Donnerstag, 7. Juli 2016

Schwerin: Defizite im Jugendamt

Mindestens 62 Missbrauchsfälle hat es im Verein Power for Kids gegeben, mindestens 44 davon, nachdem dem Jugendamt entsprechende Hinweise vorlagen, ohne dass der Abteilungsleiter, die Amtsleiterin, der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses oder der damalige Dezernent etwas unternommen hatten. Der inzwischen verurteilte Peter B. wurde erst ein halbes Jahr später festgenommen, weil ein Elternteil die Polizei eingeschaltet hatte. Hat das Jugendamt versagt? 

So deutlich beantwortet der Abschlussbericht diese Frage nicht. Aber er fordert Konsequenzen: Das Jugendamt könne vom Bürger nur dann wieder Vertrauen erhalten, wenn es einen Neuanfang gäbe. Dazu zähle auch ein personeller, argumentierten die Sonderermittler der Stadtvertretung, die die Rolle des Jugendamtes untersucht haben. Die Leiterin des Amtes, Caren Gospodarek-Schwenk, die nach kurzer Entbindung von ihren Pflichten im Bereich Jugendhilfe durch die Oberbürgermeisterin am Sonderausschuss vorbei wieder voll eingesetzt wurde, müsste nach Ansicht des Ausschusses in einen anderen Bereich versetzt werden. 

Gleichzeitig kritisiert der Ausschuss, dass auch Jugendhilfeausschuss-Vorsitzender Peter Brill (Linke) seiner Verantwortung nicht gerecht geworden sei. Er wurde von Mitgliedern seines Gremiums bereits zum Rücktritt aufgefordert. Die Ausschussmitglieder von CDU, SPD, Unabhängigen, Grünen und AfD werfen Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow vor, dass sie nach dem Hungertod von Lea-Sophie 2007 nicht alles getan habe, damit sich Fehler im Jugendamt nicht wiederholen, wie sie es bei ihrem Amtsantritt versprochen habe.

Sie sei als Personalchefin auch verantwortlich, dass die Jugendamtsleiterin sich nicht in dem für sie berufsfremden Gebiet qualifiziert habe. Eine Handlungsempfehlung gibt der Ausschuss nicht: Die Schweriner könnten bei der OB-Wahl am 4. September selbst handeln.

Außerdem müsse Jugendhilfe eigenständig und aus dem jetzigen Amt für Jugend, Schule und Sport gelöst werden. Das bereitet die Verwaltungsspitze schon vor. 

Im Abschlussbericht geht es um eine künftig nötige Betriebserlaubnis für alle öffentlichen Jugendtreffs – auch die nicht anerkannter Träger wie es Power for Kids war –, um Einbeziehung derer Leiter in die Arbeitskreise der Jugendhilfe, um regelmäßigen Austausch mit den Kontaktbeamten der Polizei, um kontinuierliche Besuche der Treffs durchs Jugendamt, aber auch um Anweisungen, dass einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung ausschließlich vom Jugendamt nachgegangen werden muss. Das alles passiert noch nicht. Die Linke fordert zusätzliche Sozialarbeiter fürs Mueßer Holz. 



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