Erlebnisse in deinem Kindergarten in Wien.......

Dein allerbester Freund war Janek. Janek der genausowenig angepasst war wie du. Janek der den Schalk im Nacken hatte. Ihr habt euch bestens verstanden, auch gegen den Willen seiner Mutter. Euch sind wirklich nie die Ideen ausgegangen, damit es ja nicht langweilig wird.

Vera war deine allerliebste Erzieherin. Ich weiß noch wie traurig du warst, als Vera versetzt wurde. Wir haben für sie ein Schokoladenherz gekauft und du hast es ihr unter Tränen und mit einer dicken Umarmung geschenkt. Wir haben Sie nie mehr wiedergesehen.

An Daniela hast du dich erst langsam gewöhnt, aber dann war auch sie von dir begeistert. Wenn die anderen Kinder etwas nicht verstanden hatten, sagte sie:" Geht zu Leonie, die erklärt euch das." Dabei warst du selbst noch ein Kind, welches viele Fragen hatte. Du hast während deiner Kindergartenzeit, mit 4 Jahren, zweimal die Vorschule absolviert. Du warst so wissbegierig, dass Daniela kaum nachkam mit dem vermitteln von Wissen. Wie ein Schwamm hast du alles aufgesaugt, was erlernbar war. Mit 5 musste ich dich dann aus dem Kindergarten nehmen, weil du die Vorschule sonst ein drittes Mal hättest absolvieren müssen. Also bist du in die Schule gegangen.

Wie oft bin ich in den Kindergarten gekommen, um dich abzuholen und wurde mit den Worten empfangen: "Leonie war heute böse." Wenn ich fragte was denn passiert sei, stellte sich in der Regel heraus, dass du dich verteidigt hast oder andere Kinder, denen ein Unrecht zugefügt wurde. Petzen lernt man halt schon im Kindergarten. Du bist sogar zu Karin, der Leiterin, gegangen, um dich zu beschweren. Einmal ist es wohl passiert, dass eine Erzieherin ein anderes Kind geschlagen hat. Du bist dazwischengegangen, was man nicht gern sah. Erreicht hast du nichts, aber du hast auch nicht aufgegeben, sondern bist zur Leiterin. Vor dieser Erzieherin hatte jedes Kind Angst, soweit ich sehen konnte.

Ich war vielleicht die Einzige, die nicht von dir verlangt hat brav zu sein. Mädchen müssen brav sein.... Nein das müssen sie nicht. (eigene Erfahrung) Du musstest Regeln akzeptieren und bestimmte Grenzen durften nicht überschritten werden, aber dein Leben durftest du selbst gestalten. Du durftest selbst entscheiden was und wieviel du lernen wolltest, du durftest selbst entscheiden mit wem du befreundet sein wolltest, du durftest selbst entscheiden welche Sachen du anziehen möchtest, du hast dir deinen Kindergarten/Schule ausgesucht usw.. Die Grenzen waren da, wo andere oder du selbst ihnen/dir schaden hättest können. Aber du kanntest die Grenzen und hast sie nicht überschritten. Und wenn es doch einmal passierte, hast du die Konsequenzen getragen. Ich habe dir geraten und dir gesagt wie ich die Probleme lösen würde. Du hast darüber nachgedacht und dann entschieden. Clevere junge Dame.... Ich war und werde immer stolz auf dich sein. Egal was man dir erzählt Leonie, so wie du bist, bist du genau richtig. Irgendwann bist du erwachsen und Namen vergisst man nicht und dann kehrt sich das Ganze um. Jeder bekommt im Leben irgendwann einmal die Quittung für sein TUN, ganz sicher.

Der Crazytag im Kindergarten, war dein Lieblingstag. Zwei verschiedene paar Socken, den Pullover verkehrt herum angezogen, einen Zopf links, rechts keinen, zwei verschiedene paar Schuhe usw.. Das die Leute in der U-Bahn teilweise den Kopf schüttelten, hat dich nicht gestört und mich auch nicht. Pippi Langstrumpf war eines deiner Vorbilder... Ja warum auch nicht....

Du hast nicht viel von Prinzessinnen gehalten. Du warst lieber Ritter und hast daran geglaubt, dass man das Böse so besiegen kann. Im realen Leben ist das leider nicht so leicht...... Im Moment will man dich sicher "erziehen" und aus dir ein "braves, angepasstes" Mädchen machen. Du bist jetzt nämlich wieder im deutschen Kulturkreis (Richter Zimmer). Deine Großmutter hat das größte Verbrechen aller Zeiten begangen, als sie dich als Inhaberin des Aufenthaltsbestimmungsrechtes, diesem entzogen hat. Wir beide wissen es besser. Es war das Beste was dir passieren konnte.....  Jedes Unrecht, welches dir derzeit angetan wird, wird gesühnt werden auf die oder andere Weise, von mir, dir oder anderen.

Erinnerst du dich an den Ausflug auf den Laerberg in den böhmischen Prater?



Ich war als Begleitperson dabei und ging als letzte mit einem kleinen Jungen an der Hand. Zunächst habt ihr eine Exkursion auf und durch den Laerberg/-wald gemacht. Jedes Kind bekam einen Zweig in die Hand und musste sich den Namen des Baumes merken, den Daniela zuvor erklärt hatte. Am nächsten Tag wolltet ihr ein Album basteln. Du warst die Hainbuche. Wie oft hast du diesen Namen wiederholt, um ihn ja nicht zu vergessen.

Es war heiss und alle Kinder wurden immer müder. Dir und Janek wurde es irgendwann zu langweilig. Ihr seit vorgelaufen. Daniela bemerkte es nicht. Ich sagte es nicht. Als sie es dann bemerkte suchten wir euch und fanden euch an der nächsten Kreuzung. Janek hielt einen Hagebuttenstrauch hoch und  du hast den umstehenden Kindern erklärt, was das ist und wozu man es nutzen kann. Selbst Daniela musste schmunzeln. Eine Ermahnung bei der Gruppe zu bleiben, habt ihr trotzdem bekommen. Und das war auch richtig, ihr habt es beide eingesehen.

Dann ging es in den böhmischen Prater. Ich spendierte allen Kindern ein Eis, wir machten ein Picknick auf einem Spielplatz mit dem mitgebrachten Essen/Trinken aus euren Rucksäcken  und zwei Karusellbesitzer erlaubten eine Karusellfahrt. Ja genau auf so einem Pferd hast du auch gesessen und mit dieser Eisenbahn bist du auch gefahren. Ihr wart alle so ausgelassen und so fröhlich....

Auf dem Rückweg sind ein paar der Kinder bereits eingeschlafen im Bus und du warst so müde, dass du kaum zu bändigen warst. Zu Hause hast du dich freiwillig hingelegt und ganz tief geschlafen.

Das war dein Zeichen im Kindergarten: