Donnerstag, 28. Juli 2016

Brandenburg: Inobhutnahme unzulässig

Sehr schwierige und angstbesetzte Monate liegen hinter Yvonne und Ronny Krüger aus Brandenburg/Havel. Ronny Krüger (36) lag nach einem nicht selbst verschuldeten Verkehrsunfall fünf Wochen lang im Koma, seine Yvonne (37) wurde akut krank und musste in die Klinik. Also kümmerte sich der Kindernotdienst um Tristan (3). Als sich die Eltern wieder fingen, wollten sie ihr Kind zurück. Doch das Jugendamt hielt sie für überfordert und versuchte vor Gericht, ihnen das Sorgerecht zu nehmen und sie von ihrem Kind zu trennen.
Das Unglück nahm am 8. November 2015 seinen Lauf. In jener Nacht fuhr ein 26 Jahre alter Brandenburger den Fußgänger Ronny Krüger am Zentrumsring über den Haufen und kümmerten sich aus unbekanntem Grund nicht um den Schwerverletzten. Erst Polizisten wurden auf den bewusstlosen Mann am Straßenrand aufmerksam.

Anfang November begann die Unglücksserie

Fünf Wochen lang lag Ronny Krüger im Koma, bis heute leidet er an Folgen des Unglücks. Seine gesundheitlich ohnehin beeinträchtigte Ehefrau erlitt damals eine Art Nervenzusammenbruch, bekam Angstzustände und begab sich daher zur Behandlung ins Krankenhaus. In dieser Notsituation sprang das Jugendamt ein. Das „Krümelclearing“ des Kinder-und Jugendnotdienstes (s. Infobox) , kümmerte sich um den dreijährigen Sohn Tristan.
In den folgenden Monaten machte die Genesung der Eltern Fortschritte. Nachdem Yvonne Krüger aus dem Krankenhaus entlassen worden und wieder zu Hause war, wandte sie sich ans Jugendamt, um ihren Jungen zurückzubekommen. Doch sie durfte ihr Kind nur an Wochenenden zu Besuch empfangen, anschließend musste Tristan unter Tränen wieder fort von seinen Eltern in amtliche Obhut.

Yvonne Krüger durfte Kind nur am Wochenende sehen

Das Jugendamt hatte deutliche Entwicklungsrückstände bei Tristan festgestellt, der Anfang August vier Jahre alt wird. Die Erklärung der Mutter, dass die Taubheit ihres Sohnes erst im Alter von fast zwei Jahren bemerkt wurde und sein sprachlicher und sonstiger Rückstand darauf zurückzuführen ist, brachte das Jugendamt nicht davon ab, die Trennung der Familie anzustreben.
„Anfang April habe ich erfahren, dass ich Tristan nicht zurückbekomme“, erzählt Yvonne Krüger, die ihr Kind nach eigenem Bekunden über alles liebt. Zwei Monate, bis zur Verhandlung vor dem Brandenburger Familiengericht, lebte die Familie im Ungewissen, in der Angst, womöglich ihr Kind zu verlieren.

Das Gericht fand die Darstellung bestätigt, dass der Junge in den ersten beiden Lebensjahren erhebliche Hörprobleme hatte, weil seine Rachenmandel vergrößert war und angesammelte Flüssigkeit nicht abfließen konnte. Als die Hörschädigung auffiel, wurde Tristan im Krankenhaus und beim HNO-Arzt behandelt. Inzwischen hört er, hat aber noch erheblichen Aufholbedarf.
Das Familiengericht prüfte in diesem Juni die in Rede stehende Trennung und kam auch ohne ein Gutachten zu dem Schluss, „dass hier nicht genügend Anhaltspunkte bestehen für den schwerwiegenden Sorgerechtseingriff, der zur Debatte steht, nämlich die dauerhafte Trennung des Kindes von den Eltern“.

Familiengericht prüfte im Juni

Die Brandenburger Richterin trennte das Kind also nicht von seinen Eltern, sondern äußerte die Erwartung, dass Familie und Kind mit entsprechender Förderung zusammenbleiben können.
Das Brandenburger Ehepaar erhält Familienhilfe, Tristan geht acht Stunden am Tag in seine Kita und erhält Frühförderung. Eine Ergotherapeutin und eine Logopädin helfen dem Kind, sich sprachlich und motorisch zu entwickeln.

Warum das Jugendamt nicht von vornherein diese Lösung verfolgt hat, sondern die Trennung gerichtlich durchsetzen wollte, ist nicht zu ergründen. Fachbereichsleiterin Kerstin Schöbe weist darauf hin, dass sie wegen ihrer Schweigepflicht keine Auskunft geben könne. 


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen