Samstag, 24. September 2016

Diepholz: Für das Jugendamt gehören Großeltern nicht zur Familie und sich um den Enkeln zu kümmern ist nicht erwünscht!

Heinz-Hermann Warneke ist mit ganzem Herzen Opa. Enkel Ole ist sieben Jahre alt und geht in die erste Klasse an der Grundschule am Lindhof in Syke. Das Problem: Bei Ole wurde Asperger-Autismus diagnostiziert. Und dennoch hat er bisher keinen Schulbegleiter an die Seite gestellt bekommen. Heinz-Hermann Warneke kann das nicht verstehen. Er hat Beurteilungen gesammelt und zahlreiche Telefonate geführt. Aber letztlich wusste er auch eineinhalb Jahre, nachdem der Förderantrag für Ole bei der Schule gestellt wurde, nicht Bescheid, wer denn nun wirklich zuständig ist: Schule oder Jugendamt? Mit diesem Problem wandte er sich am Dienstagabend an den Syker Schulausschuss.

„Das Jugendamt sagt, es sei Sache der Schule. Die Schule und auch die Lebenshilfe sagen, es sei Sache des Jugendamtes“, formulierte er sein Problem in der Einwohnerfragestunde. Und bekam prompt Antwort. Schulamtsleiterin Delia Krämer machte klar: „Das läuft über das Jugendamt.“ Sie nannte das Sozialraum-Team oder die Leitung des Jugendamtes im Landkreis Diepholz. Heinfried Schumacher ging sogar noch einen Schritt weiter: „Rufen Sie den Landrat an.“ Und sein Parteigenosse Peter Jahnke erinnerte sich an ein Kind mit der gleichen Diagnose am Gymnasium, wo er unterrichtet. „Da gibt es eine Assistenz. Aber das kann keine Sache der  Schule sein, das muss das Jugendamt bezahlen.“

Klingt einfach. Scheint es aber nicht zu sein. Im Juni 2015 kam das Fördergutachten von der Schule. „Ole braucht viel Zeit, um Aufgaben zu verstehen“, steht unter anderem darin. Und: „Neben der Klassenlehrkraft, die ihre Aufmerksamkeit nicht auf ein Kind fokussieren kann, benötigt Ole eine ganz enge Bezugsperson an seiner Seite.“ Einen Monat später, so Heinz-Hermann Warneke, folgte die Empfehlung der Förderkommission, Ole möge eine Schulassistenz bekommen. Auch die Landesschulbehörde habe Förderbedarf festgestellt. Der nächste Schritt war der zum Sozialpädriatischen Institut am Klinikum Bremen-Mitte. Diagnose: Asperger Autismus. Empfehlung: „Beim Schulbesuch sollte eine Schulassistenz den Jungen unterstützen, da er noch nicht in der Lage ist, selbstständig zu arbeiten.“

Dem Antrag auf Schulassistenz beim Jugendamt und der Einschulung im August dieses Jahres folgte allerdings keine weitere Hilfe. Trotz Anrufen beim Fachdienst Schule beim Landkreis Diepholz, beim Jugendamt Syke und bei der Lebenshilfe Syke. Für Lindhof-Schulleiterin Ursula Wachendorf „ein Problem, dass viele sich aus der Verantwortung ziehen“. Das Kind sei anerkannt, die Schule habe Förderung beantragt. „Familien, die sich auf Landkreis-Ebene nicht wehren könnten, sollten unterstützt werden.“

Wie Dieter Enders, Regionalkoordinator beim Fachdienst Jugend im Landkreis Diepholz, auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, ist die Zuteilung von Schulassistenten ein „sehr komplexes Thema“. Die Vermittlung von Bildung sei Aufgabe der Schule. Das Jugendamt komme erst, wenn das Kind aufgrund einer psychischen Erkrankung von seinen Altersgleichen abweicht. Nun sei Autismus keine psychische Krankheit, gehe aber häufig mit psychischen Krankheiten anheim. „Die Wahrscheinlichkeit, als Autist eine Schulassistenz zu erhalten, ist sehr gut“, urteilte Enders. Nur müssten sich die Eltern kümmern, Großeltern seien dazu nicht befugt. Vielleicht würden dem Antrag auch nur ein paar Unterlagen fehlen. So oder so: Er wolle Herrn Warneke einmal zurückrufen.

http://www.weser-kurier.de/region/syker-kurier_artikel,-Wer-ist-zustaendig-_arid,1463106.html

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