Donnerstag, 8. September 2016

Cloppenburg: Die Verwahrlosung der Kinder war dem Jugendamt bekannt

Der Fall hatte für Empörung gesorgt: In der Silvesternacht des vergangenen Jahres musste die Polizei vier verwahrloste und akut gefährdete Kinder aus einem Haus in Löningen holen. Hinweisgeber hatten die Räumlichkeiten als „Saustall“ beschrieben. Am Dienstag hat das Cloppenburger Amtsgericht die Eltern der Kinder wegen Misshandlung Schutzbefohlener verurteilt: den 31-jährigen Vater zu zehn Monaten Haft, die 27-jährige Mutter zu acht Monaten Haft – jeweils mit Bewährung.

Er muss als Bewährungsauflage 2000 Euro zahlen, sie 60 Stunden gemeinnützige Arbeit verrichten. Die Fotos von den Räumlichkeiten, die sich das Gericht gestern zusammen mit einer Polizeibeamtin anschaute, verlangten den Prozessbeteiligten einiges ab. Den Feststellungen zufolge glich die Wohnung einer Müllhalde. Die Kinder waren von Hautpilzen übersät. Der ältesten Tochter mussten sieben Zähne gezogen werden. 

Die Eltern wollen den verwahrlosten Zustand ihrer Kinder so nicht bemerkt haben. Sie sprachen von einer Überforderung. Hilfe war ihnen angeboten worden, doch die schlugen sie aus. Die Taten haben die Angeklagten gestern eingeräumt. Damit hatten sie ihren Kindern zumindest eine Vernehmung vor Gericht erspart. Das wirkte sich dann auch strafmindernd aus. Heute leben die Kinder in Pflegefamilien.

Die unhaltbaren Zustände in dem Haus der Angeklagten waren über Jahre bekannt, auch wenn es zwischendurch auch mal bessere Zeiten gegeben haben soll. Silvester 2015 war das Elend aber nicht mehr haltbar gewesen. Noch in der Nacht hatte die Polizei auf Anordnung eines Richters das Martyrium der Kinder beendet. Auch dem Jugendamt des Landkreises Cloppenburg waren die Missstände bekannt. Es will aber keine Möglichkeit gesehen haben einzugreifen. Zurzeit laufen deswegen gegen Mitarbeiter der Behörde staatsanwaltliche Ermittlungen. 

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