Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Samstag, 29. April 2017

Medebach: "..... habe aber schnell gemerkt, die Frau war sehr behördenerfahren und wusste, was sie uns zeigen und was sie sagen musste."

Beim zweiten Prozesstag gegen eine Mitarbeiterin des HSK-Jugendamtes ging es darum, ob sie den Zustand der Kinder hätte erkennen können.
 
„Das Mädchen hatte kaum noch Tränen.“ Diese Aussage einer 39-jährigen Kinderärztin macht betroffen. Gestern ist der zweite Verhandlungstag und es ist der Tag der Ärzte und Polizeibeamten. Vor dem Medebacher Amtsgericht muss sich nach wie vor eine 29-jährige Mitarbeiterin des HSK-Jugendamtes verantworten. Sie soll bei der Kontrolle einer neunköpfigen Familie im Raum Winterberg nicht oft und genau genug hingeschaut haben, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft.

Ein zweijähriger Junge verhungerte, seine neun Monate alte Schwester entkam dem Hungertod nur knapp. Gegen die inzwischen zehnfache Mutter wird gesondert vor dem Landgericht verhandelt. Die Sozialarbeiterin ist hingegen wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Die Frage, die das Gericht gestern zu klären versucht: Hätte die 29-Jährige mit bloßem Auge erkennen können, in welchem Zustand sich die Kinder befanden, wenn sie genau hingeschaut hätte. Und die rhetorische Frage des Verteidigers: War es überhaupt die rechtliche Pflicht seiner Mandantin, dies zu tun? Hatte sie eine sogenannte Garantenstellung?

Die Notfallärztin

Der verstorbene Anakin und seine Schwester Serenity müssen im Februar 2014 in einem erbarmungswürdigen Zustand gewesen sein. Die aufnehmende Kinderärztin (39), die das kleine Mädchen bei der Notfallaufnahme in Hüsten behandelte: „Sie war sehr abgemagert, hatte stehende Hautfalten, eine ängstlichen Blick, keinerlei Abwehrreaktionen beim Anlegen einer Venenzugangs. So ein abgemagertes Kind habe ich in meiner Berufslaufbahn noch nicht gesehen.“ Alle seien geschockt gewesen. Das ganze Ausmaß des Zustandes sei ihr und dem Pflegepersonal erst bewusst geworden, als das Kind ausgezogen war. „Als es am nächsten Tag die Flasche bekam, hat es getrunken wie ein Weltmeister.“ Die Mutter hatte im ersten Verfahren immer wieder behauptet, das Kind habe keine Nahrung aufnehmen wollen.

Der Klinikarzt

Ähnlich hat der damalige Chefarzt (65) der Kinderklinik den Zustand der Geschwister in Erinnerung: „Für das Mädchen war es Rettung in allerletzter Sekunde. Als der Junge zu uns kam, war er völlig schlapp, leblos, komatös. Er wog im Alter von zwei Jahren 6,5 Kilo und war damit lebensbedrohlich unterernährt.“ Auf die schwierige Frage von Richter Ralf Fischer, ab wann ein medizinischer Laie diesen Zustand hätte erkennen müssen, kann auch der Kinderarzt keine verbindliche Aussage machen. Nur so viel: „Ich denke, dass da Kind nie in seinem Leben gelaufen ist. Hätte man es im Herbst gesehen, hätte einem zumindest auffallen müssen, dass da etwas im Argen ist.“ Anakin stirbt im Frühjahr 2014.

Immerhin ist die Mutter etwa zehn Wochen vor dem Tod ihres Sohnes bzw. dem Zusammenbruch der Tochter bei einer Kinderärztin gewesen. Die Medizinerin hatte aber damals nur das Mädchen untersucht, das nach Durchfall wund war (Windel-Dermatitis), ansonsten aber „unauffällig“ gewesen sei. Der Junge sei „nur so mit dabei gewesen“ und habe in Winterkleidung in seinem Kinderwagen gesessen. Sie habe ihn nicht untersucht, kaum gesehen, da es um ihn bei dem Termin nicht gegangen sei.

Die Polizei

Nach dem Tod des Jungen rückt die Polizei bei der Mutter im Raum Winterberg an. Der heute pensionierte Beamte (66): „Der Zustand des Hauses war akzeptabel. Ich war überrascht über Menge und Qualität der Lebensmittel. Das war schon gewaltig. Ich habe aber schnell gemerkt, die Frau war sehr behördenerfahren und wusste, was sie uns zeigen und was sie sagen musste. Ich glaube, die Lebensmittel waren nur zum Vorzeigen dort.“ Im Rahmen der Vernehmung habe sie eine Fassade aufgebaut und sich immer wieder in Lügen verstrickt.

Der Verteidiger

Anwalt Thomas Mörsberger reibt sich an der Formulierung „hätte man nicht genauer hinsehen müssen?“. Denn genau dieses „man“ mache deutlich, dass ständig unterstellt werde, die Verantwortung sei auf jemand anderen übergegangen. Letztlich sei doch wohl die Mutter in der Pflicht gewesen. Jugendarbeit bestehe aus einem breiten Spektrum an Aufgaben, aber auch aus Grenzen von Möglichkeiten. „Kontrolle ist nicht identisch mit Eingriffsbefugnis. Jeder Sozialarbeiter muss gut überlegen, welche Karte er ausspielt, um sich nicht den Zugang zu einer Familie zu verbauen.“

Der Richter

Immer wieder zitiert Richter Fischer die Handlungsempfehlungen, die das Jugendamt des Vogtlandkreises (wo die Familie vorher wohnte) dem HSK mit auf den Weg gegeben hatte. Demnach brauchte diese Problemfamilie Unterstützung auf allen Ebenen. Fischer: „Wenn man all die Vorkenntnisse hat und sieht dann so ein Kind, kommt da nicht auch einem medizinischen Laien die Erkenntnis, da muss ich was tun?“

Der Staatsanwalt

Klaus Neulken, Staatsanwalt, möchte sich nicht mit der generellen Frage der Jugendarbeit beschäftigen. Für ihn ist klar: Der Vogtlandkreis hat sehr genau hingeschaut und gute Arbeit geleistet. Wäre das hier fortgesetzt worden, hätte Schlimmeres verhindert werden können. Der Verteidiger: „Deshalb ist die Familie ja auch von dort weggezogen.“ Neulken: „Ja, in einen Kreis, wo man offenbar nicht ausreichend verhindert, dass Kinder vernachlässigt werden.“ 

http://www.wp.de/staedte/altkreis-brilon/geschwister-waren-in-einem-erbarmungswuerdigen-zustand-id210386871.html 


Montag, 24. April 2017

Jugendamt: Die Zeit schafft Fakten...... und diese Fakten kosten mehr als zehn Milliarden Euro

Jugendämter müssen lösungsorientiert arbeiten im Interesse des Kindeswohls, der natürlichen Eltern und der Staatskasse
 
Wie das bei den natürlichen Eltern ankommt, wenn ihnen gesagt wird, sie gefährden das Kindeswohl, kann jeder Mensch mit ein bisschen Empathie sich vorstellen, insbesondere wenn die Eltern das Jugendamt um Hilfe gebeten hatten. Wir begleiten und recherchieren noch zwei weitere ähnlich gelagerte Fälle von Mitgliedern. Die Strukturen sind ähnlich, allerdings zeigen sich die Jugendämter in N und F kommunikativer. Ebenso wird der Umgang ständig erweitert. 

Wir haben nicht Eltern gewählt, die sich nicht kooperationsbereit oder einsichtig zeigen, dass sie Defizite haben, die aufzuarbeiten gilt. Vielmehr tun sie etwas, gehen in Therapie und wollen "liefern". Aber in allen drei Fällen, sind die Strukturen ähnlich: Die Zeit schafft Fakten, die Kinder haben einen neuen Lebensmittelpunkt gefunden und dort wird das Kindeswohl durch das Jugendamt dann angesiedelt. 

Vergleicht man den Output, der da produziert wird, so stellt man fest, er ist teuer, ineffizient, in keinem Fall effizient. Da sitzen mehrere Mitarbeiterinnen - es sind ja meist nur Mitarbeiterinnen - und beschäftigen sich letztlich autoritär mit Beurteilungen, füllen Formulare aus, in denen nur noch abgehakt, angekreuzt werden muss - und dann von mehreren unterschrieben, so dass alles abgesichert ist nach Außen. Das Ganze mag der Bürokratie Genüge tun, den betroffenen Eltern und der Staatskasse nicht. 

Das ganze Handeln ist teuer und ineffizient. Bürokratie und Pflegeeltern haben ihren Preis, es sind bundesweit inzwischen über zehn Milliarden, die dafür ausgegeben werden. - Effizient wäre, wenn mit den Eltern vor Ort handlungsorientiert, motivierend gearbeitet werden würde, lösungsorientiert, so dass die natürlichen Eltern mit "ihren" Kindern nach einer gewissen Zeit in die "Unabhängigkeit" entlassen werden können. - Faktisch wird das jugendamtliche Kindeswohl autoritär verwaltet. Aber darüber möchte man nicht gerne konkret sprechen, könne man aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sprechen, auch dann nicht, wenn die betroffenen Eltern ausdrücklich von der Schweigepflicht entbunden haben. 

Es stellt sich die Frage, wollen das die Damen des Jugendamtes überhaupt, die natürlichen Eltern fit machen? Ist die Rückführung überhaupt ein Ziel? Oder ist es das Ziel die vom Jugendamt erwählten Pflegeeltern zu schützen, zu fördern, zu verschweigen, dass diese gar nicht so selten die Kinder wieder weiterreichen, wenn es schwierig wird oder die Kinder - natürlich ganz im Sinne des Kindeswohls - mal unter zwei Eltern aufgeteilt werden. 

Die leiblichen Eltern gilt es zu vertrösten, sie hinzuhalten und zu warten, bis sie sich beim Hinterherlaufen und Domestizieren des Amtsschimmels die Hacken abgelaufen haben und früher oder später resignieren. 

Die Situation ist tatsächlich kafkaesk, man bekommt niemand so recht zu fassen, Verantwortung wird weitergeschoben. Wenn das Jugendamt in C empfiehlt, dass die Eltern "ihre Erziehungsfähigkeit erneut in einem familiengerichtlichen Verfahren überprüfen" lassen müssen, um die Kinder zurückzubekommen, dann wissen sie genau, wie die Entscheidung dort notgedrungen ausfallen wird. Schließlich ist der Richter auf ihr Urteil angewiesen, ebenso die Pflegeeltern um die Pfründe zu sichern. Auch der Gutachter, der möglicherweise beauftragt wird, schwebt nicht wie eine Deus ex Machina ein. An wen sollen sich Betroffene wenden, wer entscheidet letztlich? - Die Zeit schafft Fakten. 

Mittwoch, 19. April 2017

Kitzingen: Die Folgen einer Inobhutnahme

Das Leben hat es bisher nicht gut gemeint mit dem 17-Jährigen. Mit zweieinhalb Jahren wurde er vom Jugendamt aus der Familie genommen, weil seine Eltern heillos überfordert waren. Verwunden hat das Kind diesen Schock wohl bis heute nicht. Die Kinder- und Jugendjahren waren geprägt von Pflegefamilien, Heimen, Therapien und vielen weiteren Jugendhilfemaßnahmen. Am Ende gab es sogar einen Aufenthalt auf einem Bauernhof in Tschechien, um einen scheinbar Uneinfangbaren doch noch irgendwie einzufangen.
Zu all dem gesellten sich bald jede Menge Probleme mit Polizei und Justiz. 2014 ging's mit einer Sachbeschädigung los, gefolgt von Betrug sowie Unterschlagung ein Jahr später. Dafür setzte es erst zehn und schließlich 30 Sozialstunden, die jedoch nicht alle erledigt wurden. Und so wanderte der 17-Jährige im vergangenen Jahr erstmals in seinem Leben für zwei Wochen im Arrest.
Die nächsten Fälle folgten auf dem Fuß: Gleich vier Punkte umfasst die Anklageschrift vor dem Kitzinger Jugendschöffengericht. Zum einen stahl der junge Mann seinem ehemaligen Pflegevater das 600 Euro teure Smartphone. Außerdem fälschte er drei Überweisungen, damit insgesamt 850 Euro auf seinem Konto landeten.

Polizei musste Jugendlichen aus der Schule holen

Dann war da noch diese Aktion: Vergangenen Juli tauchte der 17-Jährige an seiner alten Schule auf, von der er ein paar Monate zuvor geflogen war. Als der Direktor den ungebetenen Gast sah, kam es zum Streit. Der Direktor versuchte, den ehemaligen Schüler aus der Schule zu verweisen. Als der jedoch keine Anstalten machte zu gehen, wurde die Polizei gerufen. Die Beamten durften sich noch einige Beleidigungen wie „Hurensohn“ anhören, ehe es schließlich gelang, den 17-Jährigen zum Gehen zu bewegen.
„Ich wollte cool dastehen!“
Damit war die Sache aber noch nicht ausgestanden.
Wütend, vor seiner alten Klasse – aus seiner Sicht – bloßgestellt worden zu sein, verfiel der junge Mann auf eine dämliche Idee: Er kündigte einen Tag später zwei ehemaligen Klassenkameraden per WhatsApp eine Geiselnahme an der Schule an. Er werde, schrieb er, am nächsten Tag mit 100 Leuten und Waffen kommen, Geiseln nehmen und den Direktor „vernichten“.
„Ich hatte voll den Hass!“, lässt er das Gericht wissen. Der Hauptgrund für die Drohungen aber dürfte gewesen sein, dass der Jugendliche „cool dastehen“ wollte und sich damals der Rapper-Szene zugehörig sah, wo Kraftausdrücke eine ganz eigene Bedeutung hätten. Und: Scheinbar konnte sich der Möchtegern-Rapper nicht vorstellen, wie unfassbar die Ankündigungen waren und was sie auslösen würden.

Von der Szene losgesagt

Inzwischen, so klingt es im Bericht der Jugendgerichtshilfe durch, hat sich der 17-Jährige der Szene losgesagt. Und er scheint auch überrissen zu haben, was er da angerichtet hat. Seit dem zweiwöchigen Gefängnisaufenthalt sei der Angeklagte „offener geworden“.
Er habe zudem erstmals mit Unterstützung des Jugendamtes eine eigene Wohnung beziehen können. Allerdings sei bis heute „vieles nicht aufgearbeitet“, es fehle „jeglicher Halt“. Deshalb müssen wahrscheinlich bald wieder „die Wohnform gewechselt werden“.

Kein Durchhaltevermögen

Was wird, wenn jetzt im Sommer der 18. Geburtstag und damit die Volljährigkeit ansteht, sei auch überhaupt nicht abzusehen. Einige Versuche, über Praktika Strukturen in das Leben des Angeklagten zu bringen, scheiterten meist nach wenigen Tagen – es fehlt schlicht an Durchhaltevermögen.
Genau dem trägt auch das sehr engmaschige Urteil Rechnung: Das Jugendschöffengericht verhängt eine Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Dazu kommen einige Auflagen: In der Zeit seiner Arbeitslosigkeit muss der 17-Jährige Termine bei der Berufsberatung wahrnehmen, Bewerbungen um eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle nachweise und die Betreuung durch eine Jugendhilfeeinrichtung weiterhin annehmen. Dazu kommen außerdem 200 Stunden soziale Hilfsdienste.

Sonntag, 16. April 2017

Mönchengladbach: Gutachter sah keine Kindeswohlgefährdung - doch Luca starb

Der Kindergarten war sensibilisiert, das Jugendamt handelte, das Gericht war eingeschaltet. Und trotzdem starb der kleine Luca durch rohe Gewalt. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen die Mutter und ihren Freund.

Ein Mann, der den kleinen Sohn seiner Freundin zu Tode misshandelt haben soll, steht von Dienstag an (18.4.) in Mönchengladbach vor Gericht. Der 27-Jährige soll das fünfjährige Kind im Oktober 2016 gewürgt und geschlagen haben. 

Der kleine Luca erlitt laut Anklage ein Schädel-Hirn-Trauma und einen Milzriss, wie das Landgericht Mönchengladbach mitteilte. Der 24-jährigen Mutter, die ebenfalls vor Gericht steht, wirft die Anklage Misshandlung durch Unterlassen vor. Sie hatte nach einer gerichtlichen Auflage dafür sorgen müssen, dass der Mann keinen Kontakt zu ihrem Jungen bekommt.

Laut Anklage hatte der 27-Jährige den Jungen schon im Januar geschlagen und ihm im April mit einem Feuerzeug am Rücken verbrannt. Obwohl das Kind der Mutter gesagt haben soll, dass das ihr Freund gemacht habe, hat die Frau laut Anklage den Kontakt weiter zugelassen. Der Kindergarten des Jungen hatte das Jugendamt schon im Januar eingeschaltet. Nachdem das Jugendamt den Jungen vorübergehend in Obhut nahm, durfte die Mutter das Kind unter Auflagen wieder nach Hause holen: Sie musste dafür sorgen, dass ihr Freund keinen Kontakt zu dem Kind hatte.

Als im Kindergarten im April die Verbrennungen am Rücken auffielen, ließ das Amtsgericht die Erziehungsfähigkeit der Mutter prüfen. Der Sachverständige kam zu dem Schluss, dass das Kindeswohl des kleinen Jungen nicht gefährdet sei und vom Freund der Mutter keine Gefahr ausgehe. (dpa)

Donnerstag, 13. April 2017

Brüssel: Familien protestieren gegen Jugendamt

Familien, deren Kinder von dem deutschen Jugendamt genommen wurden, errichteten in der Nähe des Europäischen Parlaments ein Zelt und protestierten gegen die Handlungen des Jugendamtes.

Der Organisator dieser Protestaktion ist der Verein „Umut Yıldızı" (Hoffnungsstern) aus Neuss. Auf dem Schuman Platz befanden sich nicht nur die Vereinsvorsitzenden sondern auch die Familie Dahlhoff. Da sie spät bemerkten, dass eines ihrer Kinder Wasser im Ohr hatte, wurden alle drei Kinder von ihren Eltern getrennt. Die Geschwister wurden getrennt und das Jüngste, das 18 Monate alte Kind kann nur alle zwei Wochen besucht werden.

Mutter der Kinder, Ayşe Dahlhoff, schilderte den Tag an dem ihre Kinder weggenommen wurden: „Drei Polizisten griffen mich am Arm und hielten mich mit Gewalt fest. Sie nahmen meine Kinder und gingen." Sie wolle ihre Kinder zurück und werde nicht aufgeben. Dabei fragte sie auch: „Warum werden meine Kinder nicht an ihre Oma gegeben? Vor was haben sie [das Jugendamt] Angst?"

Patrick Dahlhoff, Vater der Kinder, konnte diese bösartige Handlung kaum in Worte fassen und sagte: „Ich möchte, dass dieser Albtraum endet. Ich will meine Kinder zurück. Wir vermissen sie."

Vorsitzender des Vereins Kamil Altay erklärte, dass diese Aktion nicht nur von türkischen Familien organisiert wurde. „Kinder aus deutschen, österreichischen, französischen, niederländischen und norwegischen Familien, die in die Obhut des Jugendamts genommen wurden, sollen an ihre nächsten Verwandten gegeben werden. Dies können die Großeltern, Tanten oder Onkel sein." Solch ein Arrangement wäre besonders für Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund besonders wichtig, sagte Altay.

Altay kritisierte auch die Intransparenz des Amts und verlangte detaillierte Statistiken. Es gebe keine genauen Statistiken, Kinder mit Migrationshintergrund würden als Deutsche registriert. „Wenn man nach türkischen Kindern fragt, behaupten sie es gebe keine."

„Wir wollen erfahren, was mit den Kindern passiert, die von dem Jugendamt genommen wurden. Wie gut machen sie ihre Arbeit? Beispielsweise, wie viele Kinder absolvieren die Universität? Wie viele werden berufstätig?", fügte der Vereinschef hinzu.

Die Reaktionen auf die Protestaktion seien positiv. Altay rief alle Menschen auf, mehr Aufmerksamkeit für die Situation zu wecken.

Bis Freitag werden sie sich auf dem Schuman Platz aufhalten.