Donnerstag, 28. Juli 2016

Meldorf: Wie ein Nachbarschaftstreit zu einer Inobhutnahme führen kann

Wenn es darum geht, einem ungeliebten Nachbarn schön eins auszuwischen, sind Menschen zu vielem fähig. Erst im März klammerte sich ein muskelbepackter Alt-Mühlendorfer auf der Motorhaube seiner Nachbarin fest - bei 100 Stundenkilometern auf der Autobahn. In Süderhastedt im Kreis Dithmarschen soll es zwar nicht so rasant zugegangen sein, der Vorwurf in einem Nachbarschaftsstreit wog dennoch schwer: Dort soll ein Mann durch einen Trick dafür gesorgt haben, dass der Sohn seines Nachbarn für vier Tage in einer Jugendhilfeeinrichtung untergebracht wurde. Die Staatsanwaltschaft sprach vor Beginn des Prozesses am Amtsgericht Meldorf von einer "List". Das Gericht hat den Prozess am Dienstag aber eingestellt.

Meldorfer Gericht: Können Schuld nicht nachweisen

Das Gericht begründete die Einstellung mit einer sehr schwierigen Beweislage. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Angeklagten vorgeworfen, den damals 15 Jahre alten Sohn seines Nachbarn dazu gebracht zu haben, seine Eltern beim Jugendamt anzuschwärzen. Tatsächlich, so die Anklage, soll der Jugendliche massive Vorwürfe gegen seine Eltern erhoben haben. Darunter: Er müsse zu Hause unentgeltlich viel arbeiten. Außerdem leide sein Vater unter einer sogenannten Impuls-Kontroll-Störung. Und im Allgemeinen fürchte er, demnächst von seinen Eltern geschlagen zu werden. Man habe dem Angeklagten jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen können, dass er den 15-Jährigen bewusst zum Jugendamt gebracht habe, begründete das Gericht seine Entscheidung am Dienstag.

Familien wohnen weiter Grundstück an Grundstück

Das Jugendamt hatte den Jungen in eine Jugendeinrichtung eingewiesen. Sein Vater holte ihn nach vier Tagen aus dem Heim und stellte eine Strafanzeige wegen Kindesentziehung. Das Verfahren ist nun vom Tisch. Die Familien wohnen nach wie vor nebeneinander - haben aber keinen Kontakt mehr.

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