Mittwoch, 26. Oktober 2016

Viersen: Luca ist tot - das Jugendamt wusste von den Vorfällen in der Familie

Bei der Obduktion des Fünfjährigen seien Verletzungen festgestellt worden, die auf körperliche Misshandlungen schließen ließen, heißt es in der Mitteilung. Durch stumpfe Gewalt gegen Kopf und Bauch habe der Junge innere Verletzungen erlitten. Zudem sei er gewürgt worden. Die Verletzungen hätten zum Tod geführt.

Der Mann leugnet die Tat. Nach Angaben der Ermittler liegen jedoch Hinweise vor, dass der Verdächtige Luca bereits in der Vergangenheit misshandelt haben soll. So soll es Zeugen geben, die auf Verletzungen des Jungen aufmerksam geworden waren. Als die Zeugen den Jungen fragten, woher er die Verletzungen habe, soll der Junge angegeben haben, dass der Verdächtige dafür verantwortlich sei.

In der Wohnung soll es oft Streit gegeben haben

"Der Junge hat einmal 15 Minuten lang geschrien, da bin ich hoch gegangen", erzählt er. Die Mutter habe völlig fertig ausgesehen. Zu ihrem Nachbarn habe sie gesagt: "Ich hab nur mit meinem Kind gespielt." Alles sei gut. Dass nicht alles gut war in der Familie, bekamen offenbar alle mit, die in dem Haus wohnten. "Wir Nachbarn haben nicht nur einmal das Jugendamt verständigt", sagt Frank K. Auch die Polizei sei immer wieder da gewesen. "Einmal viermal in einer Woche – da haben die jeden Abend Party gemacht oben."

Eine Geschäftsfrau aus der Nachbarschaft kennt die 24-jährige Mutter und deren Lebensgefährten. Die junge Frau habe schon bei ihr Zuflucht gesucht, als sie Ärger mit ihrem Freund gehabt habe, sagt die 52-Jährige. Auch sie berichtet, dass das Jugendamt von Vorfällen in der Familie gewusst habe. "Sie war ganz aufgelöst und hat mir erzählt, dass das Jugendamt Luca erstmal in seine Obhut genommen hatte", erzählt die Geschäftsfrau. 

Die 24-jährige Mutter soll sich 2015 vom Vater des Fünfjährigen getrennt haben. Kurze Zeit später zog demnach ihr neuer Partner ein. Die beiden sollen noch ein Kind bekommen haben, das Mädchen erst wenige Wochen alt sein. Allerdings hat es nach Informationen unserer Redaktion nicht lange bei der Familie gelebt; das Jugendamt soll auch dieses Kind in Obhut genommen haben. Die Stadt Viersen will auf Nachfrage unserer Redaktion die Berichte weder bestätigen noch dementieren.

"Früher war es viel schlimmer, als ihr Ex noch da war", sagt Frank K. Es habe Schreierei und Stress gegeben, Kinderweinen sei oft zu hören gewesen, sagt er. Luca habe immer schmächtig und kränklich gewirkt. "Er konnte nicht gut sprechen, war meiner Meinung nach nicht altersgemäß entwickelt."  Vor allem die Mutter habe den Jungen immer wieder angeschrien. "Was hätten wir tun sollen, außer das Jugendamt zu alarmieren?", fragt der Nachbar. "Jetzt ist der Junge tot." Er sei fassungslos und "tierisch sauer". "Das tut mir so leid." Er habe gedacht, die Situation habe sich beruhigt in der letzten Zeit. "Ich dachte, vielleicht ist der Kerl gut für sie."

Eine Bekannte der Familie ist schockiert über die Ereignisse: Die 24-jährige Mutter sei trotz ihrer eigenen schwierigen Vergangenheit sehr liebevoll mit ihrem Sohn umgegangen, sagt sie. Die junge Mutter sei selbst bei Pflegeeltern aufgewachsen.


http://www.rp-online.de/nrw/staedte/viersen/fuenfjaehriger-in-viersen-getoetet-26-jaehriger-soll-jungen-schon-frueher-misshandelt-haben-aid-1.6348746

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