Sonntag, 11. September 2016

Hamburg: Prozessauftakt im Fall des getöteten Babys Tayler

Er soll den kleinen Tayler misshandelt, soll das Baby seiner Lebensgefährtin so heftig geschüttelt haben, dass es nur wenige Tage später an seinen Verletzungen starb. Seit Freitag muss sich Michael Q. vor dem Hamburger Landgericht verantworten, die Anklage lautet auf Totschlag – der 27-Jährige stritt die Tat zum Prozessauftakt jedoch ab. Bereits im Vorfeld hatte der Fall für öffentliches Aufsehen gesorgt, weil der 13 Monate alte Junge zum Zeitpunkt der Tat unter Aufsicht der Behörden stand. Beim zuständigen Jugendamt in Altona sind nach Informationen der „Welt“ umfangreiche Veränderungsprozesse in Planung.

„Den Anklagevorwurf weise ich zurück. Ich habe dieses Kind geliebt, sein Tod bestürzt mich zutiefst“ – es sind diese Worte, die Michael Q. im Verhandlungssaal der Großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts verliest, Worte, mit denen er die Vorwürfe weit von sich weist. Zwar räumt der Angeklagte ein, am 12. Dezember 2015 allein mit dem Baby in der Wohnung seiner Lebensgefährtin gewesen zu sein – von einer Misshandlung will Michael Q. jedoch nichts wissen. Vielmehr habe der kleine Junge „plötzlich Schnappatmung bekommen“, schließlich gekrampft und Blut und Speichel gespuckt. Er habe nichts gemacht, so Michael Q. Wenige Tage nach dem Vorfall war das Kind tot.

Am 19. Dezember vergangenen Jahres starb Tayler mit nur 13 Monaten – vermutlich an den Folgen eines Schütteltraumas, davon geht auch die Staatsanwaltschaft aus. Tayler hatte bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus Blutungen in den Netzhäuten seiner Augen, sein kleiner Körper war übersät von Hämatomen. Gegen die Mutter des Kindes war zunächst auch ermittelt worden, das Verfahren wurde jedoch vor dem Prozessauftakt eingestellt. Am Montag soll die 23-Jährige vor Gericht aussagen.

Ein Bericht der Jugendhilfeinspektion, die den Fall untersucht hat, brachte Anfang des Jahres schwere Versäumnisse auf Seiten des zuständigen Jugendamts Altona ans Licht, unter dessen Beobachtung der Junge zum Zeitpunkt seines Togdes gestanden hatte: Trotz ungeklärter Verletzungen am Körper des Kindes war Tayler aus seiner Pfelegefamilie genommen und zurück in die Obhut seiner Mutter gegeben worden.

Es war im August vergangenen Jahres, als das damals nur acht Monate alte Baby ins Altonaer Kinderkrankenhaus eingeliefert wurde und die Ärzte bei dem Kleinen einen Schlüsselbeinbruch diagnostizierten. Eine plausible Erklärung für die Verletzung hatte Taylers Mutter damals nicht. Trotzdem wurde der Junge nur wenig später wieder in ihre Obhut gegeben – eine Fehlentscheidung der zuständigen Sozialarbeiterin, so die Einschätzung der Jugendhilfeinspektion. Man habe damals schlicht übersehen, dass Tayler bei seiner Mutter nicht mehr sicher war.


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