Sie haben mir dreimal Haus und Existenz umgeworfen, mich von jedem Einstigen und Vergangenen gelöst und mit ihrer dramatischen Vehemenz ins Leere geschleudert, in das mir schon wohlbekannte „Ich weiß nicht wohin“. Aber ich beklage mich nicht; gerade der Heimatlose wird in einem neuen Sinne frei, und nur der mit nichts Verbundene braucht auf nichts mehr Rücksicht zu nehmen. So hoffe ich wenigstens eine Hauptbedingung jeder rechtschaffenen Zeitdarstellung erfüllen zu können: Aufrichtigkeit und Unbefangenheit.

Quelle: Stefan Zweig, Die Welt von Gestern. Erinnerungen eines Europäers, Anaconda Verlag 2013, S. 9f.

http://www.ipetitions.com/petition/kinderrechtejetzt/


Samstag, 18. März 2017

Geldern: "dreimal der Versuch der Inobhutnahme ohne Gerichtsbeschluss, immer mit massivem Polizeieinsatz..."

Wie geht es Ihrem älteren Enkel?
Ernst Peter Warnke Er ist jetzt fünfeinhalb Jahre und lebt seit dem 31. Mai bei seiner Mama. Wenn diese arbeiten muss, wird er bestens von uns Großeltern versorgt. Er war nach der Wegnahme durch das Jugendamt zwölf Tage bei seinem leiblichen Vater, der ihn gar nicht kannte, aber schon ein Kinderzimmer eingerichtet hatte. Das zeigt, dass die Inobhutnahme von langer Hand geplant war. Dem Jungen geht es mittlerweile gut, weil wir ihn mit liebevoller Energie umsorgen, damit er die dunkle Zeit der zwölf Tage überwinden kann, denn er kam mit zahlreichen Hämatomen zurück.

Geht er in den Kindergarten?
Warnke Nein, dort würde er nur geklaut. Denn der Beschluss des Amtsgerichts Geldern ist nicht aufgehoben, dass er wieder mit Polizeigewalt aus unserer Familie genommen werden sollte.

Was ist mit dem anderthalbjährigen Enkel?
Warnke Der ist seit dem 19. Mai, dem Überfall durch Jugendamt und Polizei auf uns, bei einer Pflegestelle, mittlerweile schon bei der zweiten, was eine Gefährdung für ein Kleinkind ist.

Haben Sie Kontakt?
Warnke Nach langen Bemühungen gab es einen Beschluss vom Amtsgericht, dass unsere Tochter zwei Stunden pro Woche begleiteten Umgang haben darf. Nach acht Monaten durfte sie ihr Kind erstmals sehen.

Wie geht es dem Jungen?
Warnke Er war seiner Mutter total entwöhnt. Sein fröhliches Gesicht gibt es nicht mehr. Er bekommt Milch und Joghurt trotz seiner Milchunverträglichkeit, obwohl wir das Jugendamt schon bei der Inobhutnahme am 19. Mai darauf hingewiesen haben. Nach mehreren Umgängen erkennt er seine Mutter wieder. Es ist jedes Mal ein trauriges Hin und Her, wenn sie ihn wieder abgeben muss. Es gibt da gar kein Gerichtsverfahren, er wurde einfach geschnappt.

Wie geht es Ihrer Tochter Katja Warnke?
Warnke Sie ist sehr stark und tapfer, weil sie die Lage bis zur Lösung der Probleme durchstehen muss. Sie ist voll berufstätig als Dozentin in der Erwachsenenbildung. Ihr Hauptarbeitgeber ist die Justizvollzugsanstalt Willich. Wir sind sehr stolz auf sie.

Sind Sie dem Ziel der Familienzusammenführung näher gekommen?
Warnke Nein. Das Jugendamt sagte am 17. Juni vor Gericht, es sei das Ziel, die Familie schnell wieder zusammenzuführen. Voraussetzung war aber, dass ein Gerichtsgutachter Katja untersuchen sollte. Der Gutachter hat die Vermutung einer paranoiden Erkrankung geäußert, ohne Beweise anzuführen. Auch die örtliche Vertreterin des Kreisjugendamts argumentiert mit einem Krankheitszustand, ohne Belege dafür zu haben und ohne für ein derartig schwerwiegendes Urteil ausgebildet zu sein. Der gleiche Gutachter hat unsere Tochter übrigens schon 2013 begutachtet. Damals war alles in Ordnung. Und die Stellungnahme eines Psychiaters und Neurologen aus Hamburg, der unsere Tochter als normal und liebevolle Mutter bezeichnet, akzeptiert das Gericht in Geldern nicht, sondern übergeht sie einfach.

Welche juristischen Schritte haben Sie ergriffen?
Warnke Ein Rechtsanwalt aus Frankfurt hat Beschwerden eingelegt und die Verfahren top begleitet. Die Beschwerden wurden vom Amtsgericht Geldern und vom Oberlandesgericht Düsseldorf zurückgewiesen. So war der Weg zu einer Verfassungsbeschwerde frei. Der Rechtsanwalt verfasste 40 Seiten über die Fehler in den ganzen Instanzen, zeigte alles auf. Die Beschwerde wurde aber Anfang Januar in Karlsruhe wegen Überlastung nicht angenommen.

Was geschah dann?
Warnke Die Enttäuschung darüber war groß bei uns. Der Rechtsanwalt beendete daraufhin seine Tätigkeiten.

Wie geht es weiter?
Warnke Beim Verwaltungsgericht Düsseldorf hat meine Tochter, mit Erlaubnis, Einsicht in die Akten des Amtsgerichts Geldern genommen und wichtige Seiten aus dem Verfahren kopiert. Die Seiten dokumentieren das Verhalten und Vorgehen des Jugendamtes nach eigenen Maßstäben und reiner Willkür. So wurde dreimal der Versuch der Inobhutnahme ohne Gerichtsbeschluss unternommen, immer mit massivem Polizeieinsatz. Passagen aus behördeninternen Schriftwechseln belegen, dass es die Kinder auch aus dem Gerichtssaal geholt hätte.

Was machen Sie mit diesem Schriftverkehr?
Warnke Den Inhalt veröffentlichen wir in Briefen an den Landrat und an Politiker. Wir bleiben kämpferisch und versuchen, die Angelegenheit bei noch höheren Stellen zur Sprache zu bringen.

Haben Sie sich neuen Rechtsbeistand geholt?
Warnke Wir lassen uns von einem anderen Rechtsanwalt aus Coesfeld weiter vertreten.

Wie lange wollen Sie Ihren engagierten Kampf noch fortsetzen?
Warnke Natürlich kämpfen wir weiter. Wir wollen wieder eine glückliche Familie sein. Es ist nicht einzusehen, nur aufgrund von Vermutungen einem derartigen Überfall zum Opfer zu fallen. Ein Martyrium und die Entwöhnung von der Mutter können nicht dem Kindeswohl dienen.

Freistett - "Unterschreiben Sie, oder die Polizei holt das Kind ab. Das ist in Deutschland so."

Noch vor rund zwei Monaten schien es, als hätte die Geschichte von Nasir und Maryam Hossaini ein glückliches Ende genommen: Nach der Flucht aus dem Iran und mehr als einem Jahr Trennung werden Vater und Tochter diesmal nicht von einer Grenze auseinander gebracht, sondern von Behörden: Die elfjährige Maryam ist nicht mehr bei ihrem Vater in Freistett, sondern rund 65 Kilometer entfernt bei einer Pflegefamilie in Ettenheimmünster südlich von Lahr.

Pflegefamilie südlich von Lahr

Wie mehrfach berichtet, wohnte das Mädchen bei ihrem Vater Nasir, so lautet inzwischen die Schreibweise seines Namens, in einer Wohnung in Freistett. Beide zogen nach ihrer Ankunft in der Anschlussunterbringung in ein sogenanntes Familienzimmer, das aus zwei Räumen besteht und zur restlichen Wohnung hin abschließbar ist, Küche und Badezimmer teilten sie sich mit drei weiteren afghanischen Flüchtlingen. Maryam besuchte die Grundschule und wurde im Ganztagsangebot bis 16 Uhr betreut. Bis 18 Uhr, wenn der Vater von der Arbeit nach Hause kam, kümmerten sich Mitbewohner oder ehrenamtliche Helfer um sie.

Betreuung in den Ferien fehlte

Problematisch wurde das in den Schulferien, zudem dachten der Helferkreis und die Stadt Rheinau über eine sozialpädagogische Familienhilfe oder Tagesmutter nach. Das wiederum warf die Frage nach der Finanzierung auf, denn Maryam gilt momentan nicht als Flüchtling, sondern als „eingereist“, und bekommt daher keine finanzielle Unterstützung. Der Vater kann mit seinem Lohn zwar für beide sorgen, aber nicht mehr. Das sagt der Ehrenamtliche Gerd Hirschberg, der sich für die Hossainis einsetzt.


An dieser Stelle kam das Jugendamt ins Spiel, und das habe entschieden, dass es für das Mädchen nicht tragbar sei, mit drei fremden Männern allein in der Wohnung zu sein, während der Vater bei der Arbeit sei. „Er wurde überredet, ein Formular zur Vollzeitpflege zu unterschreiben“, sagt Hirschberg. „Es hieß, wenn er das nicht macht, komme die Polizei und hole Maryam ab, das sei in Deutschland so. Unter diesem Redeschwall hat er unterschrieben.“ Erst danach sei ihm erklärt worden, dass es dabei nicht nur um die Fastnachtsferien gehe: „Maryam darf erst zurückkommen, wenn der Vater eine eigene Zwei-Zimmer-Wohnung hat, und das ist in Rheinau schwierig.“ Hätte Nasir Hossaini das gewusst, hätte er nicht unterschrieben, sagt Hirschberg.

Jugendamt sieht Kindeswohl gefährdet

„Wenn es Anhaltspunkte für eine Kindeswohlgefährdung gibt, hat das Jugendamt in Ausübung des staatlichen Wächteramtes das Gefährdungsrisiko einzuschätzen“, teilt Heiko Faller mit, Leiter des Jugendamts im Landratsamt Ortenaukreis. Liege aus Sicht des Jugendamts eine Gefährdung vor, werde versucht, mit den Eltern nach Lösungen zu suchen. „Gelingt dies nicht, wird das Jugendamt in den Fällen, in denen das körperliche, geistige oder seelische Wohl eines Kindes gefährdet ist und Eltern nicht gewillt oder in der Lage sind, die Gefahr abzuwenden, eine Inobhutnahme aussprechen“, so Faller.

Familiengericht entscheidet über Maryam

Wenn die Erziehungsberechtigten nicht zur Zusammenarbeit bereit oder mit der anderweitigen Unterbringung des Kindes einverstanden seien, werde das Familiengericht eingezogen, „das einen Entzug des Sorgerechts und damit die Rechtmäßigkeit der Inobhutnahme prüfen muss“. In diesem Fall habe das Gericht bestätigt, dass die Inhobhutnahme rechtmäßig sei.
Eine weitere Traumatisierung
Für die Elfjährige sei diese Entwicklung eine weitere Traumatisierung, findet der Psychologe Hirschberg, immerhin habe sie gerade begonnen, sich heimisch zu fühlen. „Das ist sicher nicht zu ihrem Wohl. Jetzt ist da schon wieder eine Autorität, die dem Vater Grenzen setzt; das verstärkt die Hilflosigkeit des Kindes, und er selbst versteht die Welt nicht mehr.“ In ihre Klasse sei Maryam integriert worden, die Wohngemeinschaft sei harmonisch gewesen – alle drei Mitbewohner sind Familienväter.

Ehrenamtliche suchen Wohnung

„Das Jugendamt hat beim Kehler Amtsgericht den Antrag auf Entzug des Aufenthaltsbestimmungsrechts des Vaters für Maryam gestellt, und das Gericht hat dem entsprochen, weil es das Wohl des Kindes durch die unzureichende Anwesenheit des Vaters gefährdet sieht“, erklärt Gerd Hirschberg. Der Anwalt der Hossainis legt dagegen Widerspruch ein. „Die Sache ist ziemlich verfahren“, meint Hirschberg, der den Vater bereits einmal zur Pflegefamilie nach Ettenheimmünster begleitete. Gleichzeitig suchen die Helfer nach Betreuungsmöglichkeiten für das Mädchen und vor allem nach einer geeigneten Wohnung, damit Maryam zurück zu ihrem Vater kann – zum zweiten Mal.


P.S. Auf die Idee Vater und Tochter eine Wohnung mit angemessener Betreuung zur Verfügung zu stellen sind Familiengericht und Jugendamt natürlich nicht gekommen. Lieber zahlen sie, zwecks Existenzsicherung, einer Pflegefamilie ein hübsches Sümmchen.

Mittwoch, 15. März 2017

Holzkirchen: nach dem Tod seiner Frau landete ein Mädchen bei einer Pflegefamilie

Werner N. (61), kurze schwarze Haare, Schnauzer, Arbeitskleidung, fuchtelt wild mit den Armen. Der Gerüstbauer aus Holzkirchen sitzt auf der Anklagebank im Amtsgericht Miesbach und tobt. Wie immer, wenn es um seine Enkeltochter geht. Er schimpft, das Gesicht läuft rot an. Werner N. ist verzweifelt. Die Trauer und Wut darüber, dass seine Enkelin nicht mehr bei ihm leben darf, nachdem 2014 seine Frau gestorben war, haben ihn auf die Anklagebank gebracht. 

Der Holzkirchner muss sich für einen besonders heftigen Wutanfall im Miesbacher Jugendamt verantworten. Bei einem Gespräch im September 2016 soll er die Beherrschung verloren haben und den Mitarbeitern gedroht haben, sie alle umzubringen. Außerdem soll er angekündigt haben, das Jugendamt in die Luft zu sprengen. „Stimmt“, sagte Werner N. „Ich hatte so eine Wut.“ Er habe den Damen im Jugendamt aber nicht wirklich etwas tun wollen und sich hinterher in einem Brief entschuldigt. 

Nach dem Tod seiner Frau landete das Mädchen bei einer Pflegefamilie

Angefangen hat es mit dem Tod seiner Frau. Das Enkelkind habe bis dahin bei ihnen gelebt, elf Jahre lang, erzählte der Angeklagte im Gericht. Der Witwer ist allerdings nicht der leibliche Opa des Mädchens, sondern der Stiefopa. Die leibliche Mutter, die Tochter seiner Ehefrau, kann sich nicht um das Kind kümmern. Drogenprobleme, sagte Werner N.. Die Enkelin lebte deshalb bei den Großeltern, ging aufs Gymnasium, war in einer Sportgruppe. „Es ging ihr gut“, ist sich der Stiefopa sicher.
Doch als Werner N.s Frau verstarb, wurde seine Enkelin in eine Pflegefamilie gebracht. Von einem Tag auf den anderen hatte der Holzkirchner nur noch das Besuchsrecht. Immer samstags von 10 bis 18 Uhr. „Das war uns zu wenig, da kann man ja nichts unternehmen“, sagte der Angeklagte dem Richter, schüttelte wild den Kopf. Er habe geplant, mit dem Mädchen in den Urlaub zu fahren, die Reise schon gebucht, in Absprache mit dem Jugendamt. Kurz vorher habe er dann eine Absage erhalten. „Sie haben mir gesagt, das geht nicht.“ Die Verzweiflung des Holzkirchners wuchs. Und mit ihr die Wut.

Angeklagter droht auch der Pflegefamilie, das Kind kommt ins Heim

Beim Gespräch im Jugendamt eskalierte die Situation. „Ich sollte die Kontodaten von meinem Enkelkind hergeben“, sagte Werner N. Auf dem Konto habe er für seinen Schützling Geld hinterlegt. Dass das Jugendamt nun darauf zugreifen wollte, ging ihm zu weit. Er flippte aus, schrie die Mitarbeiterinnen an, er werde sie umbringen. Alle. Und in die Luft sprengen.
Dass er das nur so gesagt hat, glaubte eine Sozialarbeiterin vom Jugendamt nicht. Sie war bei dem Gespräch im September dabei und hat erlebt, dass Werner N. von Anfang an aufgebracht war. „Ich kann mich nicht erinnern, so etwas im Jugendamt schon mal gehört zu haben“, sagte die Jugendamts-Mitarbeiterin vor Gericht. Sie fühle sich in ihrer Wohnung seither nicht mehr wohl. Sie habe auch erfahren, dass Werner N. vor Gericht schon einmal ausgerastet sei, als entschieden wurde, dass er nicht in der Lage sei, sich um sein Enkelkind allein zu kümmern.
Auch der Pflegefamilie soll Werner N. gedroht haben. „Wir haben das Kind da heraus genommen und in ein Heim gebracht“, berichtete die Sozialarbeiterin. Die Beteiligten hatten Angst, dass der aufgebrachte Stiefopa seine Drohung wahr macht. Nun kann Werner N. das Mädchen also auch samstags nicht mehr abholen. Nachrichten aufs Handy seien auch verboten, sagte er.

Werner N. : „Ich werde um das Kind kämpfen“

„Ihre Position haben sie dadurch nicht verbessert“, sagte Strafrichter Walter Leitner. Weil er aber annahm, dass Werner N. das Jugendamt nicht wirklich hatte in die Luft sprengen wollen, schlug er vor, das Verfahren gegen eine Geldstrafe einzustellen. Die Staatsanwaltschaft und Werner N. stimmten zu, dass er 1500 Euro an den Kinderschutzbund in Miesbach zahlen soll. 
Für den Holzkirchner ist die Sache damit nicht vorbei. „Ich werde um das Kind kämpfen“, kündigte er unserer Zeitung gegenüber nach der Verhandlung an. Er wolle sich nun einen Rechtsanwalt holen. Das habe er bisher nicht gemacht, weil er nicht gewusst habe, ob das etwas bringt. Von seinen Gesprächen mit der Enkeltocher weiß er: „Das Kind will zurück zu mir.“ Er wischt sich über die Augen. „Ein Kind gehört doch zu seiner Familie.“

https://www.merkur.de/lokales/region-holzkirchen/holzkirchen-ort28831/holzkirchner-wegen-morddrohung-vor-gericht-ausraster-im-jugendamt-wegen-enkelkind-7732879.html 

Samstag, 11. März 2017

"Ein Kind im Eigentum des Staates" - Buchvorstellung


Zivilcourage, warum es nicht schwer ist, mutig zu sein. „Lass dich nicht dazu verführen, gegen dein Gewissen zu handeln.“ Diesem Satz folgt Victoria in ihrem Leben. Niemand darf von einem Kind fordern einemInhalt zu folgen, sich einzuordnen oder Regeln zu achten, während er selbst unbehelligt, leichtsinnig und bedenkenlos die Lebensgrundlageneben dieses Kindes zerstört, nur weil er für sein Vergehen kein Unrechtsbewusstsein entwickelt hat und eine Strafe nicht zu fürchten braucht. In diesem Roman stellt sich eine Großmutter an die Seite ihrer Enkeltochter und erntet dafür Diffamierung, Verleumdung und Verfolgung. Sie folgt ihrem Gewissen, um dem Willen ihrer Enkeltochter Gehör zu verschaffen. Staatliche Willkür ist die Folge.

Samstag, 4. März 2017

Rheinau: Traumatisierte Elfjährige wird von ihrem Vater durch das Jugendamt getrennt und erneut traumatisiert....

Die elfjährige Maryam, die auf der Flucht nach Europa ihren Vater verlor und ihn erst nach einem Jahren wieder traf, wird erneut von ihm getrennt. So will es das Jugendamt mit Verweis auf die Wohnverhältnisse in Freistett.
Am 16. Dezember durfte Nasir Hossaini nach über einem Jahr Trennung endlich wieder seine Tochter Maryam in die Arme schließen. Die beiden waren auf der Flucht getrennt worden und fanden erst durch das Engagement des ehrenamtlichen Flüchtlingshelfers Gerd Hirschberg vom Helferkreis Rheinau wieder zusammen (wir berichteten).

Die Stadt Rheinau stellte den beiden ein Familienzimmer in der bisher bewohnten Anschlussunterbringung zur Verfügung. Es besteht aus zwei geräumigen, durch eine Tür getrennte Zimmer, die zum restlichen Wohnungsteil hin abschließbar sind. Weiter wohnen in der Anschlussunterbringung die afghanischen Landsleute Jargul Alikhel, Naveen Khanna und Alif Darwish. Da sie ziemlich zeitgleich mit Nasir Hossaini vor einem Jahr einzogen, bilden die vier eine gut funktionierende WG mit Familiencharakter. Darin wurde Maryam herzlich aufgenommen. Sie wurde in die dritte Klasse der Grundschule Freistett eingeschult und besucht bis 16 Uhr die Ganztagesbetreuung. Ihr Vater arbeitet bis gegen 18 Uhr.

Das war für Maryam kein Problem, denn einer der Mitbewohner war fast immer da. Nasir Hossaini sah seine Tochter bei seinen Mitbewohnern in besten Händen. Diese sind selbst Familienväter. Die Familie von Naveen wohnt in Stuttgart, wohin er laut Behörden selbst nicht hinziehen darf, die Familien der anderen beiden wohnen in Afghanistan und warten darauf, nachgeholt zu werden. Maryam begann sich nach ihrer langen Odyssee in Freistett zu Hause zu fühlen und wurde auch in ihrer Klasse integriert.

Initiative mit Folgen

Anfang Februar hatten die zuständigen Begleiter des Helferkreises mit der Stadt Rheinau überlegt, dass eine zusätzliche Betreuung zwischen der Ganztagesbetreuung und dem Arbeitsende ihres Vaters sowie für die Ferienzeit wünschenswert wäre. Die Betreuung in den Weihnachtsferien übernahm der Helferkreis, der aber nicht ehrenamtlich die Betreuung in allen Schulferien leisten kann. So wendete sich die Stadt Rheinau an das Jugendamt, um eine geeignete Tagesmutter in Maryams Umfeld zu finden sowie sich nach deren Finanzierungsmöglichkeiten zu erkundigen. Der Vater kann zwar mit seinem Lohn den Lebensunterhalt für die kleine Familie abdecken, ist aber dann mit seinen Ressourcen am Ende.

Dies führte zum ersten Kontakt zwischen den Hossainis und dem Jugendamt. Obwohl die Vier einen mustergültigen Haushalt führen und Maryams Vater Hobbykoch ist, erklärte das Jugendamt die gegenwärtige Wohnsituation mit den drei »fremden« männlichen Landsleuten und den gemeinsam genutzten sanitären Einrichtungen für das Kind so untragbar, dass sie den Vater völlig unvorbereitet am Donnerstag vorige Woche dazu überredeten, ein Formular »Hilfe zur Erziehung« in Form von »Vollzeitpflege« für die Fasnachtsferienzeit zu unterschreiben. Der Dolmetscher erklärte Nasir Hossaini, dass dies in Deutschland so üblich sei und Maryam mit oder ohne Unterschrift mitgenommen werden würde. Nasir Hossaini wollte nichts falsch machen und unterschrieb.

Er erfuhr erst im Nachhinein, dass seine Unterschrift mindestens bis zu einem Umzug in eine eigene Zwei-Zimmerwohnung gelten sollte. Maryam weinte, Nasir Hossaini war am Boden zerstört und Gerd Hirschberg wütend, nachdem er erfahren hatte, was ohne sein Wissen abgelaufen war. »Hätte ich davon gewusst, wäre Maryam noch da«, ist er überzeugt. Das arbeitsfreie Wochenende musste Nasir Hossaini ohne Tochter verbringen. Am Sonntagmorgen konnte er dank Gerd Hirschberg seine Tochter in der Bereitschaftspflegefamilie besuchen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie in Ettenheimmünster für ihn schwer erreichbar. »Ob die erneute Trennung von ihrem Vater für das mehrfach traumatisierte Mädchen eine dem ›Kindeswohl‹ dienende Lösung ist, ist mehr als fraglich«, so Hirschberg.

Jetzt Inobhutnahme

Gerd Hirschberg, der die beiden nach einem Jahr Trennung zusammengebracht hat, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die beiden weiter zu begleiten. Es war für ihn selbstverständlich, sofort alle Hebel in Bewegung zu setzten, um Maryam wieder zurück nach Hause zu holen. Gleich am Montagmorgen wurde der »freiwillige Antrag« auf »Hilfe zur Erziehung« auf dem Jugendamt widerrufen, so dass das Jugendamt sich entschloss aus der »freiwilligen Vollzeitunterbringung« eine Inobhutnahme zu machen, die nun umgehend vom Familiengericht in Emmendingen bestätigt oder verworfen werden muss. Gerd Hirschberg wird Nasir Hossaini in der Auseinandersetzung auch beim Gericht weiter begleiten.

Wie das Landratsamt auf Anfrage dieser Zeitung mitteilte, könne sich die Behörde aus Personen- und datenschutzrechtlichen Gründen nicht zu dem Vorgang äußern.

http://www.bo.de/lokales/achern-oberkirch/behoerden-trennen-tochter-11-von-vater-wegen-wg-wohnung