Sonntag, 27. Juli 2014

Kinder mit Borderline-Mütter

Typische Gedanken für Kinder mit einer BL-Mutter: 
  • Ich weiß nie, was mich erwartet.
  • Ich vertraue ihr nicht.
  • Sie sagt, es ist nicht geschehen.
  • Bei ihr fühle ich mich schrecklich.
  • Alle anderen denken, sie sei ganz großartig.
  • Es geht immer um alles oder nichts.
  • Sie ist so negativ.
  • Sie flippt aus.
  • Manchmal kann ich sie nicht ausstehen.
  • Sie macht mich verrückt.
© Christine Ann Lawson: "Borderline-Mütter und ihre Kinder" 


Traumatisch für Kinder mit Elternteilen mit der Persönlichkeitsstörung Borderline können sein:

- die physische Gewalt (kneifen, beißen, an den Haaren ziehen, schlagen, treten, würgen);
- die Angst vor der Wut, der Gewalt und den Gewaltausbrüchen;
- die psychische Gewalt (Drohungen; gezielte Zerstörung der Lieblingssachen des Kindes; Beschimpfungen; Abwertungen...)
- die Angst vor den Drohungen, der Zerstörung, der Vernichtung und den Abwertungen;
- die Angst vor Ankündigungen des Suizids oder vor dem vollzogenen Suizid der Mutter/des Vaters;
- die Angst vor dem Selbstverletzenden Verhalten der Mutter / des Vaters;
- ein undurchschaubares, willkürliches und widersprüchliches Regelsystem und Verbote;
- das Gefühl der Schutz- und Hilflosigkeit, des Alleingelassenseins;
- die Isolation (Abbruch von Kontakten; instabile Beziehungen; Isolierung des Kindes);
- die anstrengende nonverbale Kommunikation (das erspüren von Stimmungen etc.);
- die Manipulation der Selbst- und Fremdwahrnehmung;
- die Manipulation der Entscheidungsfreiheit des Kindes;
- die Geheimhaltung (der psychischen Erkrankung und des Verhaltens der Mutter);
- das Gefühl des "Verrats";
- die permanente Überforderung und Belastung;
- die unfreiwillige Einbeziehung und Instrumentalisierung in manipulative und destruktive Verhaltensweisen;
- der Verrat des "Ichs", der eigenen Werte und Glaubenssätze (Extremfall: Tötung der Mutter);
- bei "nur guten Kindern" die Parentifizierung, Vereinnahmung und Symbioseabsichten der Mutter;

Dies kann ein Kind bzw. ein/e Jugendliche/r nur bewältigen durch übermenschliche Anpassungsleistungen,
denn ein Kind bzw. ein/e Jugendliche/r hat nur ein unausgereiftes System psychischer Abwehrmechanismen zur Verfügung.
Vor allem befindet sich das Kind bzw. ein/e Jugendliche/r in einem Abhängigkeitsverhältnis und ist in diesem Alter darauf angewiesen, an die Liebe der Mutter/ des Vaters um jeden Preis zu glauben.


Folgen der psychischen und evtl. auch körperlichen Gewalt können sein:

- das Gefühl der Wertlosigkeit
- fehlendes Vertrauen in die eigene Wahrnehmung
- Schuldgefühle
- ein falsches, instabiles Selbstbild
- Re-Inszenierung von ungesunden Beziehungsmustern und Lebensumständen,
  da mittlerweile an das erhöhte "Gefahr- und Errungsniveau" gewohnt;
- übersteigertes, großes Misstrauen gegenüber Menschen
- sozialer Rückzug; soziale Phobie
- dysfunktionale Familien- und Verwandtschaftssysteme
- Depressionen
- Angststörungen
- Zwangsstörungen
- suizidale Gedanken und vollzogener Suizid
- selbstverletztendes Verhalten
- Essstörungen
- Süchte
Bindungstrauma
Komplexe Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) mit den typischen Symptomen
  wie Flashbacks, Schlafstörungen, Alpträumen, Panikattacken usw.
Borderline Persönlichkeitsstörung (BL)
Dissoziative Identitätsstörung (DIS; u. a. wenn schwerste Gewalt im Säuglings- und / oder
  Kleinkindalter vorlag, die Persönlichkeitsspaltungen zu einer Überlebensstrategie
  werden mussten).


Die Erfahrungen der Kinder sind von den Projektionen der Mütter abhängig, die ihre Kinder als "gute Kinder" und "böse Kinder" unterschiedlich behandeln können.
In Extremsituationen kann es (zum Beispiel als Höhepunkt jahrelanger physischer Gewalt der Mutter gegen das Kind) zur Kindstötung durch die Mutter kommen.
Eher selten kommt es dazu, das verzweifelte Kinder ihre eigene Mutter wegen deren jahrelangen Misshandlungen und Demütigungen töten.
Häufiger dürfte der Fall eintreten, dass verzweifelte Kinder sich selbst verletzen bzw. suizidieren.


Erwachsenen Kindern fällt es oft schwer, selbst bei Elternteilen, die von besonders schweren Formen der Borderline-Erkrankung betroffen sind, oft nicht therapiert sind und einen traumatisierenden Einfluss auf ihre nähesten Familienmitglieder ausüben, den Kontakt zu den Elternteilen abzubrechen.
Und so wird ihr Leben (und das der Enkelkinder) durch die Verhaltensweisen der erkrankten Elternteile oft noch jahre- und jahrzehntelang beeinflußt. Dies bringt sie oft in absurde, grenzwertige, kräftezerrende und anstrengende Situationen, die Außenstehende oft nicht begreifen können.


© Jana Reich, 2013-04-07, www.borderline-muetter.de

Hamburg: Unmenschlichkeit hat einen Namen....

Wenn Anna*, 30, ihre acht Wochen alte Tochter Lucia sehen will, muss sie sich an feste Besuchszeiten halten. Zweimal am Tag für jeweils zwei Stunden darf sie zu ihrem Baby. So steht es in dem Beschluss des Familiengerichts Altona.
Es ist der 5. Juni, als Anna erfährt, dass die Behörden ihr das Kind wegnehmen. Da ist Lucia neun Tage alt. Als das Jugendamt die Inobhutnahme des Babys angeordnet hat, will Anna für ihre Tochter zumindest etwas Muttermilch ins Krankenhaus mitgeben. Es wird ihr nicht erlaubt, weil ein Arzt das Risiko einer Kindeswohlgefährdung ausschließen will.Wenn Anna dann mit Lucia zusammen ist, darf sie ihr Baby nicht im Sitzen auf den Arm nehmen. Sie muss sich auf den Boden legen, seitlich daneben darf Lucia liegen. In dieser Position darf Anna versuchen, ihr Neugeborenes zu stillen. Und sie muss auch liegen, wenn sie ihr Baby streichelt. Ein oder manchmal auch zwei Betreuer vom Jugendamt schauen ihr beim Stillen zu und wachen darüber, dass diese Vereinbarung eingehalten wird.
Lucia ist ein Wunschkind. Am 27.Mai kommt sie um 23.45Uhr per Kaiserschnitt im Albertinen-Krankenhaus zur Welt. Anna ist überglücklich. Sie hatte sich seit Langem ein Kind gewünscht. Sie weiß nicht, wer der Vater ist. Zwei in Betracht kommende Männer haben bereits eine Probenentnahme vornehmen lassen, um die Vaterschaft zu klären. Bisher wird ein Vaterschaftstest verhindert.
Anna hat sich lange auf die Geburt vorbereitet. Sie hat viel gelesen und sich beim Verband der alleinerziehenden Mütter und Väter umfassend informiert. Weil sie Epileptikerin ist, hat sie nach intensiver Absprache mit ihren Ärzten ihre Medikation während der Schwangerschaft umgestellt.
Anna hat Babykleidung, eine Kleinkinderbadewanne und einen Wipper gekauft. Die Eltern eines Freundes haben ihr bei den Anschaffungen geholfen, der Vater hat das Kinderbett in ihrer Wohnung aufgebaut. Er schreibt später in einer eidesstattlichen Versicherung für das Gericht, dass er Anna seit rund zehn Jahren kenne: "Aus meinen Gesprächen mit ihr weiß ich, dass sie ihre Schwangerschaft von Anfang an mit Freude aufgenommen hat." Anna sei durchaus in der Lage, ihre kleine Tochter einwandfrei zu versorgen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie jemals die kleine Lucia vernachlässigt."

Lucia bekommt mehrfach Anfälle: Sie atmet nicht mehr und läuft blau an

Einen Tag nach der Geburt bekommt Lucia im Krankenhaus die ersten beiden Anfälle. Das Neugeborene atmet nicht mehr, es läuft blau an und verdreht seine Augen. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt.
Anna leidet seit ihrem vierten Lebensjahr an Epilepsie, auch bei ihr ist die Ursache, wie in den meisten Fällen, ungeklärt. Unter EEG-Kontrolle (Hirnstrommessungen) wurden bei ihr Anfälle beobachtet, die mit abruptem Einsetzen von Angst, infantilem Verhalten und Sprechen sowie psychomotorischer Unruhe einhergingen. Seit zwei Jahren hatte sie keine Anfälle mehr.
Als Lucia zum zweiten Mal blau anläuft, gerät Anna in Panik. Sie läuft aus ihrem Klinikzimmer laut schreiend über den Stationsflur. "Die Leute sind vor mir weggerannt", sagt sie. Es dauert lange, bis sie von den Schwestern beruhigt werden kann. Und dabei sagt sie dann einen folgenschweren Satz: "Ich musste mein erstes Kind töten."
Ihre Freundin Juli, die bei Lucias zweitem Anfall mit im Krankenzimmer gewesen ist und auch schon bei der Geburt dabei war, und Anna selbst klären die Klinikmitarbeiter einige Sekunden später über die tatsächliche Bedeutung dieses Satzes auf. "Damit hat Anna ihre Abtreibung im Alter von 15 Jahren beschrieben, die sie immer noch sehr belastet."
Der Satz aber findet den Weg zum Jugendamt in Altona. Und er löst einen ziemlich beispiellosen Kampf um ein Neugeborenes aus.
Die Inobhutnahme der kleinen Lucia fällt in eine Zeit, in der in Hamburg ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss herauszufinden versucht, wie es zum Tod der dreijährigen Yagmur im Dezember 2013 kommen konnte. Zeitgleich geht ein Gericht der Frage nach, ob die Kindesmutter ihre Tochter totgeprügelt hat.
In Hamburg sterben immer wieder kleine Kinder. Es scheint so, als könne die Stadt ihre Kinder nicht ausreichend vor Gewalt und Misshandlung schützen. Zuständige Behörden und Institutionen, so der Vorwurf, schätzten heikle Situationen nicht immer richtig ein. In diesen Wochen und Monaten nimmt die Opposition im Rathaus die Sozialbehörde samt Senator Detlef Scheele (SPD) unter Dauerbeschuss.
Wer mit den Mitarbeitern vom Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD) spricht, hört Geschichten von andauernder Überlastung, zu vielen Betreuungsfällen pro Mitarbeiter und einer ausufernden Pflicht zur Dokumentation. Statt sich bei Hausbesuchen einen Eindruck von der Lebenswirklichkeit der Menschen machen zu können, müssten immer mehr Informationen in ein völlig unübersichtliches Computersystem eingegeben werden.
Wer mit den ASD-Mitarbeitern spricht, hört auch immer wieder, dass es eine hundertprozentige Sicherheit nie geben kann. Weil man es mit Menschen zu tun habe. Und in die könne man letztlich nicht hineingucken.
In diesem emotional aufgeheizten Klima, das liegt auf der Hand, versuchen die Mitarbeiter in den Jugendämtern der Stadt, noch genauer hinzuschauen. Nichts wäre fataler als ein weiteres totes Kind.
Bei Anna schauen jetzt sehr viele Menschen genauer hin. Ihr Fall beschäftigt Kinderärzte, Rechtsmediziner und Psychiater, eine Gutachterin und eine Familienrichterin, einige Anwälte und eine Handvoll Mitarbeiter vom Jugendamt. Und die Freunde von Anna, die sich das alles nicht erklären können und entsetzt darüber sind, in welche Lage eine junge Mutter in Hamburg kommen kann.
Anna ist eine zierliche Person. Sie lächelt viel und spricht sehr offen über ihre Gefühlswelt. Ihre Freunde mögen ihre unbeschwerte Fröhlichkeit und ihren Optimismus, ihr Klavierspiel und ihre schöne Stimme, ihre Hilfsbereitschaft und ihre Tiefe in den Gesprächen. Sie ist im Alter von zwölf Jahren mit ihren Eltern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen und, wie ihr Freund Martin sagt, "in sehr schwierigen Verhältnissen" aufgewachsen. Sie musste schon früh Verantwortung übernehmen. Anna sagt, sie sei in einen Albtraum geraten. "Am schlimmsten war es, als ich einmal im Krankenhaus vor dem Zimmer warten musste, bis ich zu meiner Tochter durfte. Ich sah und hörte Lucia schrecklich weinen und durfte nicht rein." Sie hat ihre Tasche zu Boden geschmissen, war vollkommen aufgelöst, hat geheult und geschrien: "Holen Sie doch die Polizei, ist mir scheißegal, ich will nur zu meiner Tochter." Und dann musste sie ihr Baby beruhigen – und die Schwestern mussten sie beruhigen. "Und das kostet so viel Kraft und fördert nur noch mehr Anfälle."
Stress gilt, wie auch Schlafentzug, als häufiger Anfallsauslöser bei Epileptikern.
Anna sagt, sie laufe bei jeder neuen Entwicklung Amok, "weil ich denke, sie nehmen mir meine Tochter weg – und ich komme in die Klapse". Ihre Freunde sagen dann: "Was redest du denn, Anna? Das können die gar nicht!" Und Anna sagt: "Wo sind wir denn jetzt schon gelandet? Wie schlimm und erniedrigend ist es, als Mutter beweisen zu müssen, dass man seine Tochter nicht absichtlich würgt oder ihr wehtut."
Denn auch dieser Vorwurf stand im Raum: Anna leide womöglich unter dem Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, also dem Erfinden oder Verursachen einer Krankheit des Kindes, um Aufmerksamkeit zu bekommen.
Wie konnte es so weit kommen?
In einem vorläufigen Krankenhausbefund vom 10.Juni heißt es über Anna: "Wir sehen in mehreren Gesprächen eine junge Mutter, die noch unsicher im Handling mit ihrem Neugeborenen war und sehr verunsichert wirkte." Da man nicht klären könne, ob diese Unsicherheit durch die Geburt, die neue Situation oder Persönlichkeitsmerkmale begründet sei, werde eine gemeinsame Unterbringung in einer therapeutischen Mutter-Kind-Einrichtung vorgeschlagen.
Das ist auch Annas Wunsch. Aber dazu ist es bis heute nicht gekommen.

Die Behörden wollen sich nie mehr dem Vorwurf des Wegsehens aussetzen

Das inzwischen eingeschaltete Jugendamt in Altona eilt zu Hilfe. Und plötzlich steht Anna unter staatlicher Beobachtung. Wie geht sie mit ihrem Baby um? Was sagt sie? Was tut sie? Was denkt sie? Der Druck wächst. Und die Verunsicherung. Auf beiden Seiten.
Anna weiß nicht, warum ihr Baby die Anfälle bekommt. Die Mitarbeiter vom Amt wissen nicht, ob die Mutter für ihr Baby eine Gefahr darstellt.
Statt vertrauensvoll zusammenzuarbeiten, beginnt eine Phase des Belauerns. Als Anna ihr Baby wickelt, in der Windel den Kot entdeckt und laut sagt: "Oh, was ist das denn?", wird ihr der Satz so ausgelegt, als wisse sie nicht, dass Babys schon Stuhlgang haben. "In einem Telefonat von mir mit dem Jugendamt wurde dieser absurde Vorwurf sogar noch einmal betont. 'Das weiß doch sogar eine Zwölfjährige!', sagte die Mitarbeiterin zu mir", erzählt Martin. Der Vorsitzende einer Stiftung, bei der Anna seit zehn Jahren arbeitet, ist ihr wichtigster Verbündeter. "Ohne Martin hätte ich das alles nicht durchgestanden", sagt Anna.
Martin nennt noch weitere Beispiele für "absurde Vorwürfe". Einmal, sagt er, habe er lange mit dem Jugendamt diskutieren müssen, ob Wasserbetten wirklich Schubladen haben können. Darin liege nämlich bei ihr zu Hause die Babykleidung für Lucia, hatte Anna der Frau vom ASD gesagt. Die hatte das angezweifelt. Martin ist immer noch fassungslos: "Erst durch die ständigen Verdrehungen und Unterstellungen wuchs die Unsicherheit bei Anna." Er sagt, dass er anfangs noch sehr offen und freundlich mit den Jugendamtsmitarbeitern gesprochen habe. "Ich fand es toll, dass sie aufpassen." Aber irgendwann hatte er den Eindruck, "dass bei Ärzten und auch beim Jugendamt aktiv nach Gründen gesucht wurde, Anna für krank zu erklären".
Anna aber fängt an, sich zu wehren. Als sie nach einer Woche sagt, sie verlasse jetzt das Krankenhaus mit ihrem Baby, weil Lucia keine Anfälle mehr gehabt habe und für gesund gehalten werde, hätte die Frau vom Jugendamt, so schildert es Anna, "mit der Faust auf den Tisch gehauen und gesagt: 'Dann ist Ihr Kind weg.'"
Anna nimmt sich eine Anwältin, die als Erstes einen Antrag auf einstweilige Anordnung für den Verbleib des Kindes bei der Mutter stellt. Das Jugendamt erklärt im Gegenzug die Inobhutnahme. Dazu ist das Jugendamt berechtigt und verpflichtet, wenn "eine dringende Gefahr für das Wohl des Kindes" vorliegt.
Der Beschluss kommt per Fax in die Klinik – mit der Bitte, dieses Schreiben der Kindesmutter zu übergeben.
Am 12.Juni findet vor Gericht eine mündliche Anhörung statt. Anna kommt mit Lucia. Als sie merkt, dass es dem Baby schlechter geht, verlässt sie den Gerichtssaal. Draußen erleidet Lucia erneut einen Anfall. Die Richterin ist offenbar verunsichert und das auch, weil es in einem Bericht vom 2.Juni des Kinderkrankenhauses Altona, in das Mutter und Kind verlegt worden sind, heißt: Anna sei "psychisch hochgradig auffällig mit zum Teil wahnhaften Vorstellungen und sehr sprunghaften Gedanken".
Die Richterin gibt deshalb erst einmal ein Gutachten über Anna in Auftrag, bevor sie eine Entscheidung treffen will. Solange bleibt das Sorgerecht beim Jugendamt.
Am 17.Juni schreibt das Jugendamt einen folgenschweren Brief an das Familiengericht. In Situationen, in denen Lucia die als "schlapp mit Atemaussetzern beschriebene Symptomatik" aufweist, sei die Mutter "nicht angemessen handlungsfähig". Dann beruft sich das Jugendamt auf eine Einschätzung der Kindesmutter durch die Universitätsklinik Eppendorf (UKE). Es schreibt: "Laut UKE-Rechtsmedizin ist nicht auszuschließen, dass die gesundheitlichen Probleme durch die Mutter verursacht wurden."
Ein ungeheurer Verdacht, der im Umkehrschluss bedeutet: Ärzte im UKE halten es für möglich, dass die Mutter für die Atemaussetzer ihres Babys verantwortlich ist.
Und dann folgt der Satz: "Nach Einschätzung der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie des UKE vom 16.Juni besteht bei der Mutter der Verdacht auf das Vorliegen einer psychischen Erkrankung, nämlich einer Psychose, Angststörung oder Persönlichkeitsstörung."
Wie sind die Ärzte im UKE zu dieser Einschätzung gelangt?
Am Abend des 13.Juni ist Anna in der Uniklinik Eppendorf psychiatrisch untersucht worden. In einer Stellungnahme des UKE-Oberarztes Professor Lambert für das Jugendamt und das Familiengericht heißt es: "Laut Angabe von Dr. D. Seifert aus dem Institut für Rechtsmedizin des UKE besteht der Verdacht auf stattgehabte Schädigung von Lucia durch die Mutter."
Anna sagt, sie habe mit Frau Dr. Seifert nicht gesprochen. Anna hat das UKE von seiner Schweigepflicht gegenüber dem Abendblatt entbunden. Das UKE sagt, man könne sich zu dem Fall trotzdem nicht äußern, da es sich um ein gerichtliches Verfahren handelt. Nur so viel: "Wir wünschen uns, dass im Interesse der Mutter und des Kindes eine sorgsame Einschätzung der Situation der Mutter erfolgt."
Professor Lambert, der diese Stellungnahme unterschrieben hat, erscheint aus dienstlichen Gründen nicht vor Gericht, gibt aber auf telefonische Nachfrage der Richterin an, "keinen persönlichen Kontakt zur Kindesmutter gehabt zu haben".
Bleibt sein wissenschaftlicher Mitarbeiter, der diensthabende Klinikarzt, der in seinem psychopathologischen Befund über Anna unter anderem aufführt: "Wach, bemüht freundlich, kein Anhalt für eine Ichstörung, kein Anhalt für Befürchtungen und Zwänge, kein Hinweis auf wahnhaftes Geschehen."

Eine Gutachterin sagt eindeutig zugunsten Annas aus – vergeblich

Die Richterin telefoniert noch einmal mit dem UKE-Arzt. Und der bestätigt ihr, es sei richtig, dass er "im Rahmen der Untersuchung – d.h. allein basierend auf den Angaben der Kindesmutter – Anzeichen für die im Bericht erwähnten Erkrankungen nicht bestätigen konnte". Er frage sich allerdings, ob sie alles preisgegeben habe. Die Kindesmutter sei "schon merkwürdig".
Wesentlich eindeutiger ist die Einschätzung der hinzugezogenen Gutachterin. Sie besucht Anna und Lucia am 14.Juni im UKE. Sie kommt auf die Kinderstation, als Anna gerade dabei ist, ihrem Baby die Flasche zu geben, weil sie nicht genug Muttermilch hat. Sie macht sich ein erstes Bild von der jungen Mutter und schreibt: "Orientiert. Antrieb und Affekt unauffällig. Lediglich ein fast kindlich anmutendes Verhalten. Kein Anhalt für Psychose. Denkablauf schlüssig. Kein Anhalt für Depression. Im Verhalten authentisch besorgt und auch gut belastbar bezüglich der Anforderungen der Kinderbetreuung wirkend." Die Einschätzung der Sachverständigen mündet in dem Satz: "Im weiteren Verlauf fanden mehrere Telefonate mit der Betroffenen statt, die diesen ersten psychiatrischen Befund stützten."
Die Sachverständige hat auch, bisher als Einzige, eine Fremdanamnese durchgeführt, also die wichtige Befragung von Menschen aus dem sozialen Umfeld, um das Bild der Patientin zu komplettieren. Sie hat mit Annas Freundin Juli gesprochen, die bei Lucias zweitem Anfall dabei gewesen ist, und "definitiv ausschließt", dass Anna "mit der rechten freien Hand am Gesicht des Kindes manipuliert habe".
Und sie spricht schließlich mit Professor Klaus Püschel, dem Chefarzt der Rechtsmedizin im UKE, der Mutter und Kind am Abend des 13.Juni auf der Station besucht hat. "Er konnte keine Zeichen äußerer Gewalteinwirkung feststellen", schreibt sie. Das bestätigt Püschel in einem Telefonat mit der Richterin, fügt aber hinzu, Anzeichen von Fremdeinwirkung seien bei Erstickungsversuchen an Neugeborenen auch nicht zu erwarten. Das Fazit der Gutachterin: "Für das Vorliegen einer schwerwiegenden psychischen Störung, die eine Kindeswohlgefährdung bedingen könnte, besteht bislang kein hinreichender Anhalt." Die Mutter sei eher überbesorgt und sehr bereit, Hilfen anzunehmen. "Sie handelt insofern verantwortungsvoll, da sie sich ihrer Defizite bezüglich der Säuglingsversorgung sehr bewusst ist."
Und auf noch einen Umstand macht die Sachverständige aufmerksam: Die Mutter leide an Epilepsie, habe vor drei Tagen aufgrund der drohenden Inobhutnahme ihres Kindes einen Anfall erlitten, "und es drohen weitere Anfälle bei weiterem (künstlich durch Ärzte, Behörden und Pflegepersonen) erzeugten psychischen Stress."
Ihre klar formulierte Forderung: Lasst Mutter und Kind wieder zusammen sein, "um das Stillen nicht zu unterbinden und die Mutter-Kind-Bindung nicht zu gefährden". Ansonsten nämlich drohten "Bindungsstörungen".
Unter Abwägen des Für und Wider sei eine Trennung von Mutter und Kind die größere Gefahr für das Kindeswohl. Die Sachverständige geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie wäre nicht mehr bereit, "die Verantwortung für das Kindeswohl und die Unversehrtheit der Mutter bei Trennung von Mutter und Kind zu tragen".
Das Gericht ist dem Gutachten nicht gefolgt. Und hat ein umfangreicheres in Auftrag gegeben, um größere Sicherheit zu erlangen. Dabei stützen Fakten die Einschätzung der Gutachterin. Am 30.Mai wird Lucia ins Kinderkrankenhaus Altona auf die Neugeborenen-Intensivstation verlegt. Dort wird sie rund um die Uhr an einen Monitor angeschlossen, der die Herztöne aufzeichnet. Und im Notfall Alarm schlägt.
Auf dem Weg erleidet Lucia im Notarztwagen einen weiteren Anfall. Anna ist nicht mit im Wagen. "Nach der Aussage ihrer Freundin Juli war damit endgültig der Verdacht ausgeräumt, dass Anna etwas mit den Atemaussetzern ihres Babys zu tun hat", sagt Martin. "Von diesem Anfall haben wir aber erst vier Wochen später bei einer Gerichtsverhandlung erfahren." Außerdem habe es nachweislich, nämlich am 19.Juni, mindestens einen weiteren Anfall von Lucia ohne das Beisein von Anna gegeben.
Martin sagt, das Jugendamt habe immer dann einen neuen Verdacht erhoben, wenn der alte ausgeräumt worden ist. "Erst hieß es, Anna ist verunsichert, lächle zu viel, sei irgendwie merkwürdig und hätte vielleicht eine psychische Erkrankung. Dann äußerten sie den Verdacht des Münchhausen-Stellvertreter-Syndroms. Als auch das durch die Fakten widerlegt worden ist, hieß es plötzlich, Anna sei Epileptikerin – und hätte das aber nicht offen genug kommuniziert. Dabei steht das ja schwarz auf weiß in ihrem Mutterpass und in jeder Krankenhausakte."

Das Jugendamt lässt laut Anwältin einen Vaterschaftstest nicht zu

Und noch etwas versteht Martin nicht: Warum verweigert das Jugendamt den Vaterschaftstest? "Die Durchführung eines Vaterschaftstests ist nichts, was ein Jugendamt ohne Anlass erzwingen oder verweigern könnte", heißt es aus dem Bezirksamt Altona, wo man sich aus Gründen des Sozialdatenschutzes zum Einzelfall nicht äußert. Ein entsprechender Wunsch der Mutter könne selbstverständlich mit den entsprechenden Abteilungen der Jugendämter kommuniziert werden. "Das Jugendamt lässt einen Vaterschaftstest mit der Begründung gegenüber der Kindesmutter, dies habe ja noch Zeit, nicht zu", schreibt Annas Anwältin. "Auch dies ist sicherlich – ebenso wie die strenge Reglementierung der Umgangskontakte – nicht im Interesse des Kindes."
Für die Anwältin stellt sich der Fall so dar: "Es ist schlicht so, dass die Kindesmutter die Erfahrung machen musste, dass ihr trotz ihrer von Anfang an bestehenden Kooperationsbereitschaft die ungeheuerlichsten Dinge vorgeworfen wurden und sich die Situation immer mehr verschlimmerte. Obwohl sie allen Anweisungen der beteiligten Fachkräfte folgte. Es ist völlig nachvollziehbar, dass sie vor dem Hintergrund der Ereignisse der letzten Wochen völlig verunsichert ist. Erst der massive Stress, ausgelöst durch die Trennung vom Kind und der Konfrontation mit dem Vorwurf, sie würde ihr eigenes Kind schädigen, haben zu dem Wiederauftreten der schweren Anfälle geführt."

Mithilfe ihrer Freunde wird Anna alles tun, um ihr Kind zurückzubekommen

Bei einem erneuten Anfall von Anna am 7.Juli im UKE hat sie Lucia so fest an sich gedrückt, dass ihr die Schwestern nur mit Mühe das Baby wegnehmen konnten.
Anna wird weiterkämpfen. Im Epilepsiezentrum des Evangelischen Krankenhauses Alsterdorf, um mit der richtigen Medikation ihre Anfälle wieder in den Griff zu bekommen. Und vor Gericht, um das Sorgerecht für Lucia zurückzubekommen.
Ihre Freunde staunen, wo sie die Kraft hernimmt. Lucia war zuletzt im Kinderschutzhaus untergebracht. Anna durfte sie besuchen. Aber sie durfte ihre Tochter nicht auf den Arm nehmen. Selbst dann nicht, wenn sie in Begleitung ist und auf dem Fußboden liegt.
Ihre Anwältin hält das für "absolut rechtswidrig" und fragt in ihrem Schreiben an das Gericht: "Handelt es sich hier um eine Schwerverbrecherin? Der Beginn eines epileptischen Anfalls ist immer erkennbar. Jeder, der neben einer entsprechenden Person sitzt, kann ihr ohne Probleme das Kind aus dem Arm nehmen. Was für eine Höllenqual für eine Mutter. Nicht genug damit, dass ihr Kind in Obhut genommen worden ist, jetzt darf sie das Kind noch nicht einmal mehr ordentlich herzen."
Lucia ist heute 59 Tage alt. Sie misst 54 Zentimeter und wiegt 4500 Gramm. Sie ist immer noch einen Großteil des Tages von ihrer Mutter getrennt. Jugendamt und Ärzte wollen ausschließen, dass ihr Name einmal in einer Reihe mit Jessica, Chantal und Yagmur genannt wird.
Diese Geschichte kennt bisher nur Verlierer.
*Die Betroffenen möchten nicht ihren vollständigen Namen in der Zeitung lesen, deshalb sind nur Vornamen genannt. Der Name des Babys ist geändert.

P.S. Das ist der ganz normale Wahnsinn, wenn man einem deutschen Jugendamt zu tun hat. Kein Einzelfall!

Samstag, 26. Juli 2014

Vertrauen entsteht vom ersten Tag an - ohne stabile Bindung geht gar nichts

Urvertrauen ist der Grundstein für eine gesunde psychologische Entwicklung. Ein Mensch wird nicht mit Vertrauensseligkeit oder mit Vertrauensbereitschaft geboren, doch unser Gehirn kann lernen. Das Fundament für eine stabile, selbstbewusste Persönlichkeit wird zu einem großen Teil in den ersten Monaten und Jahren gelegt.






Für das Entstehen von Vertrauen und Einfühlungsvermögen sind die so genannten Spiegelzellen verantwortlich. Mit ihnen sind wir schon bei der Geburt ausgestattet, sie entwickeln sich jedoch nur, wenn wir eine Bindung zu einer Bezugsperson aufbauen. Erst dadurch wird das Vertrauenshormon Oxytoxin ausgeschüttet. Erfahren Neugeborene keine kontinuierliche Nähe, wird wiederum vermehrt das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet, das die Vernetzung der Nervenzellen im Gehirn verhindert.


Menschen, die bereits ein gesundes Urvertrauen entwickelt haben, sind belastbarer als andere. Ihr Gehirn verfügt über eine Art Selbstschutzmechnismus, der mit außergewöhlichen Situationen umzugehen weiß. Die vorhandene Vertrauensfähigkeit verhindert die vermehrte Ausschüttung von Stresshormonen. Sie können Vertrauenbrüche besser verarbeiten, aus schlechten Erfahrungen lernen und neues Vertrauen aufbauen. 

Man geht davon aus, dass Vertrauen auch zu einem späteren Zeitpunkt noch erlernt werden kann. Das Gehirn verändert sich mit der Summe positiver Erfahrungen, neue Nervenzellen entstehen, die das Verhalten beinflussen. Inwieweit frühkindliche Störungen behoben werden können, hängt von der Dauer der körperlichen und seelischen Traumatisierung ab.


Für Säuglinge sind Vernachlässigung und mangelnde Zuwendung traumatische Erlebnisse. Auch Erwachsene können in Extremsituationen geraten, die unser Gehirn als bedrohlich bewertet. Alle Angsterfahrungen werden im Gehirn gespeichert. Sie sind in unserem Unterbewusstsein verankert, auch wenn wir uns nicht erinnern. Verantwortlich dafür ist der Teil im Gehirn, der als Mandelkern (Amygdala) bezeichnet wird. 

Dieser Hirnteil vergisst nichts und beschert Panikattacken, die uns scheinbar aus heiterem Himmel überfallen. Der Mandelkern gleicht aktuelle Situationen mit den bereits gespeicherten schlechten Erfahrungen ab und wenn er glaubt, einen Notfall zu erkennen, werden Stresshormone ausgeschüttet. Diese machen den Körper kampf- und fluchtbereit. Um dem entgegen zu wirken, muss das Vertrauen wieder aufgebaut werden. Dies kann lange dauern, ist aber möglich. 


Wo ist der Sitz des Vertrauens im Gehirn? 

Der "Schweifkern", Nucleus caudatus, ist der Sitz des Vertrauens im Gehirn. Das haben US-amerikanische Forscher herausgefunden. In einem Spiel konnten sie beobachten, wie Vertrauen entsteht. Tat ein Spieler einem anderen etwas Gutes, dann bekam er Gleiches zurück. Wer jedoch jemandem Schaden zufügte, wurde vom anderen ebenfalls geschädigt - frei nach dem Motto: "Wie du mir, so ich dir." Ist das Vertrauen einmal hin, so die wissenschaftliche Erkenntnis, dann ist das Gehirn nur schwer vom Gegenteil zu überzeugen. Der Nucleus caudatus ist im übrigen auch für das Verlieben zuständig. 



Wenn Hochbegabte nicht gefördert werden..... passiert was?

Meiner Enkeltochter Leonie wird fehlendes Sozialverhalten nachgesagt. Dass das vielleicht an ihrer Hochbegabung in Sachen Musik und Sprache liegen könnte, fällt seit 6 Jahren keiner sogenannten Fachkraft der verschiedenen, beteiligten Jugendämter auf. In Wien, bei mir, wo sie entsprechend gefördert wurde, wurde ihr stets ein gutes Sozialverhalten bescheinigt. In Deutschland steckt man sie in eine Förderschule. Genau das Richtige für ein hochbegabtes Kind wie Leonie. Inkompetenz lässt grüßen.

Aus dem Nichterkennen der Hochbegabung und der damit verbundenen mangelnden Frühförderung kann großes Leid für Kinder und Eltern resultieren. Aber wenn, dann erkennen Eltern bei ihrem Kind Hochbegabung oft deutlich früher als Pädagogen, weil letztere kaum ihren Fokus darauf lenken. Machen Eltern die Pädagogen ihres Kindes auf eine mögliche Hochbegabung aufmerksam und bitten um spezielle Förderung, so "laufen sie häufig vor die Wand", erfahren Unverständnis des unwissenden Pädagogen. Ja, es werden Vorwürfe erhoben, Eltern überforderten ihre Kinder aus eigener Eitelkeit.

Woran kann man Hochbegabung bei Kleinkindern erkennen? Entwicklungsstadien laufen schneller ab. Kinder sprechen ungewöhnlich früh, bilden eher ganze Sätze. Sie verfügen früh über einen großen Wortschatz. Sie stellen Fragen, Fragen, Fragen ...... wodurch Erwachsene sich genervt und Ihrer Zeit beraubt fühlen. Es liegt jetzt an den Eltern, beziehungsweise der Umgebung, diesem Wissensdurst richtig nachzukommen. Wird die Förderung des Kindes nicht adäquat erfolgen, verkümmern die unschätzbaren Vorteile der Hochbegabung früh. Somit liegt die größte Gefahr für das hochbegabte Kind darin, dass die Hochbegabung überhaupt nicht erkannt wird.

Emotional befindet sich das Kind auf einer Stufe seinem biologischen Alter entsprechend. Aber es erlebt die Diskrepanz zwischen der intellektuell vorgezogenen Entwicklung und seiner alters entsprechenden Emotionalität auch als Belastung, bei deren Bewältigung Eltern und Pädagogen helfen müssen - könnten - oder unvermögend sind.

Wenn die Bedürfnisse von hochbegabten Kindern länger nicht wahrgenommen oder sie nicht ihren Bedürfnissen gemäß gefördert werden, kann dies Probleme mit sich bringen. Zum Beispiel können diese Kinder Verhaltensauffälligkeiten im sozialen Umgang entwickeln, da die ihnen eigenen Fähigkeiten sich nicht entfalten können.

Dem Pädagogen Martin R. Textor nach können sich bei inadäquater Förderung - und in der Regel werden Hochbegabte nicht adäquat gefördert, folgende Verhaltensweisen mit entsprechenden fatalen Folgen bei Kindern ausbilden:

  • "Hochbegabte Kinder, die ihre Erzieher mit Fragen "löchern", gelten schnell als "Quälgeister".
  • Hochbegabte Kinder, die aufgrund ihrer großen Kreativität immer wieder ganz originelle und unkonventionelle Ideen und Vorschläge haben, bringen oft das "Programm" der Erwachsenen durcheinander und werden deshalb als unbequem und schwierig eingestuft.
  • Hochbegabte Kinder, die andere Kinder oft "vor den Kopf stoßen", weil sie bei "diesem Babykram" nicht mehr mitspielen wollen oder weil sie alles besser wissen, gelten schnell als arrogant und werden dann von den anderen "geschnitten". (Mobbing)
  • Hochbegabte Kinder, die sich im Spiel mit anderen Kindern mangels adäquater Anforderungen langweilen, haben oft das Gefühl, dass sie in keine Gruppe richtig hineinpassen, ziehen sich zurück und fühlen sich einsam.
  • Hochbegabte Kinder, die immer wieder als erste auf die Fragen der Erzieher/innen antworten, gelten schnell als vorlaut und neunmalklug.
  • Hochbegabte Kinder, die außergewöhnliche Interessen haben und sich auf irgendwelchen Gebieten schon ein "Spezialwissen" angeeignet haben, werden von anderen Menschen oft belächelt, geneckt oder gar verspottet. (Mobbing)
  • Hochbegabte Kinder, die immer wieder das Gespräch mit Erwachsenen suchen, gelten schnell als sozial unreif.
  • Hochbegabte Kinder, die aufgrund ihrer kognitiven Fähigkeiten viel schneller als andere die Gefahren erkennen, die z. B. mit Klettern verbunden sind und sich deshalb nicht so weit empor wagen, werden leicht als ängstlich und ungeschickt beurteilt.
  • Kinder, die aufgrund ihrer Hochbegabung bereits vor Beginn einer Tätigkeit - z. B. dem Malen eines bestimmten Bildes - erkannt haben, dass sie mangels motorischer Kompetenz niemals das umsetzen können, was sie sich geistig vorstellen, und deshalb die Tätigkeit verweigern, gelten schnell als unmotiviert und desinteressiert, als feinmotorisch unterentwickelt oder als sich verweigernde "Trotzköpfe".
  • Hochbegabte Kinder, die bereits die Konfliktspirale durchschaut haben und sich deshalb zurückziehen, bevor es zur körperlichen Auseinandersetzung kommt, werden bald als wenig durchsetzungsfähig charakterisiert."

- Trotz des hohen IQ und einigermaßen guten Förderleistungen können diese

Kinder nicht in einen normalen schulischen Alltag integriert werden -


Immer häufiger erfolgt dann sehr früh die Verordnung eines Amphetamin - Abkömmlings wie Metylphenhydat oder andere zur Anpassung des Verhaltens. (Viele Eltern leisten hier unter hohem Energieaufwand Widerstand.)


Nicht selten verkümmern deshalb die Potenziale, die eine Hochbegabung ausmachen
und zwar noch gravierender, wie würde keine Frühförderung erfolgen.


Wir sehen bei diesen Kindern auch Gedeihstörungen: sie essen extrem einseitig, kohlenhydratlastig, also billige "Nahrungsmittel", sie bevorzugen viele Süßigkeiten, sie essen große Mengen, dennoch nehmen sie unzureichend an Gewicht zu.
Methylphenhydat stoppt dazu den Appetitt, ihr BM-Index liegt zu niedrig. Sie essen billige, 
ungesunde Nahrungsmittel, die mit starken Aromastoffen versetzt sind, damit man die Massen an füllendem Klärschlamm nicht schmeckt. Diese garantieren der Lebensmittelbranche, überwiegend den Discountern, größtmöglichen Gewinn - egal, ob ein Volk erkrankt.

Was wir aber bei diesen Kindern häufiger beobachten und auch messen können - und dies ist kaum bekannt - ist eine Störung auf Ebene der Bildung und des Abbaus der Stress auslösenden Hormone, der Neurotransmitter (Katecholamine). Dies sind endogene, biochemische Botenstoffe, welche die Information von einer Nervenzelle zur anderen über die Kontaktstelle der Nervenzellen weitergeben. Stress auslösenden Hormone, einmal aus der Nebennierenrinde ausgeschüttet, müssen auch rasch wieder abgebaut werden - sonst steht das Kind unter "Dauerstrom".

Man findet bei Ihnen -

  • eine hohe geistige und körperliche Leistungsfähigkeit
  • alles fällt ihnen leicht
  • sie können gleichzeitig vieles erledigen
  • sie zeigen eine große Ausdauer und späte Erschöpfung
  • sie begreifen schnell komplexe Sachverhalte
  • sie sind sprech- und sprachbegabt, zeigen manchmal ununterbrochenen Redefluss
  • sie sind ungeduldig, rastlos, hastig (hyperaktiv)
  • sie sind sportlich vielseitig, eher aber für Einzelsportarten geeignet
  • alle ihre Sinneswahrnehmungen sind gesteigert
  • sie sind schlank und asketisch
  • sie erkennen oft ihre Grenzen nicht
  • sie können große Mengen essen ohne an Gewicht zuzunehmen
  • sie können aggressiv sein - verbal und/oder körperlich

Freitag, 18. Juli 2014

Nachricht an Leo!

Hi Leonie,

ich hoffe es geht dir gut!?
Wir sind gut wieder in Wien angekommen nachdem wir in Meldorf waren. 



Am Nachhauseweg sind wir sogar bei deiner alten Schule vorbei gefahren.  Hab mit deiner Oma viel geredet und haben in alten Zeiten geschwelgt, welche Erinnerungen wir haben und was damals alles war. Vor allem wie schön es einmal war, wie du da warst. 

Es ist zwar schon fast 6 Jahre her. (im November) Jedoch sind die Wunden noch frisch wie damals. Keiner versteht, warum die dich einfach so weggenommen und nach Deutschland gebracht hat. Dein ganzes Leben einfach beendet?!


Ich kann es gar nicht glauben,dass du schon 11 Jahre alt bist! Du bist schon ein großes Mädchen, welches schon sehr gut auf sich selbst aufpassen kann,wie wir gesehen haben. 

Wir vermissen dich alle sehr in Wien und ich hoffe deine Großmutter und in Folge ich können dich bald wieder sehen.


Du kannst jederzeit und zur jeder Stunde kommen. Unsere Türen werden immer für dich offen stehen!! Du bist in unseren Herzen.


Küsschen Ines (dein Kindermädchen)


Für Leonie!! Wir sind immer für DICH DA!!


Ex-Staatsanwalt: "Es läuft vieles schief" bei der Justiz an der Saar"

Von Michael Jungmann
Nach nicht einmal zwei Jahren in seinem Wunschberuf warf David Jungbluth das Handtuch – ernüchtert und desillusioniert. Er berichtet von „amtsanmaßender Ignoranz“ und „respektlosem Umgang“ mit Bediensteten.

Er hat einen Eid auf die Verfassung abgelegt und als Richter auf Probe geschworen, sich an Recht und Gesetz zu halten. Der gebürtige Hesse David Jungbluth war im Saarland in seinem Wunschberuf, an der Rechtsprechung mitzuwirken, angekommen. Nach nur einem Jahr und elf Monaten in der schwarzen Robe eines Staatsanwaltes und eines Zivilrichters am Landgericht warf er aber im Sommer 2013 frustriert das Handtuch. „Desillusionierend“ nennt der 36- jährige Jurist im Rückblick die Praxiserfahrungen, die er als Staatsanwalt und Richter im Saarland machen musste.

Er habe eine „lehrreiche Zeit“ bei der Saar-Justiz erlebt. Es sei allerdings „erschreckend“, wie wegen unglaublichen Zeitdrucks mit Verfahren umgegangen werde, hinter denen Schicksale stehen. Jungbluth: „Es läuft vieles schief bei der Justiz“, die unter „Systemfehlern“ und Sparzwängen leide. „Es war kein Schnellschuss. Ich konnte das mit meinem Gewissen nicht mehr vereinbaren,“ sagt Jungbluth heute über den Dreizeiler, mit dem er im Juli 2013 um die sofortige Aufhebung seines Dienstverhältnisses bei der damaligen Justizministerin Anke Rehlinger (SPD) bat und anschließend seine Koffer packte.

Im Gespräch mit der Saarbücker Zeitung betont der Jurist, der heute an den Universitäten in Mainz und Saarbrücken Studenten ausbildet, es gehe ihm nicht um persönliche Selbstdarstellung oder Profilierung, wenn er aus dem ernüchternden Alltag eines Richters oder Staatsanwaltes berichtet. In einer Fachzeitschrift erschien kürzlich seine persönliche Bilanz nach 23 Monaten bei der Saar-Justiz. Das Blatt veröffentlichte – leicht gekürzt – einen Brief an Ministerin Rehlinger, in dem er auf 15 eng beschriebenen Seiten die Gründe für seinen Abschied erläutert. Das ungekürzte Schreiben liegt unserer Zeitung vor. Es liest sich wie die Anklage eines Insiders gegen die Justiz und die verantwortlichen Politiker.

Von „amtsanmaßender Ignoranz“ und „respektlosem Umgang“ mit Justizbediensteten, die wegen Personalnot permanentem Erledigungsdruck ausgesetzt seien, wird berichtet. Jungbluth ergänzt: „Ich fühlte mich wie ein Hamster im Rad, je schneller ich lief, desto schneller drehte sich das Rad.“ Bei der Staatsanwaltschaft und am Landgericht durfte er „sehr arbeitsintensive“ Dezernate oder eine „abgesoffene“ Zivilkammer betreuen. Im Klartext: Auf seinen Schreibtisch warteten zum Dienstantritt Hunderte unerledigte Alt- Fälle. Einige waren mehrere Jahre alt. Täglich wuchs der Aktenberg.

Mit Überstunden, Wochenendarbeit und Akten als Bettlektüre versuchte er nach eigenen Angaben, die Flut zu bewältigen. Insider Jungbluth schildert, wie Ermittler in dieser Not handeln: „Gerade meine Erfahrungen bei der Staatsanwaltschaft haben mir gezeigt, dass eine nur annähernd detaillierte Aktenbearbeitung – auf Grund der äußerst extensiven Verfahrenszahl je Dezernat – einen derartigen Arbeitsaufwand nach sich zieht, dass es in der Praxis oftmals zu einer bewusst in Kauf genommenen Verschleppung des Verfahrens kommt oder, dass befremdliche bis abwegige Erwägungen dazu führen, dass Verfahren unsachgemäß eingestellt, statt weiter verfolgt werden.“ Es bleibt also: Keine Zeit, um nach Recht und Gesetz zu handeln.

Der Jurist erklärt die sogenannte „pönale Quote“ (Strafquote), die quasi als ungeschriebenes Gesetz, die Abläufe und Arbeitsergebnisse bei der Staatsanwaltschaft überschatte. Demnach sollen mindestens 20 Prozent aller Verfahren mit einer Anklage oder einem Strafbefehl abgeschlossen werden. Im Umkehrschluss: Ungefähr vier von fünf Fällen werden eingestellt. Die ungeschriebene Quote gebe nicht vor, welche Fälle angeklagt werden. Sie könnte durchaus mit Bagatelldelikten erfüllt werden. Die Einstellung eines Verfahrens dauere fünf Minuten, eine komplizierte Anklage aber Stunden.

Es gelte das Prinzip: „Hauptsache die Akte ist schnell vom Tisch!“ Jungbluth: „Irgendwann hält man den Druck nicht mehr aus und wird opportunistisch.“ Aus seiner Sicht stelle das Instrument der „sogenannten pönalen Quote in der Praxis der saarländischenStaatsanwaltschaft einen evidenten Verfassungsverstoß dar“. 18 Monate war Jungbluth Staatsanwalt, ehe er zum Landgericht als Zivilrichter versetzt wurde. Dort ticken die Uhren nach seiner Schilderung nicht anders.

„Die Akten mussten vom Tisch – so schnell wie möglich.“ Von Kollegen hat der junge Richter damals gelernt, ein zivilrichterliches Dezernat könne „überhaupt nur bewältigt werden, wenn mindestens 60 bis 70 Prozent der Verfahren einem Vergleich zugeführt werden“. Auf Kläger und Beklagten musste also spürbarer Druck ausgeübt werden, sich zu verständigen.

Vergleiche sparen richterliche Arbeitszeit. Urteile finden, begründen und schreiben ist dagegen aufwendig. Der gut gemeinte Rat eines Kollegen am Landgericht lautete zudem: „Urteile werden für die nächste Instanz geschrieben, nicht für die Parteien.“ Das Fazit des Ex-Staatsanwaltes und Ex-Richters nach fast zwei Jahren im Saar-Justizdienst: Jeder wisse, wie falsch die Dinge laufen, aber keiner unternehme etwas dagegen, weil er nicht den eigenen Ast absägen wolle.

http://www.saarbruecker-zeitung.de/aufmacher/Anklage-Gesetze-und-Rechtsnormen-Handtuecher-Juristen-Landgerichte-Saar-Staatsanwaltschaft-Staatsanwaelte;art27856,5355136

Donnerstag, 17. Juli 2014

Wenn Umgang nicht stattfinden soll, weil das Gericht sagt, dass "Umgang nicht mehr stattfinden könne aufgrund von Entfremdung"!

Diese Frage habe ich einer Psychotherapeutin, Expertin für Bindung und Verfahrensbeiständin gestellt und folgende Antwort erhalten, die mit meinen eigenen Erfahrungen übereinstimmt:

"Mutig gesagt: Ein Kind, das eine gute Bindung zu seinen Bezugs,- Bindungspersonen aufgebaut hat, kann nicht entfremdet werden. Auf jeden Fall nicht so, wie sich die Juristen und Pseudofachleute dies vorstellen.

In den ersten drei Jahren bauen sich Kinder eine Art Pyramide von Bindungspersonen auf. Entgegen alter Meinungen, dass grundsätzlich nur die Mutter in Frage kommt, hat sich in den letzten 30 Jahren in der Bindungsforschung einiges getan. Jede, aber auch jede Person, die in der Lage ist feinfühlig mit dem Kind umzugehen, seine Bedürfnisse wahrzunehmen und zu befriedigen, wird zur primären Bindungsperson. Meistens sind das drei bis vier Personen.

Ist eine Bindung entstanden, entwickelt das Kind ein sogenanntes inneres Arbeitsmodell von Bindung. Sicher oder unsicher, vermeidend, ambivalent oder desorganisiert.

Eine einmal entstandene sichere Bindung kann nur durch die Bindungsperson selber zerstört werden. Von außen scheint es zu funktionieren, jedoch hält diese Bindung ein Leben lang an. Deshalb sprechen die Bindungsforscher u.a. auch von einem unsichtbaren Band.

Menschen, die sich Jahre nicht sehen, schließen sich  in die Arme und fangen dort an, wo sie aufgehört haben.

Leonie mag äußerlich entfremdet sein. Würde sie aber mit Ihnen wieder in Kontakt kommen, würde nach einer relativ kurzen Anwärmphase, gefühlsmäßig alles wieder so  sein, wie früher.

Es ist in der Forschung nachgewiesen, dass Kinder denen man mit Gewalt (seelisch gehört dazu), die Bindungsperson genommen hat, Störungen jeglicher Art entwickeln.

Unser Rechtssystem will es nicht sehen, braucht es scheinbar auch nicht zu sehen, denn für die FOLGEN sind sie nicht mehr verantwortlich. !

Jeden Richter, Anwalt, Gutachter etc. sollte man wegen fahrlässiger Körperverletzung anzeigen....

Ich schicke Ihnen jetzt einiges von Brisch und dergleichen. Ich selber könnte mittlerweile selbst ein Buch schreiben.

Ich habe das erste Gutachten zum kippen bekommen, aufgrund einer falschen Aussage bzgl Bindungsdiagnostik.

So werde ich immer an die Gutachten rangehen. Schreibt irgendeiner was unfundiertes über Bindung, zerlege ich ihn bis auf die Knochen. ;)

Ich bin es so satt mit anzuschauen, was Deutschland mit seinen Kindern macht."

Nachtrag: Ich auch! In der Folge werde ich deshalb einige Artikel zum Thema Bindung veröffentlichen. Bei Leonie versucht jetzt die 4. Jugendamtsmitarbeiterin eine Bindung zur Mutter herzustellen und ein positives Mutterbild zu schaffen. Wieder einmal wird sich über Leonie's Wille hinweggesetzt. Leonie ist nicht dumm und hat ihre Mutter schon immer richtig eingeschätzt. Mein Enkelkind ist ein starkes Persönchen. Inzwischen muss man wohl schon sagen, eine starke Persönlichkeit. Stärker als ich jemals war. Sie wird ihren Weg gehen, auch wenn man ihr alles verweigert, was zu einer glücklichen Kindheit gehört! Ihre Großmutter bleibt ihr ja erhalten....