind durch Zudrehen des Schlafsacks stranguliert hat“, sagt Ulla Hingst, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lübeck.

Im April hatten Ramona R. und ihr Verlobter (37) im Gespräch mit dem Ostholsteiner Anzeiger noch erklärt: „Wir haben Juri nichts getan, ihn tot im Bett gefunden.“ Und sie sagten auch: „Wir haben unseren Engel geliebt.“

Fakt ist aber: Zu diesem Zeitpunkt waren Ramona R. bereits zwei Kinder entzogen worden, und das Jugendamt war informiert, dass die Eutinerin offenbar auch mit Juri überfordert war. „Ich habe Juri immer nur weinen gehört“, berichtet eine Nachbarin (24) des Paares. „Es wurde nur geschrien, mein Eindruck war, dass er ein schlimmes Leben hatte.“ Die junge Frau, ebenfalls Mutter eines Kleinkindes, hatte bereits im November 2015 das Jugendamt eingeschaltet – weil Juri geschlagen worden war. „Mein Freund hat die beiden sofort zur Rede gestellt“, berichtet die Nachbarin. Der Verlobte von Ramona R. soll geantwortet haben: „Der Junge braucht das – und die Windel war ja dazwischen.“ 
 
Ein weiterer Satz, der in dem hellhörigen Mietshaus gefallen sein soll, ist der Nachbarin besonders in Erinnerung geblieben: „Ich kann dich auch mal richtig verprügeln, du Missgeburt“, soll Ramona R. im Treppenhaus geschrien haben. Drei Wochen später war Juri tot.

Laut Staatsanwaltschaft bestreitet Ramona R., etwas mit dem Tod des Kindes zu tun zu haben. Sie behauptet, sie habe ihren Sohn wie immer in sein Bettchen gelegt, und Juri habe sich selbst mit seinem Schlafsack erdrosselt, was sie und ihr Verlobter erst am Morgen bemerkt haben wollen.

So schildert es der leibliche Vater von Juri, von dem Ramona R. sich 2014 getrennt hatte. Dennis L. zweifelte von Anfang an an dieser Aussage – nicht nur, weil Kinderschlafsäcke als besonders sicher gelten. Als er die Todesnachricht erhielt, war er sofort zur nahegelegenen Wohnung der Ex-Freundin gelaufen und sah Juri noch im Bettchen liegen. Zwischen Gerichtsmedizinern und Kripobeamten. „Er sah ganz friedlich aus. So als würde er schlafen.“

Aber: „Juri war übersät von blauen Flecken. Und am Hals hatte er an seiner linken Seite eine rote Stelle, außerdem einen Kratzer wie von einem Fingernagel.“ Zudem kam es Dennis L. seltsam vor, dass die Mutter nichts von Juris Todeskampf bemerkt haben will. „Sie schläft doch im selben Zimmer wie er.“

Auch die Ermittler glaubten nicht an einen Unfall. Am Institut für Rechtsmedizin seien Szenarien nachgestellt worden, wie Juri zu Tode gekommen sein könnte, erklärt die Staatsanwältin – mit dem Ergebnis, dass der Junge sich nicht selbst stranguliert hat, sondern dass der Schlafsack am Hals zugedreht worden sein muss. „Außerdem gibt es ein rechtsmedizinisches Gutachten, dass über den Mageninhalt den Todeszeitpunkt eingrenzt“, so Hingst.

Gegen den Verlobten wurde kein Haftbefehl erlassen, weil er aus Sicht der Staatsanwaltschaft für den ermittelten Zeitraum des Todes ein Alibi vorweisen kann. Nach Informationen des Ostholsteiner Anzeigers soll er nach einem heftigen Streit die Wohnung für längere Zeit verlassen haben. Es ging dabei um Juri – „er war dir schon immer ein Dorn im Auge“, soll Ramona R. zu ihrem Verlobten gesagt haben.

Die Nachbarin des Paares macht den Mitarbeitern des Jugendamts jetzt schwere Vorwürfe. Am 1. November habe ihr der Jugendamtsleiter zugesichert, sich um den Fall zu kümmern, erzählt sie. „Es kam dann jemand, doch es war nur eine Woche etwas ruhiger, dann ging es weiter wie immer.“ Am 23. März habe ihr Freund dann erneut beim Jugendamt vorgesprochen. Wieder kam ein Mitarbeiter. Er soll der Mutter Familienhilfe angeboten haben, die sie jedoch ablehnte.

Den Hochstuhl ihres Sohnes stellte Ramona R. gleich nach Juris Tod in den Hausflur, wo er abgeholt wurde. Dann soll sie mit ihrem Verlobten in der Küche Radio gehört und sich ganz in Ruhe unterhalten haben. Das erste Mal seit langer Zeit.

http://www.shz.de/lokales/ostholsteiner-anzeiger/juri-von-der-eigenen-mutter-erwuergt-id14009831.html

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