Dienstag, 21. Oktober 2014

Du kannst vor dem Familiengericht lügen, dass die Balken sich biegen. Der Familienrichter ist nämlich nur der Insolvenzverwalter!

Ich habe die Justiz immer für etwas ganz Besonderes, Reines, Hehres gehalten. Im hohen Alter stelle ich fest, dass das ein Kinderglaube war.

Sie sprechen von Willkür-Justiz....
Die dritte Gewalt im Staate hat sich selbstständig gemacht, überschätzt sich selber. Ihre Unabhängigkeit versteht sie als Unantastbarkeit. Sie glaubt, sie sei nicht rechenschaftspflichtig. Wenn du das System, wenn du Richter angreifst, schlägt das System zurück.

Beispiele?
Nennen Sie mir mal einen Richter, der wegen eines Fehlers zurückgetreten wäre. Das ist der einzige Berufsstand, dem scheinbar keine Fehler passieren. Wie hat ein Richter gesagt: Eher trifft ein Blitzschlag einen Menschen, als dass ein Richter zurücktreten muss. Es gibt Tausende von Fällen, von Menschen, die sich entwürdigt fühlen.

Eine für Sie neue Erfahrung?
Ja, ich habe immer geglaubt, die Schlachten um Gerechtigkeit würden im Parlament geschlagen. In Sonderheit in der Sozialpolitik, wo es um die armen Leute und ihr Recht geht. Aber für die Gerechtigkeit ist viel entscheidender, wie die Gesetze angewandt werden. Richter dürfen sich nicht als arrogante Gouvernanten des Parlaments aufspielen. Ein junger Richter, der kapituliert hat, nennt das amtsanmaßende Ignoranz.

Was stört Sie in der Sache an der deutschen Justiz am meisten?
Die Selbstgefälligkeit. Nehmen Sie den Richter im NSU-Prozess, der die Presseplätze so verteilt, dass keine türkischen Journalisten dort Platz finden. Er wird vom Bundesverfassungsgericht korrigiert und gibt klein bei. Anschließend spricht er von einem Druck, der auf ihn ausgeübt worden sei, der in der deutschen Rechtsgeschichte einmalig sei. Hat der Mann Gedächtnisschwund? Dagegen ist die Prinzessin auf der Erbse ja ein Dickhäuter.

Sie nehmen nun insbesondere die Familiengerichte ins Visier ...
Die sind am meisten verkommen. Du kannst vor dem Familiengericht lügen, dass die Balken sich biegen. Es interessiert den Richter nicht. Er ist ja nur Insolvenzverwalter. Der wickelt Unternehmen ab, Wahrheit interessiert ihn weniger.

Sie meinen das Unternehmen Ehe?
Ja. Das ist heute eine Art Ich-AG, eine zweifache Ich-AG. Da ist nicht nur die Justiz dran schuld, sondern leider auch das Familienrecht. Das ist zu einer Art Insolvenzrecht ohne Nachhaltigkeit und Verantwortung verkommen.

Schweres Geschütz ...
Der Verfall von moralischem Denken im Recht gefährdet unsere Zivilisation. Wenn der Vorsitzende der Ethikkommission der deutschen Rechtsanwälte sagt, erlaubt sei, was nicht ausdrücklich verboten ist, dann ist das die Abdankung von Anstand und Fairness. Es gibt nämlich Sachen, die man nicht macht, auch wenn sie nicht verboten sind. Dann müsste man alles per Gesetz regeln. Mit der Freiheit ist es dann zu Ende. Dann zerfällt eine Gesellschaft.

Und wie sieht das Blümsche Rezept gegen diese Missstände aus?
Als aufklärerischer Optimist halte ich die öffentliche Kritik für die stärkste Waffe. Es darf nicht länger als Majestätsbeleidigung gelten, Richter in Frage zu stellen. Wir brauchen eine Lüftung der dritten Gewalt: Nehmt mal die Talare hoch! Auch der Gesetzgeber kann nicht untätig bleiben.

Warum?
Er muss zum Beispiel das Gutachterwesen neu regeln. Jeder kann heute Gutachter werden, wenn der Richter ihn bestellt. Eine Qualifikation dafür gibt es nicht. Das ist vor allem in Sorgerechtsfällen ein Ärgernis, eine Zumutung. 50 Prozent der Gutachten vor Familiengerichten in Deutschland sind nach einer Untersuchung der Fernuniversität Hagen fehlerhaft.

Das ist verbrieft?
Ja, und das ist ein Skandal. Wenn ich mit meinem alten Auto zum Tüv muss, dann prüft ein Ingenieur. Wenn über das Schicksal eines Kindes entschieden wird, dann ist offenbar jeder sachverständig. Dem Staat ist der Rost am Auto noch wichtiger als das Kind.

Das Versagen in Familiengerichten ist für Sie der Regelfall?
Kollektivurteile sind immer falsch. Es gibt immer noch Richter mit hoher Verantwortung und Rechtsanwälte, vor denen ich großen Respekt habe. Am Anfang meiner vierjährigen Recherchen zu dem Buch dachte ich auch, es seien Einzelfälle, aber wenn die Einzelfälle zur Mehrzahl werden, klingen bei mir die Alarmsignale. Und wenn ich je Zweifel hatte, ob ich Recht habe, dann ist das jetzt vorbei: Ich habe in den Tagen seit Erscheinen des Buches so viele Briefe und Mails erhalten wie noch nie, auch nicht als Minister. Wenn nur ein Drittel dieser Briefe stimmt, ist Land unter in Deutschland.


P.S. Was soll ich sagen. Er darf das unverblümt sagen, ich nicht. Die Strafanzeige würde folgen. Aber er spricht mir aus der Seele.

Prozessauftakt im Fall Renneberg - 16.12.2014 Zwickau

Der Strafprozess gegen Claudia Renneberg und ihre Eltern soll am 16. Dezember vor dem Schöffengericht in Zwickau beginnen. Das hat Rechtsanwalt Klaus Bartl auf Anfrage der "Freien Presse" erklärt. Zur Last gelegt wird ihnen die Entziehung Minderjähriger in Tateinheit mit Freiheitsberaubung.
Das Amtsgericht Auerbach hatte - auf Basis eines umstrittenen Gutachtens - Rennebergs Sohn Timon ab April 2012 in einer Pflegefamilie untergebracht. Juristisch dagegen vorzugehen, scheiterte. Einen Besuchstermin am 15. August 2013 in Adorf nutzte Claudia Renneberg daher, assistiert durch ihre Eltern, zur Flucht mit Timon ins Ausland. Im Januar 2014 stellte sie sich freiwillig. Seither lebt sie mit Timon im Trainingswohnen der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Treuen.
Was eine Entscheidung in der Familienrechtssache angeht, so stehe laut Anwalt Bartl das neue Gutachten noch aus. Die Auerbacher Amtsgerichtsdirektorin habe jedoch versprochen, "dass verhandelt wird, sobald das Gutachten vorliegt".
Unterdessen hat vorige Woche der Heimkinderverband Deutschland (HKVD) versucht, Wellen im Fall Renneberg zu schlagen. Der Verband, nach eigener Aussage 2007 von ehemaligen Heimkindern gegründet, zählt, sofern man dem Internetauftritt glauben darf, 18 Mitglieder und hat keinen Vorstand. Pressesprecher Johannes Schumacher erklärte, der Verband wolle den Jugendamtsleiter des Vogtlandkreises mit dem "Roten Jugendamtsleiter-Notfall-Knopf des HKVD" auszeichnen, weil "er seit fast einem Jahr Claudia Renneberg und Timon ... in einer Awo-Kaserne in Treuen einsperren" lasse. Er gehe davon aus, dass er den Preis "zusammen mit Claudia Renneberg und ihren Eltern übergeben" werde.
Bartls Kanzlei erklärte dazu, man erachte "jedwede Aktivität, die geeignet ist, die Konfrontation mit den Behörden zu befördern ... für eher kontraproduktiv und wenig hilfreich". Anstatt auf diese Bedenken einzugehen, schwadronierte Schumacher danach von "Sippenhaft" und kündigte an, im November in der Festhalle Plauen eine öffentliche Podiumsdiskussion zum Fall Renneberg organisieren zu wollen.


P.S. Ich musste schmunzeln.... Jeder "kämpft" eben mit seinen Waffen.....

Freitag, 17. Oktober 2014

Eisenacher Eltern kämpfen um ihre vier Wochen alte Tochter

"Das ist Schikane und Hinhaltetaktik", ist Jennifer Winkler auch vier Wochen nach der Geburt ihres dritten Kindes über die Arbeitsweise des Eise­nacher Jugendamts erzürnt. Mit großem Aufgebot nahmen Polizisten am 18. September - wenige Stunden nach der Geburt - der 23-jährigen Eisenacherin ihr Baby im Helios-Klinikum Gotha ab. Seither hat die junge Frau ihren Säugling nicht zu Gesicht bekommen. Auch ihre beiden anderen Kinder konnte sie seit Monaten nicht in die Arme schließen.
Nach dem "Familienpsychologischen Gutachten zur Erziehungsfähigkeit", welches das Familiengericht Eisenach vor einem Jahr bei einem Kassler Büro bezüglich ihres zweiten Kindes in Auftrag gab, sei die Mutter nicht erziehungsfähig.

Keine akute Eigen- oder Fremdgefährdung

Im Befund der Gothaer Klinik wird ihr hingegen aus psychiatrischer Sicht keine akute Eigen- oder Fremdgefährdung, aber auch keine Indikation für eine Einweisung in eine Psychiatrie bescheinigt. Jennifer Winklers Rechtsbeistand, der bezüglich der Inobhutnahme von einem "unverhältnismäßigen Eingriff" spricht, sah frühestens bei der Entlassung der Mutter aus der Klinik für das Jugendamt Handlungsbedarf, da das damalige Gutachten Winklers häusliches Umfeld und nicht das der Klinik als unangemessen für das Kindeswohl betrachtet. "Wir dürfen nach außen keine öffentlichen Angaben machen; es ist ein laufendes Verfahren", sagt Janina Walter, Leiterin der Pressestelle der Stadtverwaltung. In Eise­nach seien 2011 13 und im Jahr darauf 29 Kinder in Obhut genommen worden. Bis zum dritten Quartal 2013 waren es nur sieben Fälle. "Das zeigt, wie sehr die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken", äußert sich Walter nur allgemein.
Das eingerichtete Kinderzimmer für das neugeborene Mädchen im Eisenacher Westen bleibt verwaist. Der Inobhutnahme hat jetzt der leibliche Vater des Babys widersprochen. Der 26-jährige Roy Otto hat seinen kleinen Schatz noch gar nicht zu Gesicht bekommen.
Am Montag habe nochmals ein Hausbesuch stattgefunden, und das vorbereitete Kinderzimmer wurde von zwei Mitarbeitern des Jugendamtes begutachtet. Obwohl der leibliche Vater sich nichts zu Schulden kommen ließ, werde ihm der Umgang bis dato verwehrt. "Man möchte den Papa wohl erst einmal richtig kennenlernen", meint Jennifer Winkler. Für die Einschätzung muss sich der Vater derzeit vielen Fragen der Jugendamtsmitarbeiter stellen, die bis tief in seine Kindheit zurückreichen. Das Jugendamt vermute, so Winkler, dass der Vater die Erziehung seiner Tochter nicht bewältigen könne.

"Seit Wochen kein Lebenszeichen von meiner Kleinen"

Sie ist enttäuscht, dass sie bisher nicht weiß, wie es ihrer kleinen Tochter geht. "Seit vier Wochen habe ich kein Lebenszeichen von meiner Kleinen", ärgert sich die Mutter, "am Ende wird man immer nur vor den Kopf gestoßen." Bei einem gestrigen Beratungsgespräch sei den Eltern eröffnet worden, dass sie ihren Säugling am Dienstag nächster Woche erstmals sehen könnten. Roy Otto freut sich sehr, seine Tochter endlich kennenlernen zu dürfen.
Der Papa, der ein festes Arbeitsverhältnis vorweisen kann, würde gern ein Babyjahr nehmen, sagte er gestern fernmündlich. Er hofft, dass er die Tochter bekommt. Am 6. November soll darüber am Amtsgericht Eisenach entschieden werden. Falls gegen den leiblichen Vater entschieden wird, kommt das Baby zur Vollzeitpflege in eine Pflegefamilie.
Über die Arbeit des Eise­nacher Jugendamtes ist auch Regina Schimmel (ehemals Melin) wenig erfreut. Sie pflegt das älteste Kind von Jennifer Winkler. "Was ich mit dem Jugendamt erlebt habe, spottet jeder Beschreibung, man kann sich nicht vorstellen, was die mit einem machen können", ärgert sich die Eisenacher Geschäftsfrau. Wie man ihr das Pflegekind zwischenzeitlich aufgrund von Falschaussagen und auch von Missverständnissen wegnahm, bezeichnet sie als "unmenschlich".  "Ich bin seit 21 Jahren selbstständig, und man riet mir, ich solle doch daheim bleiben", kocht es in ihr wieder hoch. (Hier lesen Sie die Geschichte von Regina Schimmel - http://www.tlz.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Frau-verliert-zeitweilig-ihre-Kinder-wegen-unhaltbarer-Vorwuerfe-1048429636) Das Jugendamt will keine Stellung zu den erhobenen Vorwürfen beziehen.

Norman Meißner 17.10.14 TLZ

Petra Munique sucht ihre Halbschwester Elke

Ein Schwesterherz weint. Petra Munique (47) würde alles darum geben, im Raum Düsseldorf/Krefeld endlich ihre Halbschwester Elke zu finden. Doch sie ist unauffindbar.
Das ist eine schmerzliche Lücke im Leben von Petra, die drei Jahre später geboren wurde. Sie hat Elke nie gesprochen, nie gesehen. Das tut so weh. Elke ist heute 51 Jahre alt, wurde vor genau 50 Jahren als Einjährige von einer Krefelder Familie adoptiert. 
Die 47-Jährige: „Ich habe so oft gesucht, aber kam nie sehr weit. Ich habe nur erfahren können, dass Elke in eine Krefelder Familie vermittelt wurde. Es ist, als würde mir ein Stück vom Leben fehlen. Ich habe mir so oft ausgemalt, wie es ist, wenn man sich nach so langer Zeit sieht.“

Mutter lebt nicht mehr

Die Mutter gab Elke ein Jahr nach ihrer Geburt in einer sehr schweren persönlichen Zeit zur Adoption frei, beseelt von dem einzigen Wunsch, dass es dem Kind besser gehen möge. Elke und Petras Mutter lebt nicht mehr, sie hinterließ aber Petra ein Bild von Elke. 
Petra Munique: „Meine Mutter sprach nicht darüber – sie hatte schwere Schicksalsschläge erlebt. In ihrem Leben war ihr das Glück nie ein Freund. Ich spürte, dass sie es aber zutiefst bereute und dass sie ihr Kind sehr vermisste. Sie war traurig, lebte bis zu ihrem Tode mit einem Kummer. Diesen Kummer hat sie mir nun vererbt, und jede Faser meines Herzens drängt mich, damit wir zusammenfinden. Niemand weiß, was so eine Begegnung auslöst, aber ein Wiedersehen würde mich unendlich glücklich machen.“

„Bitte melde Dich“



Sollte Elke sich hier erkennen, wird sie erfahren, dass sie auch noch einen Halbbruder hat. Petra bittet sie: „Melde Dich! Meine Familie und ich umarmen Dich von ganzem Herzen.“ 
Hinweise auf eine 51-jährige Elke mit einer Herkunft aus dem Raum Nürnberg an unsere Express-E-Mail duesseldorf@express.de oder Telefon 0211/1393-0.

Nach der Adoption – welche Rechte haben Verwandte?
Im letzten Jahr wurden in Nordrhein-Westfalen 919 Kinder adoptiert. Adoptionen sind vor Ausforschung geschützt. Zum Auskunftsrecht: Leibliche Verwandte haben grundsätzlich keinen rechtlichen Anspruch auf die Herausgabe von Informationen über Familienmitglieder, die zur Adoption gegeben wurden. Insbesondere ergibt sich ein solcher Anspruch auch nicht aus dem Sozialgesetzbuch X. Hält aber das zuständige Jugendamt eine Kontaktaufnahme der Verwandten zur adoptierten Person für sinnvoll und sogar für wichtig, bleibt die Möglichkeit, dass das Jugendamt selbst Kontakt zur Adoptivfamilie und dem Adoptierten aufnimmt, um auszuloten, ob diese mit der Weitergabe von Informationen und Daten einverstanden sind oder nicht.
Insoweit kann das Jugendamt bei der „Familienzusammenführung“ sogar helfen und prüfen, ob die Person überhaupt noch lebt. Adoptionsakten müssen 60 Jahre aufbewahrt bleiben.
Eine Pflicht zur Herausgabe von Informationen besteht in der Regel nicht. Das Jugendamt hat jedoch bei Einwilligung der gesuchten Person die Befugnis zur Weitergabe von Informationen (§ 67d und 67b Abs. 1 Sozialgesetzbuch X), soweit das Jugendamt das fachlich für angezeigt hält. Die Einwilligung hat schriftlich zu erfolgen. Wer sind meine Eltern? Adoptierte haben ab 16 Jahre mit der Zustimmung der Adoptiveltern Akteneinsichtsrecht, ab 18 Jahre generell.

Donnerstag, 16. Oktober 2014

Böse Verleumdung empfindlich bestraft


Nicht einfach hatte es das Gericht, als es am Dienstag über einen Fall von Verleumdung zu verhandeln hatte. Dazu waren drei Schwestern im Sitzungszimmer: Die jüngste war Zeugin, sie hatte die Älteste angezeigt, sie an ihrem möglichen künftigen Arbeitsplatz schwer verleumdet zu haben. Deshalb saß diese auf der Anklagebank. Eine weitere Schwester, die offensichtlich auf der Seite der Angeklagten stand, war über das Urteil des Richters empört und brachte das auch laut zum Ausdruck, weshalb sie aus dem Verhandlungsraum gewiesen wurde.

Der Angeklagten wurde vorgeworfen, sich Mitte März im Hof eines Taxiunternehmens als »Frau Müller vom Jugendamt« ausgegeben zu haben. Die Frau, die an diesem Tag dort zur Probe beschäftigt war, würde ihre Kinder schwer vernachlässigen und misshandeln, zudem habe sie schon zwei Autos zu Schrott gefahren.

Nach kurzer Beratung mit ihrem Anwalt nahm die 59-jährige Angeklagte Stellung zum Tatvorwurf. Sie könne gar nicht bei dem Taxiunternehmen gewesen sein, da sie an diesem Vormittag gearbeitet habe und lückenlos im Betrieb gewesen sei. Zum Verhältnis zur jüngsten Schwester erklärte sie, mit dieser seit dem Tod des Vaters jeden Kontakt abgebrochen zu haben.

Verdacht geschöpft

Als erste Zeugin erkannte die Mitarbeiterin des Taxiunternehmens die angebliche Frau vom Jugendamt, die weder ihren Ausweis zeigen noch ihre Telefonnummer nennen konnte, gleich wieder. Nachdem sie selbst eine Stunde später in den Betrieb zurückgekommen sei, habe sie die Frau, die diesen Tag zur Probe Fahrdienst hatte, erstmals gesehen. Diese habe im Gespräch mit der Chefin hemmungslos geweint. Als die zur Probe arbeitende Frau der Chefin auf dem Handy ein Foto ihrer ältesten Schwester zeigte, habe diese sie sofort als die angebliche Frau vom Jugendamt identifiziert. Die Geschädigte sagte als Zeugin aus, dass ihr bei der Beschreibung der Mitarbeiterin, wie die »Frau vom Jugendamt« aussah, ihre älteste Schwester eingefallen sei, was das Foto bestätigte. So äußerte sich auch die Geschäftsführerin des Taxiunternehmens. Einen zweiten Tag Probefahren habe es nicht gegeben: Sie habe die Frau heimgeschickt, um erst mal ihr Leben in Ordnung zu bringen.
Der Verteidiger der Angeklagten hakte immer wieder nach und wollte den genauen Ablauf und Details geschildert haben, wobei sich im Hinblick auf die Haarfarbe der Täterin und Gesprächsabläufe im Büro schon einige Widersprüche zeigten.

Auch die »echte« Frau vom Jugendamt wurde als Zeugin gehört. Sie hatte noch am selben Tag klargestellt, dass eine Person ihren Namen benutze und dabei Dinge gesagt habe, die sie selbst aufgrund ihrer Pflicht zur Verschwiegenheit nie gemacht hätte.

Es folgten die Aussagen der Chefin und zweier Kolleginnen der Angeklagten. Diese verwiesen auf die Stempelungen der Zeit­erfassung, nach denen die Angeklagte von 7.48 bis 12.17 Uhr im Betrieb war. Richter Tröndle fragte nach, ob die Stempelungen manipuliert werden könnten und ob bemerkt würde, wenn jemand bei längeren Pausen das Stempeln »vergesse«. Alle drei Zeuginnen gingen davon aus, dass das Abstempeln von jedem ordnungsgemäß vorgenommen werde und jede längere Abwesenheit auffalle.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sah diese drei Zeuginnen als unglaubwürdig an. Die Aussagen der Mitarbeiterin des Taxiunternehmens sei dagegen eindeutig, sie habe kein Motiv für eine Falschaussage und die Angeklagte sofort wiedererkannt. Sie forderte für die Angeklagte eine Geldstrafe von 25 Tagessätzen zu je 30 Euro. Im Gegensatz plädierte der Verteidiger auf Freispruch.

Richter Tröndle sah den Tatvorwurf als erwiesen an. Die »Vernichtung eines geplanten Arbeitsplatzes« durch »eine an Bösartigkeit kaum zu übertreffende« Verleumdung, so Tröndle, führte auch zu einer deutlich höheren Strafe als beantragt: Die Angeklagte wurde zu 60 Tagessätzen zu je 35 Euro und den Kosten des Verfahrens verurteilt.

Es geht um Leben, Kinderleben, welche rücksichtslos durch Gerichte und Gutachter zerstört werden - im Namen des Geldes!

Stehen getrennte Eltern wegen eines Sorgerechtsstreits vor Gericht, sollte es vor allem um eines gehen: das Wohl ihrer Kinder. Umso schlimmer, dass in diesen Auseinandersetzungen oft familienpsychologische Gutachten ausschlaggebend sind, die erhebliche Mängel aufweisen. Das deckten Mitarbeiter der Fernuniversität Hagen in einer Studie auf. Der WDR-Film "Wenn Gerichtsgutachten Familien zerstören" dokumentiert das Problem mit dramatischen Fällen.
2010 ließen sich in Deutschland die Eltern von 145.146 Kindern scheiden, dazu kommen die Trennungen nichtehelicher Lebensgemeinschaften, die statistisch nicht erfasst werden. Bei heftigen Streitigkeiten über Sorge- oder Umgangsrecht werden Psychologen als Sachverständige hinzugezogen. Sie erarbeiten dann Empfehlungen für die Richter.

Subjektivität und Routine statt wissenschaftlicher Kriterien

Allerdings weisen viele der familienrechtspsychologischen Gutachten, die unter anderem die Erziehungsfähigkeit von Eltern beurteilen, schwerwiegende Qualitätsmängel auf, wie Christel Salewski und Stefan Stürmer in ihrer Untersuchung zu psychologischen Gutachten für das Familiengericht feststellten. Die beiden Psychologen analysierten 116 familienrechtspsychologische Gutachten aus den Jahren 2010 und 2011 aus dem Bezirk des Oberlandesgerichts Hamm.
Das Ergebnis der Studie ist ernüchternd: In 56 Prozent der Gutachten fehlen  fachpsychologische Arbeitshypothesen, in 85,5 Prozent der Fälle werden die eingesetzten Verfahren gar nicht dargelegt und bei 35 Prozent der Arbeiten wurden Verfahren eingesetzt, die in der Wissenschaft als problematisch gelten.

"Er hat geschrien und sich an mich geklammert"

Wie sich derartige Mängel konkret auswirken können, zeigt die Doku "Wenn Gerichtsgutachten Familien zerstören", die am Montagabend im WDR ausgestrahlt wurde. Ein solcher Fall ist die Geschichte von Petra Stein* (52): Petra fühlt sich durch ihren Ehemann bedroht und äußert das gegenüber der Polizei. Nachdem keine Maßnahmen etwas an der Situation ändern können, rät ein Polizist Petra, die Kinder zu nehmen und "zu gehen". Nach einiger Zeit folgt sie dem Rat und zieht mit ihrer erwachsenen Tochter und dem damals dreijährigen Paul 500 Kilometer weiter weg in den Norden - eine Entscheidung, die ihr zum Verhängnis wird.
Der Sorgerechtsstreit um Paul beginnt und eine beauftragte Gutachterin plädiert schließlich für die "Einrichtung des Lebensmittelpunktes im väterlichen Haushalt". Im Gutachten wird vor allem die Sicht des Vaters wiedergegeben. Petra wird negativ ausgelegt, dass sie unabgesprochen mit den Kindern geflohen sei. Dass dies tatsächlich nach langer Überlegung und in Absprache mit Verwandten geschah, wird ignoriert - genauso wie die Sicht des Kindes.
Paul, inzwischen vier Jahre alt, kommt gegen seinen Willen zu seinem Vater. Seine Mutter und der Rest der Familie dürfen ihn nur noch sporadisch beim Jugendamt besuchen. Danach kommt es immer wieder zu Herz zerreißenden Szenen. Einmal habe eine Trennung vier Stunden gedauert, schildert Pauls Schwester: "Paul hat Sachen aus dem Auto geschmissen, sich an mich geklammert und geschrien, er will nicht zurück, er möchte bei uns bleiben und er hat Angst."
Nach weiteren zähen Gerichtsverhandlungen wird dem Willen des Kindes doch noch genüge getan. Das Gutachten wird für unwirksam erklärt und Paul kann zurück zu seiner Mutter. Rückblickend mahnt Petra, dass Eltern in so einer Situation versuchen müssen, "die Paarebene zu verlassen" und zum Wohle des Kindes "lernen müssen, nur noch Eltern zu sein". Pauls Schwester ergänzt: "Es geht um ein Leben."

Gabriel (43): als Sexualtäter stigmatisiert

Genauso erschütternd ist der in der WDR-Doku dargestellte Fall von Gabriel Engel (43), der nach der Trennung von seiner Frau um das Umgangsrecht für seine Tochter Anna kämpft: Im ersten Gerichtsverfahren lässt seine Frau die Bombe platzen und äußert den Verdacht, dass der Hobbyfotograf Anna in anzüglichen Posen fotografiert habe. Obwohl die polizeilichen Ermittlungen das nicht belegen können und sich der Verdacht als falsch erweist, wird Gabriel das Pädophilen-Stigma nicht mehr los, wie das beauftragte Gutachten in dem Familienstreit offenbart: Von Gabriel gehe eine große Gefahr aus, er sei ein potenzieller Sexualtäter und solle sich in forensische Psychotherapie begeben.
Wie konnte es zu diesem Ergebnis kommen? Gabriel liest sich in Fachliteratur ein und wird schließlich fündig: Für das Gutachten wurde ein Test mit ihm durchgeführt, bei dem Fragen zu seinen sexuellen Neigungen gestellt wurden. Diese beantwortete Gabriel damals alle guten Gewissens so, dass eigentlich kein Verdacht auf ihn hätte fallen dürfen - und genau das war aus Sicht der Gutachterin entscheidend.
Die Gutachterin hatte ein Verfahren verwandt, das eigentlich für nachgewiesene Sexualtäter konzipiert wurde. Verneinen die bei einem solchen Test sämtliches Interesse an potenziellen Opfern, gehen Experten davon aus, dass sie lügen. Im Fall von nicht als Sexualtäter bekannten Menschen wie Gabriel ist der Test hingegen vollkommen nutzlos.
"Das Schreckliche war, dass das Gutachten einen unglaublich hohen Stellenwert hatte. Es wurde alles darin geglaubt", klagt der Vater bis heute. Inzwischen wurde das Gutachten für ungültig erklärt und Gabriel darf seine Tochter wieder regelmäßig sehen.

Die falschen Experten

"Der Gutachter muss die gerichtliche Fragestellung in 'Psychologische Fragen' übersetzen und dann geeignete diagnostische Verfahren auswählen, um diese Fragen beantworten zu können", erklärt Salewski auf der Internetseite der Hagener Universität, wie es eigentlich sein sollte. Doch warum gelingt dies in so vielen Fällen nicht?
Weil die Gutachten von den falschen Personen erstellt werden, erläutert ihr Kollege Stefan Stürmer im WDR-Interview. Die meisten Gutachten dieser Art werden von Diplom- oder Master-of-Science-Psychologen erarbeitet. Jedoch bereite Stürmer zufolge das Diplomstudium Psychologie nur eingeschränkt auf rechtspsychologische Tätigkeiten vor: "Deshalb sagen die psychologischen Fachverbände einhellig, dass gerichtspsychologische Gutachten nur von Fachpsychologen für Rechtspsychologie durchgeführt werden sollten." Doch viele Sachverständige seien wirtschaftlich darauf angewiesen, von Gerichten beauftragt zu werden.

Strengere Gesetze gefordert

Damit Fälle, wie sie im WDR-Film gezeigt wurden, zukünftig nicht mehr vorkommen, braucht es stärkere gesetzliche Regelungen, so Stürmer: "Die Qualifikation für Sachverständige muss gesetzlich spezifiziert und Qualitätsstandards für psychologische Gutachten müssen definiert werden."
Zudem fordert Stürmer - ähnlich wie bei Psychotherapeuten und Ärzten - eine Kammerpflicht, die Fortbildungen und Qualitätskontrollen sicherstellt. "Momentan gibt es diese Verpflichtung nicht", sagt Stürmer.
*Sämtliche Namen wurden im WDR-Film geändert.
http://www.t-online.de/eltern/familie/id_71376834/wdr-doku-wenn-gerichtsgutachten-familien-zerstoeren-.html
P.S. Das kenne ich alles aus eigenem Erleben. Die Frage, die sich mir aufdrängt ist, wer hilft den Kindern die seit langer Zeit zu Unrecht aus ihren Familien gerissen wurden, die geschädigt wurden durch Gerichte, Gutachter usw.., denen die Schulbildung versagt wird und die mit Psychopharmaka vollgestopft werden. Solange es nicht um das Kind geht, sondern um Milliarden von Euro in dieser "Helferindustrie" wohl niemand!