Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Freitag, 30. September 2016

Sinsheim: "Lena muss aus dem Heim raus"

Der Kampf um die siebenjährige Lena, die vom Jugendamt einem Mannheimer Kinderheim überstellt wurde, wird vor dem Familiengericht ausgefochten. Eine Übertragung des Sorgerechts auf die Großmutter ist nicht an den Behörden, sondern am Kindsvater gescheitert. Nach Darstellung von Ramona K., der Oma des Mädchens, fand eine Besprechung mit den Familienangehörigen und dem Jugendamt keine einvernehmliche Lösung. Der Kindsvater, der sich bislang nicht um Lena kümmerte und zudem eine Haftstraße wegen Drogenhandels hinter sich haben soll, verweigerte demnach seine Zustimmung zur Sorgerechtsübertragung an die 54-jährige Großmutter. Lenas Mutter, der das Kind wegen Überforderung weggenommen worden war, hatte dieser Regelung zugestimmt. Jetzt wird das Sinsheimer Amtsgericht entscheiden müssen, wo das Kind besser untergebracht ist.

Der Fall der Siebenjährigen hatte in den letzten Wochen erhebliches Aufsehen erregt - vor allem, weil die Großmutter offensiv an die Öffentlichkeit gegangen war und auf Plakaten "Lena muss aus dem Heim raus" gefordert hatte. Dieses couragierte Vorgehen war zwar durchaus umstritten, aber Ramona K. gewann dadurch auch viele Sympathien. Ihre Enkelin war vor zwei Monaten in ein Heim gebracht worden, die Oma erfuhr erst durch eigene Recherche davon. Seitdem kämpft sie für das Sorgerecht. Ihre Botschaft: "Bei mir ist das Kind besser aufgehoben als im Heim". Das vermutliche Kindswohl dürfte jetzt auch vor Gericht die entscheidende Rolle spielen.


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